Hardy

von Hellmuth Opitz

Allein wie sein Wurstfinger um die Klingel kreist,
bevor er den Knopf drückt, diese Schnörkel,
Gestik, die noch um die kleinste Handbewegung
eine Schleife bindet: Opulenz als Präsent.
Schon bei der Geburt ein Gewicht von 14 Pfund,
Vorname: Norvell, Spitzname: Babe. 250 Pfund später
die Hälfte eines Duos, das die Welt vor Lachen beben lässt.

Rollen klar verteilt: Stan – ein Typ vom anderen Stern.
Höherer Blödsinn. Verzauberter Autist und Anarchist.
Er dagegen: bürgerliche Fassade, um Würde bemüht,
zum Abriss bestimmt. Geplatzte Hosen. Tortengesicht.
Ansonsten Erfinder des Mitgefühl heischenden Blicks
in die Kamera, des verlegenen Nestelns an der Krawatte,
des Seufzers: »Well here’s another nice mess, you’ve gotten me into.«

Kein Gagschreiber, aber der bessere Schauspieler.
Was ihm der Andere eingebrockt hat, löffelt er aus.
Aber immer mit abgespreiztem Finger. Echter Südstaaten-
Gentleman: Drei Mal verheiratet. Immer kleine, zierliche Frauen.
Eleganter Tänzer und Sänger, passabler Stopper
beim Baseball, der beste Golfer in Hollywood.
»Er war groß und fett und sein Handicap war 10.«

Das schrieb die Times in ihrem Nachruf, als er starb.
Wenige Monate vor seinem Tod letzte Aufnahmen:
zusammengeschnurrt auf die Hälfte, Radikaldiät,
vom Arzt verordnet. Da ist dieser Moment, als er kurz
mit dem Finger über die schlaff gewordene Kehle streicht,
die Kehle, aus der einst Sätze aufstiegen, unvergessen:
»Dieses Doppelkinn hat mich ein Vermögen gekostet!«

 
© Hellmuth Opitz, Bielefeld

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