»Europas Dichter und der Erste Weltkrieg« von Geert Buelens

rezensiert von Paul-Henri Campbell Geert Buelens »Europas Dichter und der Erste Weltkrieg« Die Kulturbürger Europas sollen sich glücklich schätzen: Von 2014 und 2019 dürfen sie fünf Jahre lang schwarz tragen, denn fast jeden Tag fällt einer ihrer Lieblingsdichter zum 100. Mal auf das erinnerungsgetränkte Feld der Ehre, fünf Jahre lang heiterschaurige Denkmäler der Grausamkeit. Geert Buelens präsentiert den Kriegskontinent Europa im Strudel seiner Widersprüche zwischen kosmopolitischer Vermischung der Mentalitäten und dem infantilen Chauvinismus der Nationalisten, zwischen globalem Dorf und nationalistischer Kloake. Diese Spannung ist in den Lyrikern der Zeit selbst schon angelegt: in ihren hybriden Biographien wie bei dem germanophilen […]

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Wiedergelesen – Folge 1: »ein lilienweißer brief aus lincolnshire« und »gedichte von der wollust des dichtens in worte gefasst von H. C. Artmann«

Dr. Erich Jooß. Foto: Volker Derlath

Literatur ist vergänglich, auch wenn sie sich, wie jede Kunst, gegen ihre Vergänglichkeit zur Wehr setzt. Trotzdem entschwinden Bücher in Archivbibliotheken. Auf einmal gehören sie nicht mehr zu unserem Erfahrungshorizont. Erich Jooß stellt an jedem 15. des Monats vergessene Lyrikveröffentlichungen in seiner Rubrik »Wiedergelesen« vor, die bewusst unsystematisch angelegt ist. Entdeckerfreude und persönliche Vorlieben sind ihm als Kolumnist von DAS GEDICHT blog wichtiger als literaturhistorische Zensuren.   Ich gestehe, dass ich vor dickleibigen Büchern eher zurückschrecke. Deshalb stand der mehr als 500 Seiten starke Band »ein lilienweißer brief aus lincolnshire« trotz seines verlockenden Titels längere Zeit ungelesen im Regal. 1969 bei Suhrkamp erschienen, versammelt […]

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