Seitenwechsel in Weßling

Ein Kurzfilm über den Verkehrsinfarkt in der Idylle

Täglich durchfahren ca. 30.000 Fahrzeuge, darunter viele LKW, die drei Ortsteile des oberbayerischen Dorfes Weßling, in dem ich seit 20 Jahren die Zeitschrift DAS GEDICHT herausgebe und verlege.

Ich selbst lebe seit 5 Jahrzehnten circa fünfzig Meter von der Weßlinger Hauptstraße entfernt und habe miterlebt, wie sich die Lärm- und Abgasbelastung von Jahr zu Jahr verschlimmert hat. Seit Einführung der Autobahnmaut hat insbesondere der Schwerlastverkehr auf der Straße deutlich zugenommen. Inzwischen können wir weder tagsüber noch nachts ein Fenster zum Lüften geöffnet halten, weil es sonst nach Dieselabgasen stinkt. Außerdem kann ich wegen des Straßenlärms ohne Silikonohrstöpsel nicht mehr konzentriert und kreativ arbeiten.

Ich selbst habe miterlebt, wie im Laufe der Jahre auf der Weßlinger Hauptstraße zwei Kinder totgefahren wurden. Nach den tödlichen Unfällen sind an den Unglücksorten Fußgängerampeln errichtet worden, deren Rotsignale allerdings im morgendlichen Berufs- und Durchgangsverkehr häufig missachtet werden, wie mir meine langjährige Mitarbeiterin Gabriele Trinckler aus eigener Erfahrung berichtet. Zum Beispiel hatte sie einmal als Fußgängerin grünes Licht, als ein LKW erst zehn Meter hinter dem Fußgängerübergang zu halten kam, weil offensichtlich seine Bremsen versagten, was der Fahrer mit einem hilflosen Schulterzucken kommentierte.

Neben solchen akuten Gefahren drohen durch eine so frequentierte Straße auch gravierende Langzeitfolgen für die Gesundheit der Anwohner. Unlängst hat die Weltgesundheitsorganisation WHO ihre Warnung vor Dieselabgasen deutlich verschärft, weil diese nach neuesten wissenschaftlichen Studien erwiesenermaßen krebserregend sind. Allein in Deutschland liegt die Zahl der jährlichen Todesfälle durch die Folgen von derartigen Luftverschmutzungen nach Expertenschätzungen bei deutlich mehr als 10.000.

Auch Lärm kann die Gesundheit schwer schädigen oder gar zum Tod führen. So wird nach einer Studie der Dänischen Krebsgesellschaft das Bluthochdruck- und Herzinfarktrisiko stark erhöht. Lärm könnte darüber hinaus sogar die Ursache von jedem zwölften Schlaganfall sein.

Seit Jahrzehnten bemüht sich der Verein „Verkehrsberuhigung für Weßling e. V.“ um die Realisierung einer Umgehungsstraße. Jetzt ist ihr Bau endlich möglich, nämlich dann sofort, wenn sich die Gemeinde Weßling durch eine finanzielle Eigenbeteiligung (Sonderbaulast) zu 20% bis 30% an den Straßenbaukosten beteiligt.

Um zu dokumentieren, warum ich die Frage „Soll die Gemeinde Weßling den Bau der Umgehungsstraße durch eine finanzielle Eigenbeteiligung (Sonderbaulast) sicherstellen?“ im Bürgerentscheid mit „ja“ beantworte, habe ich einen Kurzfilm in Auftrag geben und diesen als Dank für jahrelanges Engagement dem Verein „Verkehrsberuhigung für Weßling e. V.“ gewidmet.

