GIPFELRUF
Folge 67: Sissi Pöschl

Sissi Pöschl (*1952)

  • Vorsitzende des Vereins »Ecuador Licht und Schatten e.V.« aus Landshut

In loser Folge stellt Franziska Röchter für dasgedichtblog die Teilnehmer des »Internationalen Gipfeltreffens der Poesie« am 23.10.2012 in München vor. Dieses Mal stellt sie Ehrengast Sissi Pöschl und ihren Verein »Ecuador Licht und Schatten e.V.« vor.

Sissi Pöschl. Foto: privat

»Unser Anliegen ist es, dass die Menschen ihr Schicksal auf Dauer selbst in die Hand nehmen können.«
Sissi Pöschl

Die spartanischen Steinhäuser tragen hübsche Namen wie Casita »Humphrey«, Casita »Marco« oder Casita »Sonnenschein«, und wenn aufgrund der Hitze tagsüber die Stoffvorhänge an den Fenstern zugezogen werden, gibt es natürlich auch Schatten im Haus. Die Inhaber dieser in Guayaquil erbauten Steinunterkünfte, Familien wie zum Beispiel la Familia Solis Quintero, strahlen über das ganze Gesicht, wenn sie Besuchern wie Sissi Pöschl ihren – verglichen mit vorherigen Unterkünften – enormen wohnlichen Fortschritt zeigen können: ein festes (Wellblech-)Dach über dem Kopf, durch Vorhänge abgetrennte Schlafräume und zumeist ein Herd machen das Leben wesentlich angenehmer, als es vor der Errichtung dieser Steinhäuser in den Bambushütten war.

Diese Verbesserung verdanken sie der Initiative der engagierten Landshuterin Sissi Pöschl, die 1995 zusammen mit einigen begeisterten Landshuter Bürgern den Verein »Ecuador – Licht und Schatten e.V.« gründete. Vorher hatte sie zusammen mit Pater Karl Oerder von den Salesianern Don Boscos eine Reise nach Ecuador unternommen und während einiger Besuche in den Favelas gesehen, in welcher Armut und in welchen zum Teil menschenunwürdigen Umständen schon Kinder in Ecuador ihr Leben meistern müssen. Speziell verwaiste Kinder ohne festes Elternhaus und ohne Schulbildung haben keinerlei Perspektiven, da sie bereits in jungen Jahren auf der Straße leben und oftmals nur durch Kleinkriminalität überleben können.

Hilfe zur Selbsthilfe

Sissi Pöschl reist regelmäßig, oft auch zusammen mit ihrem Mann Dr. Ernst Pöschl, Geschäftsführer des weltweit größten Schnupftabakkonzerns, der 1902 gegründeten Pöschl Tobacco Group (damals noch Brasiltabakfabrik Pöschl & Company), in die ecuadorianischen Orte Quito, Esmeraldas, Guayaquil und Playas, in denen sich der Verein engagiert. Ihr ist es wichtig, die Spenden sowie Geschenke direkt vor Ort zu übergeben, um sich dabei auch einen persönlichen Eindruck vom Fortschritt der Projekte zu verschaffen. Bei solchen Gelegenheiten gelangt auch immer ein Souvenir aus Bayern zu den Einheimischen – und sei es in Form der weiß-blauen Fahne, die schon mal ein Schulfest schmückt. »An all unseren vier Projektorten ist das Geld bestens verwendet worden. Die Projektverantwortlichen leisten Großartiges«, berichtet Sissi Pöschl.

