GIPFELRUF
Folge 4: Semier Insayif

Semier Insayif (*1965)

  • Lyriker aus Wien
  • www.semierinsayif.com

In loser Folge stellt Franziska Röchter für dasgedichtblog die Teilnehmer des »Internationalen Gipfeltreffens der Poesie« am 23.10.2012 in München vor. Sie sprach mit Gipfelteilnehmer Semier Insayif über sein Verhältnis zur Bewegung.

Semier Insayif. Foto: Ian Ehm

Audiodatei: Semier Insayif liest »selbst – innen – gegen – über«

»wenn dichten dick macht, macht schreiben schlank.«
Semier Insayif

dasgedichtblog: Semier Insayif, eine profane Frage: Macht Dichten dick? Oder sagen wir: Kann Dichten dick machen? Spaß beiseite, ich las, Sie sind unter anderem auch Fitnesstrainer. Stimmt das? Welche Disziplinen lehren Sie?

Semier Insayif: wenn dichten dick macht, macht schreiben schlank, reden rot, schweigen schwarz, denken dumm und fragen, ja fragen macht natürlich frei, fromm und froh. ernst beiseite. da ich von jungen jahren an leistungsmäßig tennis gespielt habe, war ich immer mit bewegung und sport selbstverständlich verbunden. zwischen meinem 18. und 35. lebensjahr habe ich als tennis- und fitnesstrainer aktiv gelehrt. sowohl im leistungskontext, z. b. für jugendliche tennisspieler (kondition, aerobic – high impact, beweglichkeit, koordination, mentales training), als auch im gesundheitskontext (body-work, stretching, diverse entspannungstechniken).

dasgedichtblog: Semier Insayif, sind Sie gebürtiger Österreicher?

Semier Insayif: ich bin in österreich geboren, wenn sie das meinen. das wort »gebürtig«, hat ja wohl etwas mit dem wort »geburt« zu tun. meine mutter ist in deutschland auf die welt gekommen (sie hatte eine deutsche mutter und einen österreichischen vater), aber schon mit 6 monaten nach wien übersiedelt. mein vater ist in baghdad im irak geboren und kam mit 19 jahren nach wien, um medizin zu studieren. ich bin also in österreich geboren, lebe ausgesprochen gerne in wien, und besitze einen österreichischen pass. ob ich mich als österreicher fühle, ist eine andere frage.

dasgedichtblog: Sind Sie mehrsprachig aufgewachsen? Sprechen Sie fließend Arabisch?

Semier Insayif: ich habe die arabische sprache im ohr, als kind von meinem vater viele geschichten in arabischer sprache erzählt bekommen und habe viel arabische musik gehört. habe die sprache aber nur fragmentarisch zur verfügung. habe sie kaum aktiv benutzt, da wir in der familie deutsch gesprochen haben. nur als kind mit verwandten, wenn wir in baghdad auf besuch waren. ich habe erst vor ein paar jahren an der uni arabisch schreiben gelernt, was ganz wunderbar war. jetzt kann ich wenigstens selbständig in wörterbüchern nachschlagen.

dasgedichtblog: Wie oft besuchen Sie Ihre zweite – oder erste? – ›Heimat‹?

Semier Insayif: ich war seit 1979 nicht mehr im irak. die politische situation hat es verunmöglicht. ein sehr schmerzhafter punkt in meinem leben. von der familie väterlicherseits so abgeschnitten zu sein. ich wollte gerne immer wieder mal als kind oder jugendlicher eine zeit lang bei meiner familie in baghdad leben, die sprache lernen … dazu kam es leider nie. wir sind dann öfter besucht worden von familienmitgliedern, waren aber seither nicht mehr im irak.

dasgedichtblog: Semier Insayif, unter anderem nennt man Sie »Kommunikationspoet«. Was genau soll man sich darunter vorstellen? Ist das eine Anspielung auf Ihre Tätigkeit als Trainer für Interaktionsanalyse?

Semier Insayif: da ich diesen begriff nicht selbst geprägt habe, kann ich diese frage nicht beantworten. assoziationen gibt es viele dazu. vielleicht aufgrund meiner sonstigen beruflichen tätigkeiten im psychosozialen kontext, vielleicht auch weil ich einfach sehr gerne mit menschen ins gespräch komme, auch und besonders im rahmen von lesungen. ich versuche immer wieder von der bühne direkt kontakt aufzunehmen. darüberhinaus konzipiere und moderiere ich selbst veranstaltungen und leite schreibwerkstätten und in all diesen aktivitäten ist mir die kommunikation über poesie, literatur und kunst ein großes anliegen und freude.

