GIPFELRUF
Folge 32: Alma Larsen

Alma Larsen (*1945)

  • Lyrikerin aus München
  • www.alma-larsen.de

In loser Folge stellt Franziska Röchter für dasgedichtblog die Teilnehmer des »Internationalen Gipfeltreffens der Poesie« am 23.10.2012 in München vor. Sie sprach mit Gipfelteilnehmerin Alma Larsen über (Auto-)Biografisches in der Lyrik.

Alma Larsen. Foto: privat

»Was mich nicht berührt hat, darüber kann ich auch nichts schreiben.«
Alma Larsen

dasgedichtblog: Alma Larsen, Sie schreiben nicht nur Gedichte, Sie fotografieren auch und schreiben Biografien. Wen haben Sie bereits biografiert und wofür fotografieren Sie?

Alma Larsen: Ich habe die Arbeiten Bildender Künstler fotografiert und ich habe eine Zeit lang unter dem Motto »café sätze« in München Kolleginnen und Kollegen vorgestellt, die wie ich an Kunst interessiert waren, welche sich nicht an Gattungsgrenzen hält. In diesen Zusammenhängen entstanden kurze Biografien für Ausstellungen und Kataloge. Für das lange Portrait einer schon verstorbenen Bildhauerin suche ich noch einen Verlag, der die Kosten für Farbabbildungen nicht scheut.

dasgedichtblog: Außerdem veranstalten Sie auch Performances, Installationen und Lesungen. Wo kann man solche Installationen bewundern?

Alma Larsen: Diese Aktionen passierten überwiegend in den neunziger Jahren. Meine letzte Arbeit dieser Art fand zusammen mit einer befreundeten Südtiroler Künstlerin im Mai 2011 bei einer großen Gemeinschaftsausstellung in der Franzensfeste stat. Dort zeigten wir Fotos, Texte und ein Video über einen zeitgenössischen Bruder von Pinocchio, M.A.X. Matrix.

dasgedichtblog: Sie sind Mitglied der GEDOK. Was genau ist die GEDOK?

Alma Larsen: Die GEDOK ist die größte, und ich glaube auch die älteste interdisziplinäre Künstlerinnenorganisation in Deutschland, 1926 von Ida Dehmel gegründet. Ich habe dort sieben Jahre lang die Literaturgruppe geleitet. Durch die Nähe aller Künste in einem Verein ergeben sich immer wieder Gelegenheiten zur spartenübergreifenden Zusammenarbeit, was sehr anregend ist.

dasgedichtblog: Frau Larsen, wie wichtig ist Ihnen die Verarbeitung autobiografischer Inhalte in Lyrik?

Alma Larsen: Was mich nicht berührt hat, darüber kann ich auch nichts schreiben. Das heißt keinesfalls, dass ich nicht auch Inhalte recherchiere, besonders bei den Zyklen, die jetzt überwiegend entstehen.

dasgedichtblog: Gibt es eine bestimmte Herangehensweise, autobiografisch Erlebtes so zu verdichten, dass es nicht in reiner Selbstbespiegelung mündet?

Alma Larsen: Am Anfang versuche ich, vom privaten einen Schritt zurückzutreten zum persönlichen Interesse – das lyrische Ich bezogen auf ein imaginiertes Du. Dann kann ich Bilder finden für das, was mich zum Schreiben bewegt hat, die allgemeingültig sind. Manchmal spielt die Fotografie dabei noch eine Rolle. Die wichtigen Themen im Leben sind ja längst abgedichtet, also arbeite ich daran, überraschende Bilder oder unerwartete Wortverbindungen zu finden, die die Gegenwart erkennen lassen. Außerdem schreibe ich gern bis auf Eigennamen alles klein, weil sich daraus Mehrdeutigkeiten ergeben können. Die Offenheit der Texte für jeweils eigene Interpretationen ist mir wichtig. Das Gedicht »fließen lassen« drückt es ganz gut aus:

ein kommen&gehen: später gehe ich zur kunst
ein traum kommt zu mir wen treffe ich ganz zufällig?
schiebt sich unter die decke ein bild mit meinem traum
so gegen halbsieben geht so war ich nicht seine erste:
fremd mit dem wecker ein kommen&gehen

