»Bitterleichte Lyrik« von Volker Maaßen

rezensiert von Paul-Henri Campbell Volker Maaßen »Bitterleichte Lyrik« Volker Maaßen ist ein praktizierender Arzt, der auch Gedichte verfasst. Als dichtender Mediziner steht er damit in einer langen Tradition, die bereits einige berühmte Lyriker hervorgebracht hat. Doch dieser medizinische Dichter scheint ein Doctor mellifluus zu sein. Man liest die Texte, die er in einem Band mit dem Titel »Bitterleichte Lyrik« versammelt hat, auch mit nicht wenig Vergnügen: »Ihr Herz war stark / doch was am Morgen / als ich ging, zerbrach / am Ende eines Weines / war meines«, lautet die Schlussstrophe des Gedichts Ihr Herz so zart. Welcher Welt entspringen […]

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»Druckkammern« Max Czollek

rezensiert von Paul-Henri Campbell Max Czollek »Druckkammern« Sein Debütband heißt »Druckkammern« (2012) und das Verlagshaus J. Frank (Berlin) wird sich noch lange auf die Schultern klopfen können, diesen bemerkenswerten Dichter entdeckt zu haben. Max Czollek ist 1987 in Berlin geboren und begründete das Kollektiv G13 mit. Ich möchte die »Druckkammern« in drei Leserichtungen diskutieren: 1) das Gedicht als Druckkammer?; 2) Stilbrüche; 3) Herkünftigkeitsdialoge. Das Gedicht als Druckkammer Ist das Gedicht als Druckkammer möglich? Ein Instrument, das man dazu einsetzt, die Druckverhältnisse zwischen Innen und Außen, zwischen Heute und Gestern, zwischen Ich und Du auszugleichen. Nun ist, spätestens seit der frühen […]

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»Vom Gehen und Stehen. Ein Handbuch« von Martina Hefter

rezensiert von Paul-Henri Campbell Martina Hefter »Vom Gehen und Stehen. Ein Handbuch« Etwas, das man zur Hand nimmt. Ein Buch, zum Beispiel – ein Handbuch. Martina Hefter überreicht dem Leser mit »Vom Gehen und Stehen. Ein Handbuch« (kookbooks, 2013) ein vierteiliges Kompendium, das die sonderbare Spannung zwischen Bewegung und Stillstand verhandelt. Erst im dritten Teil begegnet man einer Art Poetologie, die ringt zwischen leiblicher Expressivität und skripturaler Anamnese, zwischen Ausgedrücktem und Erinnertem (oder Abgedrücktem): »Wenn aus dem Schreiben eine Haltung wird und man konserviert das, was man geschrieben hat, aber die Haltung nicht, was dann? Wie man sich in eine […]

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»Old Glory« von Heinrich Detering

rezensiert von Paul-Henri Campbell Heinrich Detering: »Old Glory« »wasp-waisted, they doze over muskets and muse through their sideburns« (Heinrich Detering: For the Union is Dead) »OId Glory« ist ein Kosename für die Flagge der Vereinigten Staaten von Amerika. Obschon die Flagge ursprünglich in Salem (MA) hergestellt und während des Sezessionskriegs als Banner der Unionstruppen verwendet worden ist, ist »OId Glory« ein Symbol für die nationale Einheit durch alle Diskontinuitäten, Widersprüche, Triumphe, durch alle busts and bangs hindurch. Das Smithsonian hütet heute »OId Glory« wie der Trierer Dom die Tunika Jesu Christi (Heiliger Rock). Ich lese Deterings Titelwahl als eine Art […]

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»Strohhalm, Stützbalken« von Walle Sayer

rezensiert von Paul-Henri Campbell Walle Sayer: »Strohhalm, Stützbalken« »Ein Kolumbus sein, der den Ort entdeckt, in dem er lebt seit fünfzig Jahren.« (Walle Sayer: Rochaden) In seinem neuen Gedichtband »Strohhalm, Stützbalken« (Klöpfer & Meyer 2013) träumt Walle Sayer den Traum einer Expressivität, die unbestimmt bleibt, weil sie offen ist, und die eindringlich ist, weil sie nichts vereinnahmen will. Im Klappentext heißt es: »Weit weg vom Seinsgehabe, Sinngetue. Und einfach sein. […] Ein lichter Hallraum entsteht. Bis aus dem Gesehenen Gesehenes wird.« Das klingt zunächst robust und bodenständig mit einem Touch Heidegger: Ein Dichter, der weiß, wohin er gehört, von niemandem […]

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