Der Münchner Filmemacher Richard Westermaier hat die Außenaufnahmen am Freitag, den 22. Juni 2012 an der Weßlinger Hauptstraße, in der Nähe unserer Arbeits- und Wohnstätte, gedreht. Unter Mitwirkung der Schauspielerin Nadja Gorn (München), des bekannten Münchner Comedians Moses Wolff („Wildbach-Toni“, „Vereinsheim“ Schwabing) sowie von Paula Vogt (Münsing) nimmt er die Zerschneidung und Zerstörung des idyllisch gelegenen Dorfes Weßling durch den Durchgangsverkehr aufs kabarettistische Korn.

Ich habe die Dreharbeiten an der Hauptstraße drei Stunden lang verfolgt und kann bestätigen, dass der künstlerische Film ein realistisches Bild von der Verkehrssituation in Weßling zeichnet.

Ich lade unsere Kommunalpolitiker in Weßling herzlich ein, sich drei Stunden lang mit mir an der Weßlinger Hauptstraße hinzusetzen und Fahrzeuge zu zählen. Für eine Terminvereinbarung stehe ich jederzeit zur Verfügung und werde ihnen einige Verkehrsgedichte rezitieren, die sie allerdings bei dem Lärm der vorbeirauschenden Autos, Mopeds, Motorräder und LKW nicht hören werden.

Anton G. Leitner, Weßling am 26. Juni 2012
zur Fertigstellung des Kurzfilmes „Seitenwechsel in Weßling“

Direkter Link zum Kurzfilm auf YouTube (Deeplink):
http://youtu.be/Dpd4aRw8lpE

Seitenwechsel in Weßling
Ein Kurzfilm von Richard Westermaier
Darsteller: Moses Wolff (Vater), Nadja Gorn (Mutter), Paula Vogt (Tochter)
Musik: Musicfox
Regie, Drehbuch und Kamera: Richard Westermaier
Länge: 3:58, Deutschland 2012
Westermaier Medien Produktion im Auftrag von Anton G. Leitner, Weßling
dasgedichclip lyrik-tv www.dasgedichtclip.de

Der Film ist dem jahrzehntelangen Engagement des Vereins „Verkehrsberuhigung für Weßling e. V.“ zur Realisierung einer Umgehungsstraße gewidmet.

Fotogalerie zum Dreh des Videos:

Ein Kommentar

  • Donnergrollen am heutigen Freitag, den 29. Juni 2012 in der Lokalpresse: Der Münchner Merkur, Ausgabe Starnberg, widmet Richard Westermaiers Kurzfilm zur Weßlinger Hauptstraße („Seitenwechsel in Weßling“) auf Seite 8 unter der Überschrift „Seitenwechsel unmöglich“ fast eine ganze Zeitungsseite. Weßlings Bürgermeister Muther äußert darin, die Probleme seien bekannt, er wisse aber nicht, wie Weßling alle anstehenden Projekte auf einmal finanzieren sollte. Bezüglich der Realisierung einer Umgehungsstraße verweist er nach oben, nämlich auf die Regierung von Oberbayern. Mein persönliches Motto lautet seit 30 Jahren „wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, sonst hätte ich vor zwanzig Jahren auch nicht ohne einen Cent Eigenkapital einen Verlag für Poesie gründen können. Mein Vater war Lehrer, also kein Millionär, der seinem Sohn so einfach einen Betrieb hinstellen hätte können. Damals waren kreative Fantasie gefragt, Mut und Banken. Ein wenig mehr Untermehrgeist, Mut und Kreativität täten manchem Weßlinger Lokalpolitiker gut. Bilden wir einen runden Tisch und machen uns gemeinsam ans Werk: Denn wo kein Wille ist, kommt auch keine Lösung in Sicht! Und wer auf Hilfe von „Oben“ wartet, ohne einen eigenen Beitrag zu erbringen, kann erfahrungsgemäß lange warten. Wenn die verantwortlichen Politiker 1989 nicht sofort reagiert hätten, hätten wir heute noch keine deutsche Einheit. Wenn 100 Bürger je 100 Euro zahlen, kommen 10.000 Euro zusammen usw …

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