Worüber sich der Streit lohnt – ein Plädoyer für gute Gedichte

von Erich Jooß Anlässlich des Welttages der Poesie am 21.3.2013 hat die Redaktion DAS GEDICHT den langjährigen Verleger und Medienexperten Erich Jooß um einen Gastkommentar zur Situation der Lyrik im deutschen Sprachraum gebeten. Statt neuer zentralistischer Verwaltungsapparate braucht die Poesie für ihr Überleben gute Gedichte, meint Jooß. So ganz neu ist das Phänomen nicht: Bis auf wenige Ausnahmen haben Gedichtbücher auch früher keine Bestsellerplätze belegt, im Gegenteil. Wer Erstausgaben sammelt, weiß aus eigener Anschauung, wie beschämend billig viele, im Nachhinein berühmte Lyrikbände am Anfang des 20. Jahrhunderts daherkamen – und wie niedrig, dafür später preistreibend, ihre Auflagen gewesen sind. Diese […]

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Das sind doch keine Romane

von Marco Sagurna, Hannover Sie zünden die Wörter als Böller, sie tanzen, sie trommeln rhythmisch, sie flüstern, bewispern, sie toben wie Kinder, sie brüllen, sie singen, besingen, sie stiften Gesang. Sie stellen aus, sie verstecken, sie täuschen an und vor. Sie stimulieren, sie betäuben. Sie fiedeln und duften und glimmen und glitzern. So eitel, so hochnäsig, so gebildet, so kunstfertig, so voll philosophisch, so summa cum laude. Sie wühlen im Dreck, sie spucken, sie treten, sie stottern und lallen. Sie dreschen, sie zechen, verkloppen, verklappen. Sie reden chinesisch, sie suchen, sie finden, sie kommen vertraulich, sie fremdeln, sie heucheln, sie […]

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Lyrik ist die wirkliche Sprache

von Jörg Neugebauer, Neu-Ulm Lyrik ist doch die wirkliche Sprache. Hier wird nichts benannt, nichts bewertet, nicht ›informiert‹. Das lyrische Sprechen geschieht beiseite, wie es der verstorbene Werner Dürrson genannt hat. Dabei geht der Blick ebendorthin, der des lyrisch Sprechenden und der Blick dessen, der hört. Und hören muss man, nicht lediglich lesen. Der Klang der Leier braucht Stimme und Ohren. Denn Klang ist er vor allem andern. Rhythmus, bedeutungstragender Laut. Aber es wird nichts bedeutet, der Hörer weiß, ohne zu wissen. So wie jener, der schrieb.

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Was kann Lyrik?

von Uwe Claus Gedichte sind für mich Blitzlichter. Für einen kurzen Moment wird die Szene zwischen Freund und Feind, eine Landschaft, das Detail eines vertrauten/fremden Gesichtes oder etwas ganz anderes belichtet. Als Leser sammle ich diese Negative. Die Zeit wird sie entwickeln und meine Sprache bereichern. Poesie so verstanden, wird es immer geben. Ansonsten müsste ich davon ausgehen, dass der Mensch irgendwann seine Sprache verliert. Es kommt dabei nicht darauf an, dass Hunderte von Millionen Menschen Gedichte schreiben und lesen. Mal sind es mehr. Mal sind es weniger. Auch dies unterliegt den Gesetzen der Mode. Es kommt darauf an, dass […]

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Literarisches Lebenselixier

von Imre Török Schon ein lyrischer Tropfen höhlt den Stein der Barbarei. Lyrik und Poesie boten zu allen Zeiten literarisches Lebenselixier. Erbauend, bezaubernd, widerspenstig. Wissen wir, ob jemals ein Gedicht Gewalt hat verhindern können? Fehlte jedoch nur eines, das je rezitiert oder im Stillen gelesen wurde, das von Liebe zur Natur, zur Sprache, zum Menschsein kündet, es würde uns viel fehlen. Das älteste deutschsprachige Gedicht, der 1. Merseburger Zauberspruch, erzählt von wehrhaften Frauen: »Eiris sâzun idisi, sâzun hêra duoder. / suma hapt heptidun, suma heri lezidun.« Seit der Niederschrift der Zaubersprüche Ende des 1. Jahrtausends und nach Abertausenden von Strophen, […]

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