Prosecco, Campari, Eis

von Josef Wittmann

Länger werdende Tage und über Nacht
milde Luft. Ich spreche von lichten Räumen,
hülle das Schweigen ein. Ja, ich könnte,
nein, könnte nicht beschreiben, was Kleiderbügel
mit Nagelkopf zum Einklicken, was Schiebetüren,
Stehlampen, Balkontüren, was der Rasierspiegel im Bad
mit Glück zu tun haben, könnte verweilen im
Bühnenbild, die bereitstehenden Weingläser
erwähnen, das Panoramafenster, die Aussicht, ich könnte,
nein: will mich verzetteln, will erzählen.
Vorspeise und Hauptgang, die heitere
Gelassenheit der Kellnerin, will abschweifen, rück-
blenden, wie wir uns beinahe schon und wieso
doch nicht und natürlich müssten Erinnerungen
aufgefrischt, Lago di Como sage ich nur, oder die
engen Gemächer von Summerhill, und dann fehlt
immer noch die Leichtigkeit eines Morgens im Süden,
kreisrunder Platz, Fahnenstange, Mortadella und
Schinken hauchfein geschnitten, vom Himmel ganz zu
schweigen, von den unzähligen Blautönen, Wolkenschatten,
Sonnenständen, auch den Wind müsste ich aufleben lassen
und wäre dann doch erst – ja nun: Oberfläche.
Aber von etwas muss ich doch ausgehen, nicht ins Leere
gesprochen haben wir, nicht ins Beliebige gefasst,
banal? Ich gebe zu: Kein Blut ist geflossen.
Kein Sieg, keine Helden, kein Machtwort eines
alleinigen Gotts. Wir haben uns Zeit genommen,
sie ist vergangen. Mehr ist nicht zu sagen.

 
© Josef Wittmann, Tittmoning

Illustration von Elisabeth Süß-Schwend zu »Prosecco, Campari, Eis« von Josef Wittmann

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