Archiv der Rubrik »Vers der Woche«

Jeden Sonntag kommentiert DAS GEDICHT-Herausgeber Anton G. Leitner in dieser Rubrik das große und kleine Weltgeschehen der vorangegangenen Woche mit einem Vers, wenn nötig auch mit mehreren. Mal widmet er sich privateren Themen, mal politischeren, manchmal bedichtet Leitner auch aktuelle Ereignisse. Dabei mit Vorliebe so, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, nämlich auf Bairisch. Bisweilen küsst ihn die Muse aber auch hochdeutsch.

 

 

29.11.2020 Grean ogschmiad

»Guad, dass ma de
Äifdausnda Umwäid-
Brämie heia no
Midneema kenna,

Wei newa unsam
Kuh Siem und Kuh
Drei machd se so a
BeÄhmWeh-Eleggdro-

Schnaufal EiDreiEs
Mid hundadviaradachzg
PeEs no ganz guad –
Ois Voaschbui zum

Eleggdro-EiIX, den
Ma se ezad scho voa-
Bschdäin ko. Dea hod
Nachad gschdandne

Fünfhundad PeEs und
Is in a bor Seekundn
Vo Nui auf Hundad.
Do miassma schaung,

Dass ma füa den vom
Schdaad aa no a bis-
Sal a Umwäidhuife
Oaganisian kenna.«

Weßling, den 25.11.2020
(Fassung II, 28.11.2020)

22.11.2020 Maschkera auf da
Bflegeschdaddion

»Wos machdn dea
Gwambade do hearin?«,
Bläada drei Moi hindda-
Anand wiara Wuida. Ma
Daad goa need glaum,
Wos so a Zwedschgn-
Mandl im Püdschaama
No füa a mords Oagan
Hod. »Zum Deifi mid
Dera feddn Sau!«,
Legda noch.»Dea Digge«, sog i, »is
Dei Engal ausm Osdn
Und des Engal buzzd
Da an Arsch aus.«
»Wo is mei Oide?«,
Schreida danoch, »hoi
Sofoad mei Oide hea!«»Dei Oide«, sog i, »deaf
Do need eini wega
Korona, woasd scho.«
»Awa warum hosd
Nachad du reideafa?«,
Frogda mi. »Wei i da
Dod bin«, sog i, »und
Wei i bei eich no a
Bissal wos zum doa
Hob. Und ezad lass
Mi biddscheen weida-
Weagggln.«

Weßling, 21.11.2020
(Fassung II)

15.11.2020 Id newa räins in Sassan Bäväria

»Ab do biddscheen nua
No lacha!«, schdeed auf
Am Schuidl newam Dial
Vo oam, bei dem neamads
Wos zum lacha ghabd hod
Damois unddam Haggl-
Greiz. Awa ea hod oiss
Üwalebd und heidzodog
Woas koana mea, wos
Dea nedde Obbabba
Amoi füa oana gwen is.
Oiso machd eam a jeda
A rechde Freid und
Schdraaldn o, boia bei
Eam auf a Schdambal
Voabeischaugd.

Weßling, 28.10.2020
(Fassung IV, 14.11.2020)

08.11.2020 Demogradie üwam Grossn Deich Zwoa Punggd Nui

Wenns weida so zuageed
Auf da Wäid, wead i säiwa
No gschbinnad gnua, dass i
Mi auf meine oidn Dog zum
Amibräsidend wäin lassn ko.

Nua a boa Milliaadn Dolla
Miassad i davoa no gschwind
Ois Schmiagäid eisammen lassn,
Damids mi aa gwies aufschdäin.

(Weßling, 7.11.2020)

01.11.2020 Pandemiefrisör am Weßlinger See

Montagmorgen. Mutterseelenallein.
Rabenkrähengekrächze. Endlich

Tut sich was. Auf einer Parkbank.
Er sitzt, sie steht hinter ihm.

Mit der Schere. Übt wohl noch,
Schnippt in die Luft. Danach

Wirbeln weiße Haarflocken.
Bevor Gras darüber wachsen

Kann, wird schon Laub die
Büschel verdecken.

Weßling, 26.10.2020
(Fassung II, 31.10.2020)

 

Porträt Anton G. Leitner

Anton G. Leitner, Foto: Volker Derlath, München

Anton G. Leitner wurde 1961 in München geboren. Der examinierte Jurist lebt als Lyriker, Herausgeber und Verleger in Weßling (Landkreis Starnberg). Er publizierte bislang dreizehn Gedichtbände, u. a. »Schnablgwax. Bairisches Verskabarett« und »voix en plein trafic / Stimmen im Verkehr« (Deutsch – Französisch; Auswahlband, 2020). Seine Gedichte sind in neun Sprachen sowie diverse Dialekte (u. a. Schottisch, Londoner Cockney und Damaszenisch) übersetzt worden. Neben 28 Folgen der buchstarken Jahresschrift »Das Gedicht« edierte er über vierzig Anthologien, u. a. bei Reclam »Die Bienen halten die Uhren auf. Naturgedichte« (2020). Leitner wurde vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem »Tassilo-Kulturpreis« der Süddeutschen Zeitung und dem »Bayerischen Poetentaler«. Er ist Mitglied der »Münchner Turmschreiber«. antonleitner.de, schnablgwax.de, wadlbeissn.de

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