»bewegungslosigkeit gibt es gar nicht.«

dasgedichtblog: Die Presse bezeichnet Sie als »Wortakrobat« und »Sprachdompteur«, Rezensenten nennen Sie »Wortdurchpflüger« und »Wortverschweißer«. Diese Worte beinhalten ja schon jede Menge Aktivität. Wodurch sind Sie auf die Idee gekommen, Bewegung in Gedichten und Texten zu manifestieren?

Semier Insayif: das phänomen der ›bewegung‹ fasziniert mich schon lange. der versuch, bewegungsdefinitionen aus verschiedenen blickwinkeln (z. b. der musik, philosophie, physik, sprache, …) aufzugreifen und auf poetische spurensuche zu gehen, wobei der körperlich-leibliche erfahrungsbereich bewegungen selbst auszuführen oder bewegungen an sich und in sich selbst vollzogen zu verspüren natürlich einen weiteren ausganspunkt darstellt. »sich bewegen« und »jemanden bewegen« steckt im wort »bewegen« als transitiv oder intransitiv drinnen. damit sind wir mitten in den themen sprech-, sprach- und denkbewegungen. was könnte das poetisch gesehen bedeuten und wie könnte das poetisch wahrgenommen aussehen, worauf fußt das alles und wohin könnte es uns führen? bis heute lassen mich diese suchbewegungen nicht los, vielleicht überhaupt ein grundthema von poesie und meiner weltwahrnehmung?! man denke an die schule der peripatetiker und die idee, dass es bewegungslosigkeit gar nicht gibt. so wie es stille nicht gibt. oder sie zumindest nicht beobachtbar ist. selbst wenn wir völlig ruhig und still verharren, gluckert und blubbert es fortwährend in uns und alle möglichen zellen sind unterwegs und in bewegung und gleichzeitig schießen wir ja am erdball hockend mit atemberaubender geschwindigkeit durchs weltall …

dasgedichtblog: Ihre Lyrik ist experimentell in verschiedener Hinsicht. Ihr 2004 entstandenes Projekt »libellen tänze« (Haymon, 2004) würde zusammenfügen, »was eines Ursprungs ist: Worte und Klänge.« Auf der dem besagten Buch beigefügten CD haben Sie versucht, Cello-Suiten von Bach in Lyrik umzusetzen und deren Rezitationen im Wechsel mit der Musik zu einer neuen Einheit verschmelzen zu lassen. Die rationale Herangehensweise in der Rezeption Ihrer Lyrik sei hier nicht gefragt, der Leser solle sich das Kunstwerk »lesend ertanzen«. Also ein bisschen das Denken ausschalten?

Semier Insayif: nicht ausschalten, aber ich halte leidenschaftliche plädoyers fürs ›nichtverstehen‹ oder besser gesagt fürs ›nicht zu voreilige verstehen‹ oder anders gesagt fürs ›mehrsinnige verstehen‹. der sinn ist nicht die letzte schicht eines textes. nicht immer sinnzentriert hören, sondern auch sinnenzentriert. den gedichten lauschen wie der musik. also nicht die fixierung auf die frage, was es im engen semantischen sinn bedeutet. das ist die stärke des kunstwerkes ›gedicht‹, es macht so viele fenster des verstehens sichtbar, dass man manchmal ganz taumelig davor steht, sitzt oder liegt. die melodien, die rhythmen wahrzunehmen, die verschiedenen materialitäten und immateriellen schwingungen eines gedichtes, kann so bereichernd sein. welche oberflächen, schichten und tiefenstrukturen hat ein gedicht? die bachschen cellosuiten sind ursprünglich ja tänze. das heben und setzen des tanzfußes oder versfußes ist da wohl eine möglichkeit, sich ahnend der musik und den gedichten annähern zu können. die schwebe zwischen ratio und emotio ist bei bach ja unheimlich balanciert und ergreifend. ich habe versucht, poetische strukturen zu finden, die den strukturen der bachschen cellosuiten in irgendeiner weise entsprechen oder ihnen entgegenstehen, um darüber hinaus zu wandeln oder zu fliegen, wie der bogen eines cellos über die saiten. also nein, nicht ausschalten, und ja doch, zumindest zeitweise ausschalten oder umschalten, um in eine andere rezeptionshaltung zu gelangen.

dasgedichtblog: Sie werden unter anderem auch als »Peripatetiker« bezeichnet (von griechisch: peripatein = umherwandeln; Peripatetiker = Angehörige der aristotelischen Schule, die im Peripatos, dem Wandelgang, Gespräche mit den Schülern im Umhergehen führen). Steht das nicht im Widerspruch dazu, eine Lesung sitzend zu veranstalten?

