Paul S. verfolgt mich immer noch

von Rainer Rebscher

Der Sommerwind ist klangerfüllt,
treibt Lieder zu mir her.
Mir wird es leicht, ich bade jetzt
in einem Notenmeer.
Die Wellenrhythmen tragen mich
nach unten, wieder hoch,
im Wassertal erwische ich
den Grundton gerade noch.
Einfach singen, tönen, klingen
mit dem Meer.

Mein Lehrer für Musik taucht auf,
prüft kritisch den Gesang:
Der Grundton war nicht lupenrein!
Im dritten Vers, da klang
die Schlusskadenz nicht ganz exakt,
der Basston kam zu früh.
Das Lied läuft gar nicht gut im Takt.
Jetzt geben Sie sich Müh!
Richtig singen, nicht so swingen,
bitte sehr!

Ich klettre in ein buntes Boot,
es trägt mich weg vom Strand.
Der Lehrer schimpft, gestikuliert
und wirft nach mir mit Sand.
Der Leuchtturm blinkt, der Kopf glüht rot,
sein Schrei erlischt im Wind.
Es fährt dort hin, mein Liederboot,
wo keine Lehrer sind.
Einfach singen, freudig swingen,
mit dem Meer.

 
© Rainer Rebscher, Niedereschach
aus: Im Flügelschlag des Harlekin, Verlag Steinmeier (Deiningen, 2012)

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