Das primäre Anliegen von »Luz y Sombra« ist aber nicht, »beneficencias« und »caridades« zu verteilen, sondern Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten und dafür zu sorgen, dass die Menschen in den ecuadorianischen Projektstädten ihr Schicksal auf Dauer selbst in die Hand nehmen können. »Als nahezu 200 Schüler in Esmeraldas begeistert ›Gracias, Ecuador, Luz y Sombra‹ riefen, spürte ich, dass unser Geld für die Stipendien bestens angelegt ist«, so Sissi Pöschl. »Die Stiftung Fundación Don Bosco von unserem Pater Pio ist zu einem Vorzeigeprojekt geworden. In Calderon arbeiten neben den Kindergärtnerinnen noch zwei Volontäre aus Deutschland, die sowohl in der Kinderkrippe als auch im Kindergarten und nachmittags bei den Hausaufgaben mithelfen.« In Chillogallo in der Casa Amigo Don Bosco arbeitet ein Psychologe rund um die Uhr, denn psychische Probleme oder gewaltsame Übergriffe seitens enger Verwandter sind an der Tagesordnung. So wundert es nicht, dass das Motto des Vereins »Licht und Schatten e.V.« »Bildung statt Armut ist«. Denn die Förderung eines gebildeten und aufgeklärten Nachwuchses ist immer noch die beste Mittel gegen Korruption und Bestechlichkeit in der Politik. Auch kann dadurch unter Umständen sogar der Kreislauf der enormen Ungleichverteilung von Armut und Reichtum unterbrochen werden.

Bildung als Perspektive

Sissi Pöschls Verein unterstützt Hilfsprojekte für die Jugend Ecuadors. Er arbeitet eng mit dem Orden der Salesianer Don Boscos zusammen, dessen Vertreter die Projekte vor Ort umsetzen. So leiten beispielsweise Salesianer-Patres oder Entwicklungshelfer Bildungsstätten und bringen in Zusammenarbeit mit Kindergärten, Schulen, Betrieben zur Berufsausbildung, Krankenhäusern oder der Katastrophenhilfe Projekte voran. In Landshut selbst, dem Herzen des von Sissi Pöschl gegründeten Vereins »Licht und Schatten e.V.«, werden ebenfalls Aktionen wie der Missionsgottesdienst mit Missionsessen im Frühjahr, der Wohltätigkeitsball im Herbst, weitere Wohltätigkeitsveranstaltungen wie z. B. Konzerte sowie Verkaufs- und Schulaktionen durchgeführt.

Im Juni 2011 erhielt Sissi Pöschl für ihr langjähriges und vorbildliches Engagement die Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland, da sie mit ihrem beherzten Einsatz vielen bedürftigen Menschen eine neue Lebensperspektive eröffnet hat. Durch das Errichten eines Netzwerkes sind inzwischen Kooperationen mit anderen Entwicklungshelfern und der Indiohilfe »AMAZONICA« entstanden. Zusätzlich zu anderen Ehrenämtern ist Sissi Pöschl seit vielen Jahren auch Gruppenführerin der Herzoglichen Hofküche bei der »Landshuter Hochzeit 1475«, die erneut vom 28.06. bis 21.07.2013 stattfinden wird, seit 1903 zum 40. Mal. Die Landshuter Hochzeit ist eines der größten historischen Spiele Europas, bei dem weit über 2000 Mitwirkende in originalgetreuen Kostümen das Mittelalter mit seiner ganzen Pracht und seinen Feierlichkeiten wieder aufleben lassen. Wer einmal in Landshut war, kann sich kaum einen besseren Ort für eine derartige Veranstaltung vorstellen. Und wer weiß: vielleicht können an dieser Mammutveranstaltung sogar eines Tages einige der in Ecuador ausgebildeten Jugendlichen teilnehmen.

Weitere Informationen und Hinweise zu Spendenmöglichkeiten unter: www.ecuador-licht-und-schatten.de





Das »Internationale Gipfeltreffen der Poesie: 20 Jahre DAS GEDICHT« ist eine Veranstaltung von Anton G. Leitner Verlag | DAS GEDICHT in Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat der Landeshauptstadt München und dem Literaturhaus München. Hugendubel.de unterstützt das »Internationale Gipfeltreffen der Poesie: 20 Jahre DAS GEDICHT« als Förderpartner. Die Veranstaltung wird vom BR für sein Fernsehprogramm BR-alpha aufgezeichnet (geplante Erstsendung: Samstag, 12. Januar 2013, 22.30 Uhr, Reihe »Denkzeit«, BR-alpha). Das Aus- und Fortbildungsradio München afk M94.5 und dasgedichtclip – lyrik tv sind weitere Medienpartner.


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