Semier Insayif: wer sagt, dass man immer nur sitzend lesen muss. ich stehe oft dabei oder bewege mich im raum. aber auch im sitzen bewegen wir uns. die hände, die lippen, die zunge, der ganze sprechapparat – was für ein wort –, der oberkörper wiegt hin und her, die arme pendeln, baumeln, schwingen, der kopf neigt sich und wippt und … welcher körperteil befindet sich eigentlich in ruhe? das herz wohl nicht und wie stehts mit dem geist?

»meine aufforderung lautet: gedichte laut und leise lesen, jemandem vorlesen, sich vorlesen lassen, sie tanzen, flüstern, schreien …«

dasgedichtblog: In Ihrem 2001 erschienen Band Gedichtband »über gänge verkörpert« (Haymon) spüren Sie den verschiedensten Bewegungs-Formen, -Arten, -Richtungen und ihren Prinzipien nach, sezieren geradezu bewegliche Abläufe bis in Gedankensegmente hinein. Teilweise wirken diese Texte präzise an naturwissenschaftliche Maßstäbe angelehnt. Zugegebenermaßen keine ganz leichte Kost. Handelt es sich da schon um Texte, die sich – auditiv rezipiert – noch einmal eine ganz andere Verständnisebene erschließen?

Semier Insayif: was heißt eigentlich nicht ganz leichte kost? bezieht sich das eben wieder auf das prinzip, dass etwas, ein ding, ein umstand, ein gedicht nur eine verständnismöglichkeit hat oder haben soll? und man muss es ganz genau auf eine art lesen und verstehen können? ganz nach dem prinzip eindeutigkeit. eindeutigkeitsüberbewertung führt meiner meinung nach oft zu einem monokulturellen denkprinzip der ›eindeutigkeitsidiotie‹. die poetische präzision ist aus meiner sicht eine öffnende, weniger eine schließende. jedes wort, jeder laut , jeder vers, … öffnet mehrere fenster zu einer welt, die dadurch in vielerlei perspektiven unterschiedlichst wahrnehmbar wird. fenster sind aber nicht nur fenster fürs auge, sondern auch hörlöcher oder riechöffnungen oder tastreliefs, …! also meine aufforderung lautet: gedichte laut und leise lesen, jemandem vorlesen, sich vorlesen lassen, sie tanzen, flüstern, schreien, sie betrachten, als bild, sie als landkarte lesen, an ihnen schnuppern, sie schmecken, sie tasten, sie umwerfen und wiedererrichten, sie unter den kopfpolster legen, über die schulter werfen, auf ihnen trampeln und in ihnen träumen, sie an die wand hängen, ins herz schließen, aus ihnen trinken, sie selbst schreiben und sie verschenken, …

dasgedichtblog: Ihr neuester Gedichtband »boden los« hat für mich stellenweise einen anderen Duktus als »über gänge verkörpert«. Allein im »vor garten« über den »sprachstachel« zu lesen, bereitet Vergnügen, weil Sie ethymologischen Bedeutungszusammenhängen, Redewendungen (»wir stehen rede und antwort«) und Wortfamilien in Zusammenhang mit Sprache nachspüren. Die Sprache ist für Sie ein reicher Garten, Worte sind »Wunderfrüchte«, die aus »stacheligen Hüllen« schlüpfen. Hängt Ihr großes Interesse, dem Wesen der Sprache nachzuspüren, mit Ihrer Bilingualität zusammen?

Semier Insayif: unter anderem möglicherweise ja. wenn gegenstände nicht selbstverständlich einen namen haben, sondern immer wieder merkbar zumindest zwei, dann wird etwas geöffnet. die ganze identitätsfrage steckt natürlich als fortwährendes interesse dahinter. vielleicht ist das bei menschen offensichtlicher und präsenter, wenn sie aus zwei kulturell sehr unterschiedlichen räumen kommen und sich das bis auf die oberfläche des aussehens nachvollziehen lässt. aber grundsätzlich denke ich, dass jeder mensch, der sich für das menschsein interessiert, also für sein eigenes ich und für die vielen anderen menschen, die ja sowohl als ich als auch als du existieren, dann kommt man doch an den sprachen nicht vorbei.

