Lyrik, immer wieder

von Beat Brechbühl Lyrik ist freiwillig – sie ist meist nicht wertlos, sondern fast immer wertfrei. Wie Musik, die sich über Generationen hält. Gedichte sind freie Räume: der Sprache und des Kopfes, ja oft des Körpers. In Gedichten erlaube ich mir alles, wirklich alles, aber nur mir. Meine Gedichte sind Ausschweifungen, Monster, Liebschaften, gewöhnlich bis zum Schwarz werden, ausgeklügelte Gemeinheiten, Rätsel, Sympathieerklärungen zum Rotwerden, erotische Besitznahmen, sexuell bedenklich, vielleicht seriös verpackt bis hin zur Spießigkeit. So halte ich mir vieles vom Leib, und fast niemand merkt es.

Weiterlesen

Apartheid in der Dichter-WG

von Peter Borjans-Heuser Im Januar 2012 vermisste ein Diskutant im Anschluss an eine Lesung in meinen Gedichten den »Anspruch«. Andere Zuschauer widersprachen ihm heftig, ohne dass jedoch klar wurde, was er mit »Anspruch« meinte. Er selbst konnte auf Nachfrage auch nicht weiterhelfen. Inzwischen glaube ich, dass eine Vorstellung von ›Hoher Dichtkunst‹ im Elfenbeinturm dahinter steckt. Busch, Ringelnatz, Gernhardt sind nach einer solchen Definition also eigentlich keine richtigen Dichter. Und Peter Rühmkorfs Bemühungen um das »Volksvermögen« waren abwegig. Befürworter der prätentiösen Dichtkunst oder gar eines poetischen Apartheidsystems mögen den Elfenbeinturm als des wahren Dichters Heimstatt gelegentlich zur Erbauung aufsuchen. Wer freiwillig […]

Weiterlesen

Wenn ein schlichtes Komma eine Zeile zur Waage macht

von Walle Sayer Vor fünfhundert Jahren hätte man vielleicht noch ein Kloster gegründet. Weit weg von Seinsgehabe, Sinngetue. Und einfach sein: lässt sich doch seit je auf zwei Arten betonen. So ist das also. So also ist das. Die Stille davor, die Stille danach. Geschehen statt Handlung. Der Augenblick, der einrastet in der Zeit. Genauigkeit, ins Unbestimmte führend. Aufgehobenes, Aufgelesenes. Das Wenige. Das Verschwindende. Das, worin sich Nichtgesagtes von Ungesagtem unterscheidet. Leicht verständlich alles, aber schwer zugänglich. Mitunter, wenn schon ein schlichtes Komma eine Zeile zur Waage macht. Oder als ob zur Eloquenz eines jeden Gartens Rosenduft gehörte. Daneben variable […]

Weiterlesen

GIPFELRUF
Folge 23: Josef Wittmann

Josef Wittmann (*1950) Lyriker aus München www.josef-wittmann.at [dropdown_box expand_text=“Informationen“ show_more=“Mehr“ show_less=“Weniger“ start=“hide“]Josef Wittmann ist ein Münchner Schriftsteller und Buchillustrator. Nach seinem schulischen Werdegang begann er 1971 eine Ausbildung zum Industriekaufmann in Berlin und machte Anfang der 70er Jahre die Bekanntschaft mit dem Feldafinger Verleger Friedl Brehm. Bis 1981 arbeitete er zusammen mit Friedl Brehm an der Literaturzeitschrift »Schmankerl«, ab 1972 hielt er Lesungen, veröffentlichte Anthologiebeiträge und Buchillustrationen. 1973 zog er zurück nach München, wo er bis 1977 am KEKK (Kabarett und Engagierte KleinKunst) mitarbeitete. 1976 war Josef Wittmann eines der Gründungsmitglieder des IDI (Internationales Dialektinstitut). In den 70er Jahren trat […]

Weiterlesen
1 2 3