© Alma Larsen, München

»Ich übernehme nichts ungefiltert.«

dasgedichtblog: In Ihrem neuen Gedichtband »im nacken ein luftzug« (Spielberg Verlag, Regensburg, 2012) gibt es ein Mutmachgedicht, das folgendermaßen endet: »vertrau dem wandel der natur / dein herz ist ungebrochen.« Gibt es Tage, wo man sich die Bedeutung solcher Verse vergegenwärtigen muss?

Alma Larsen: Der Zyklus, aus dem Sie zitieren, entstand nach einem Reha-Aufenthalt, als ich mir die Schulter gebrochen hatte. Der Schritt über das private Ereignis hinaus war, mich mit gänzlich Unbekannten auszutauschen, was mir eigentlich nicht leicht fällt. Daraus ergaben sich Gespräche weit über aktuelle Leidensgeschichten hinaus. Das sind aber nur Anregungen, ich übernehme nichts ungefiltert. Wenn dann etwas gedruckt ist, komme ich nur bei Lesungen darauf zurück.

dasgedichtblog: Frau Larsen, Sie organisieren für den Herbst das erste »Schamrockfestival München« zusammen mit Augusta Laar und Ines Struck. Was für ein Festival wird das sein, wie ist es zu der Idee gekommen und was erwartet die Besucher?

Alma Larsen: Die Idee des Festivals entstand aus dem »Schamrock-Salon«, den Augusta Laar seit 2009 in der Pasinger Fabrik abhält. Dort lesen nicht nur viermal im Jahr deutschsprachige Lyrikerinnen, sondern es geht in darauf folgenden Gesprächen um die aktuellen Bedingungen ihres Schreibens – und die sind durchaus verbesserungswürdig. Dazu wollen wir beim Festival in Lesungen, einem Seminar, Vorträgen und Performances – zum Teil mit Band – Anregungen geben und uns austauschen.

dasgedichtblog: Wie wichtig sind reine Frauenveranstaltungen in der Literatur, werden dort überhaupt Männer auftreten, und erwarten Sie auch männliche Besucher?

Alma Larsen: Es treten auch einige Männer auf, zum Beispiel als Bandmitglieder oder mit Poesieclips, und wir erhoffen uns viele männliche wie weibliche Besucher, damit sich die Kunde von fähigen Dichterinnen überall wie ein Lauffeuer verbreitet. In Anthologien finden sich inzwischen viele Gedichte von Frauen, auch können junge Dichterinnen inzwischen mehr veröffentlichen als zu meiner Anfangszeit, aber ausgeglichen ist das Konto noch lange nicht.

dasgedichtblog: Alma Larsen, ganz herzlichen Dank für das Gespräch.

Alma Larsen
Im Nacken ein Luftzug. Gedichte

Spielberg Verlag, 2012
100 Seiten
ISBN 978-3-940609-71-7
EUR 8,90 [D]





Das »Internationale Gipfeltreffen der Poesie: 20 Jahre DAS GEDICHT« ist eine Veranstaltung von Anton G. Leitner Verlag | DAS GEDICHT in Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat der Landeshauptstadt München und dem Literaturhaus München. Die Veranstaltung wird vom BR für sein Fernsehprogramm BR-alpha aufgezeichnet (geplante Erstsendung: Samstag, 12. Januar 2013, 22.30 Uhr, Reihe »Denkzeit«, BR-alpha). Hugendubel.de unterstützt das »Internationale Gipfeltreffen der Poesie: 20 Jahre DAS GEDICHT« als Förderpartner.


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