»jeder mensch, der spricht, macht musik.«

dasgedichtblog: Mir kommt es so vor, als sei für Sie »Zunge« fast ein Synonym für das Herz, die Seele, das Gehirn. Ihr Gedicht »ich dir« (in: boden los, Haymon, 2012) veranschaulicht sehr schön die Macht der Sprache und Worte. Einmal etwas »eingepflanzt«, gesät, wird es irgendwann seine Wirkung, positiv oder negativ, entfalten. Sollten wir mehr überlegen, was wir sagen, achtsamer mit Worten umgehen?

Semier Insayif: unbedingt! dadurch erhoffe ich mir größere differenzierungen, keine platten unhaltbaren generalisierungen und politische schlagwörter, die tatsächlich als schlagwörter funktionieren. sie schlagen zu und führen zu kategorisierungen, die zur lähmung des denkens und empfindes führen, anstatt die entwicklung zum menschwerden anzuregen. jeder von uns, jeder und jede einzelne ist durch die art und weise der sprachverwendung gesellschaftspolitisch aktiv. in welche richtung auch immer. ich finde die verwendung von verallgemeinerungen in den medien unerträglich. es wird noch immer und immer wieder von den chinesen, deutschen, österreichern, russen, arabern, türken, usw. … gesprochen. nicht von regierungen dieser länder oder von einzelnen personen, um nur ein kleines beispiel zu nennen. hören sie zu, es ist unglaublich, dass das noch immer nicht anders ist. wenn das in medien geschieht, die versuchen, ernsthafte berichterstattung zu machen, dann ist das als vorbildwirkung eine katastrophe! und die schönheit aller sprachen und deren vielseitigkeit geht ja völlig unter. jeder mensch, der spricht, macht musik.

dasgedichtblog: Der Text »verhör selbst innen« (ebd.) wirkt auf mich sehr rhythmisch. Ebenso »ein für alle mal ver«. Haben Sie schon einmal ausprobiert, solche Texte zu tanzen?

Semier Insayif: davon habe ich ja schon weiter oben gesprochen. natürlich. ich habe auch mit tänzern gearbeitet, die professionell versucht haben, gedichte zu vertanzen. auch mit in ausbildung befindlichen jungen kunsttherapeutinnen mache ich immer wieder solche versuche. körperhaltungen zu finden, bewegungsabläufe, die z. b. aus ihrem gefühl heraus einem selbst geschriebenen oder auch einem ›fremdgedicht‹ entsprechen. in poetischen schreibwerkstätten ist so viel möglich. sich miteinander zeit und platz zu nehmen den sprachen zu lauschen und sie vielfältigst zu erfahren.

dasgedichtblog: Mir gefallen auch sehr die Einflechtungen einzelner Zeilen in arabischer Schriftsprache, wie z. B. in »zwischen gespinst« oder »maqām al-qubbantschī « (ebd.). Ihr Band »boden los« ist ja auch eine lyrische Wanderung zwischen Orient und Okzident. Wie auch Ihr rhythmischer Prosaroman »Faruq« (Haymon, 2009) eine Wanderung zwischen der morgen- und abendländischen Welt und ein Sich-Bewegen zwischen Identität und Heimatlosigkeit ist. Wieviel Autobiographisches ist darin enthalten?

Semier Insayif: natürlich sind spuren von mir in den gedichten oder texten zu finden, die man autobiographisch nennen kann. aber was das genau ist, ist nicht so einfach zu beantworten. denn fiktives ist mir manchmal näher als scheinbar autobiographisches. und ist sogenannt autobiographisches in literarischen texten nicht immer schon fiktion, erinnert, konstruiert, gebaut, formalisiert, also immer schon zumindest zweiter ordnung?

dasgedichtblog: 2008 gehen Sie in einem Essay über den schwierigen »Geburtsprozess« Ihres Gedichtbandes »unter schall – gedichte im zweiklang« dem manchmal komplizierten Verleger-Autoren-Verhältnis nach und stellen fest, dass eine gewisse »Verlegenheit« um weibliche Verlegerinnen herrscht. 2011 gab es eine Umfrage bei sieben großen deutschen Verlagen zum Thema »Frauenquote in Medienberufen«, die das bestätigten. Wie würden Sie sich selbst die Frage nach der Unterrepräsentation von Frauen im Verlagswesen erklären?

