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O Träumer auf dem Transatlantikflug –

von Ludwig Steinherr wie du in deinem Sessel verschwindest die Schlafmaske vor den Augen die weißen Earphones eingestöpselt entrückt aus Raum und Zeit der körperlose fließende Geist – Was für ein Selbstbetrug! Könntest du in deinen eigenen Schädel hineinschaun: Eine barbarische Höhle ist er – ein hohler Baumstamm in dem Killerbienen nisten ein Stundenhotel mit abertausend gläsernen Lustkabinen eine Folterkammer für Götter ein babylonischer Turm aus dem die Flammen schlagen ein Planetarium geflutet mit Blut – auf den Wellen lassen die Sterne ihre Spiegelbilder tanzen wie Papierschiffchen   © Ludwig Steinherr, München

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Reisepoesie Folge 15: Johann Gottfried Seume │ »Der Pass«

In 21 Folgen stellt die Online-Redaktion der Zeitschrift DAS GEDICHT internationale Reisepoesie aus vier Jahrtausenden vor. So können Sie sich gemeinsam mit uns auf den Weg zur neuen Ausgabe von DAS GEDICHT begeben. Die buchstarke Nummer 21 wird ab Herbst 2013 zeitgenössische Gedichte versammeln, die ums Reisen kreisen. Johann Gottfried Seume »Der Pass« Wenn wir am Rand des Lebens stehen, Und alles, was die Erde hält, Rund um uns her zusammen fällt, Wenn Kronen mit dem Bettelstab vergehen; Wenn Herrn von weiten, weiten Reichen, Die gestern noch mit ihrer Riesenhand Den Orient und Okzident umspannt, Heut ihren letzten Sklaven gleichen; […]

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Die Eisenbahn

von Rainer Rebscher Gemächlich fährt die Eisenbahn schnurrend auf dem Tisch herum, immer in derselben Richtung und dieselben Kreise. Ein Rentner fährt den Zug nach Plan, er stoppt in Jena und in Tann, kontrolliert Signale, Weichen akkurat und leise. Keiner darf den Zugchef stören, auch nicht seine Frau, Dienstmütze der Ostreichsbahn, die Uniform in Blau mit Orden. Stolz auf seinen Rang lenkt er den Schnellzug Stunden lang im Kreis herum und hoch und runter und bleibt bis spät am Abend munter. Von Zeit zu Zeit fühlt er sich leer, ihn quält das Fernweh allzu sehr. Frühmorgens schon poliert er dann […]

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Xenophil

von Wilhelm Riedel Im Reisebüro: Elegante Frauen blättern in Heften – Malediven, Kanaren. Ehemänner und Liebhaber bereichern die ganze Familie, Fotografien erscheinen gewichtig. Fernweh schweift über Berge, um das geheimnisvoll Fremde zu erreichen – und den Umsatz zu steigern. Keiner möchte wissen, wo die Fahrt zu Ende geht. Vielleicht flüstern verschwommene Stimmen von alten Geschichten und Heilkünsten, die man wissenschaftlich betreibt.   © Wilhelm Riedel, Groß-Zimmern und Düsseldorf

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