Der Dichter Mario Wirz ist tot und seine lyrische Stimme ist so lebendig wie immer

Heute ist ein unfassbar trauriger Tag. Denn ich habe erfahren, dass der Berliner Lyriker Mario Wirz gestorben ist. Seit vielen Jahren zählte er zu den Stammautoren unserer Zeitschrift DAS GEDICHT und wurde mir mehr und mehr ein guter Freund und ein verlässlicher, warmherziger, sowie sensibler lyrischer Weggefährte. Ich habe seinen jahrelangen mutigen und bisweilen auch von ihm selbst humorvoll mit Worten karikierten Kampf gegen viele seiner schweren Krankheiten miterlebt, von denen die wohl schwerste AIDS war.

Vor gut zwei Jahrzehnten war ich noch so sprachverliebt, dass ich mit den kristallin-klaren, ausdrucksstarken und sehr einfachen Versen von Mario Wirz wenig anfangen konnte. Je älter ich geworden bin, je mehr ich erlebt habe, umso mehr schätzte ich Marios Dichtungen. Ich stand mit ihm in regem E-Mail-Austausch und des öfteren haben wir miteinander telefoniert. Mario mochte auch meine Mittelschnauzerin Nelly sehr gerne, öfters schickte er ihr Postkarten und kleine Geschenke (sowie ein Amulett für Nellys Krebsoperation, die sie gottlob überstand) und er hatte sich zuletzt noch selbst einen Hund angeschafft. Mario hat uns für die kommende Reiseausgabe von DAS GEDICHT, Band 21, neue, unveröffentlichte Gedichte geschickt (auch welche, die von jener letzten Reise handeln, die uns allen früh oder später bevorsteht) und er wird natürlich auch in der kommenden GEDICHT-Ausgabe vertreten sein. Vor einigen Wochen sandte er mir noch ein Foto, das ihn zusammen mit seinem Hund zeigt und schrieb mir zum Abschied, dass er im Mai sterben wolle.
Jetzt hat er es geschafft und er fehlt mir sosehr. Noch kann ich mir gar nicht vorstellen, von ihm nichts mehr zu hören. Wie gerne hörte ich ihn lachen, als wir zusammen auftraten, zum Beispiel in der Alten Schmiede zu Wien oder im Alten Rathaus zu München (bei der großen Lyriknacht des 2. Ökomenischen Kirchentags (ÖKT)). Aber Gott sei Dank bleiben uns die Gedichte von Mario Wirz erhalten. Ich werde meinen Beitrag dazu leisten, dass sie weiterleben. Und mit ihnen auch Mario Wirz.

Auf Wiedersehen, Mario! Es war schön, Dich gekannt zu haben.

Zum Gedicht »Luftschloss« von Mario Wirz auf dasgedichtblog

Mario Wirz auf einer Lesung unserer Zeitschrift DAS GEDICHT in der Alten Schmiede zu Wien:

Mario Wirz beschließt unsere »Große Nacht der Poesie« im Rahmen des Ökumenischen Kirchentages in München (ÖKT) mit einem meiner Lieblingsgedichte von ihm, nämlich mit »Schwalbenflug«, sozusagen mit einem »Auferstehungsgedicht« zu einer Situation, die vielleicht schon mancher von uns selbst erlebt hat, natürlich auch ich als Vogelfreund und Schützer:

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