Semier Insayif: natürlich fallen mir schnell werthaltungen, entwicklungen und traditionen ein, die dafür gesorgt haben und denen man dies zuschreiben kann. frauen in leitenden positionen sind noch immer seltener, als ich es wünschenswert finde. so ist diese branche keine ausnahme. leider ist sie das in vielerlei hinsicht nicht. diese schnellschusserklärung scheint mir aber sehr dürftig zu sein und deshalb ist sie keine erklärung, sondern mehr reproduzieren von hülsen. ich müsste mich intensiver damit beschäftigen, um eine tiefgreifendere und interessantere antwort als bedeutungskonstruktion anbieten zu können.

dasgedichtblog: Sie recherchierten kürzlich im Rahmen eines längeren Stipendiataufenthaltes in der Nähe von Rom. Darf man auf Neues aus Ihrer Kreativwerkstatt gespannt sein?

Semier Insayif: ja, ich hatte das vergnügen zu reisen, zu recherchieren und zu schreiben. ein gedichtzyklus (zwei sonettenkränze) ist fortgeschritten und verschiedenste ideen für einen roman entstehen und sind dabei, sich langsam zu entwickeln. mal sehen, wo mich das hinführt.

dasgedichtblog: Semier Insayif, herzlichen Dank für das ausführliche Gespräch!

Semier Insayif
boden los. Gedichte

Haymon Verlag, 2012
168 Seiten
ISBN 978-3-85218-733-4
Euro 19,90  [D]





Das »Internationale Gipfeltreffen der Poesie: 20 Jahre DAS GEDICHT« ist eine Veranstaltung von Anton G. Leitner Verlag | DAS GEDICHT in Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat der Landeshauptstadt München und dem Literaturhaus München. Die Veranstaltung wird vom BR für sein Fernsehprogramm BR-alpha aufgezeichnet (geplante Erstsendung: Samstag, 12. Januar 2013, 22.30 Uhr, Reihe »Denkzeit«, BR-alpha). Hugendubel.de unterstützt das »Internationale Gipfeltreffen der Poesie: 20 Jahre DAS GEDICHT« als Förderpartner.


Ein Kommentar

  • Ob Dichten dick macht, finde ich eine profane Frage, die sehr sinnvoll ist. Das Dichten selbst ist relativ unschuldig, aber das Treiben und Tun, das rings um das Dichten nötig ist – Selbstmanagment, Recherche, Promotion usw. usf., alle, die keine Agenten haben, kennen das Paket, und das sind viele… – ist für mich momentan ein Problem, da es Einen sehr viel an den Bildschirm fesselt. Wo Andere Sport treiben, indem sie Fußball (Sportschau, EM) gucken oder gar selbst spielen (…), sind wir an den Stuhl gefesselt, der oft genug ein Marterstuhl ist… Auch habe ich beobachtet, dass Lyriker mit Vielem gesegnet sind (…), aber nicht immer ein gesegnetes Alter erreichen. Das stimmte mich nachhaltig nachdenklich. Deswegen gedenke ich, da ich schon nicht auf das Schreiben verzichten will, die (Neuen) Medien radikal einzuschränken, indem ich nur noch am Wochenende zu ihnen Zugang habe. Das muss dann genügen. Also werden auch diese Kommentare etwa ab zweite Jahreshälfte seltener werden 😉 Deshalb jetzt schon mal… Man kann nicht immer alles parallel vorantreiben, noch gar alle Medien gleichzeitig bedienen. So hatte ich ein Zeitungsjahr, jetzt ein Facebookjahr usw. usf. Es zeigt sich auch hier wieder: Manchmal sind gerade die profanen Fragen von größter lebenspraktischer Bedeutung! Daran sollten sich gewisse Lyriker gelegentlich mal erinnern und sich keineswegs zu schade sein, noch zu gehoben geben, darüber zu reflektieren. Wilhelm Busch hat das immer gewusst und getan und ist damit bis heute unvergessen, während sehr, sehr viele sog. Hermetiker zwar Preise bekamen und bekommen, aber in der Wirklichkeit nie angekommen sind… Wie unvergessen werden sie sein-? Michael Schönen hat es auch erkannt:

    „Was heißt denn: ein Dichter sein?
    Dichter sein heißt: Sich entschein,
    sein Lem lang daheim zu bleim
    und an som blön Reim zu schreim.“

    (so steht es des Längeren auf meiner Homepage)

    „Was heißt denn: ein Dichter sein?

    Dichter sein heißt: Sich entschein,

    sein Lem lang daheim zu bleim

    und an som blön Reim zu schreim.“

    (so steht es schon lange auf meiner Homepage, nicht ohne Grund…)

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