Alchemistin der Sprache: Sina Kleins Gedichtband »narkotische kirschen«

Sina Klein: narkotische kirschen

rezensiert von Hellmuth Opitz Bei Sina Kleins Gedichten sehe ich rot. Nicht aus Wut oder Ärger, nein, die Gedichte haben für mich einfach diese Farbe. Diese Wahrnehmung hat auch nichts mit synästhetischer Begabung meinerseits zu tun, sie lässt sich ganz einfach an den Bildern diese Poesie festmachen: »eingekeilter blutfink meiner rippen,/ kernbeißer. bei nacht zieht er nektar/ klinkt sich ein und trinkt vom scharlachtraum/sich zu verdoppeln.« heißt es im Gedicht »within«. Hier wird eine Herzenssache mit Metaphern besungen, die neben ihrem Gefiedertsein die Farbe Rot in den Mittelpunkt stellen, ohne sie zu benennen. Den Wiener Klever Verlag scheinen ähnliche Assoziationen […]

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Poesie. Meditationen – Folge 1: Warum das Wort Niemandsrose eine offene Tür zu einem Fenster macht

Timo Brandt

Ín den »Poesie. Meditationen« treffen Sie Timo Brandt: Der junge Lyriker und Lyrik-Kritiker (Jahrgang 1992) lässt Sie teilhaben an seinem ganz persönlichen Zugang zur Lyrik: Bei der Lektüre von Gedichten fließen Eindrücke zum Tagesgeschehen und poetische Impressionen zusammen. Der Leser begibt sich in einen beinahe meditativen Zustand, ganz im Hier und Jetzt und achtsam gegenüber den Phänomenen im gegenwärtigen Augenblick. Der Verknüpfung von Gedicht und Gedankenfluss geht Brandts Kolumne nach.   In den letzten Tagen, während sich der Winter hier in Wien nicht entscheiden konnte, ob er aufhören oder anfangen soll, habe ich in spätabendlichen Stunden Kontakt zu einem ins […]

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»Das Skelett des Moments« von Patrick Beck

"Das Skelett des Moments Gedichte" von Patrick Beck

rezensiert von David Westphal »Das Skelett des Moments« ist die dritte eigenständige Veröffentlichung des jungen Autors Patrick Beck. Der 96 Seiten starke Band versammelt in elegant weißem Einband mit roter Schrift und einem Abdruck der Unterschrift des Autors Momentaufnahmen in Gedichtform. Der Titel »Das Skelett des Moments« lässt verschiedene Erwartungen zu. Man könnte beispielsweise an das uralte Vorhaben vieler Dichter denken, einen Text dermaßen zu verdichten, dass mit nur wenigen Worten sehr viel mehr zum Vorschein kommt, als auf Textebene realisiert ist. Das Vorhaben gipfelt in den Überlegungen der Hauptfigur Des Esseintes in Huysmans Roman »Gegen den Strich«, welche sich […]

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Wiedergelesen – Folge 6: »verschenkter Rat« von Ilse Aichinger

Dr. Erich Jooß. Foto: Volker Derlath

Literatur ist vergänglich, auch wenn sie sich, wie jede Kunst, gegen ihre Vergänglichkeit zur Wehr setzt. Trotzdem entschwinden Bücher in Archivbibliotheken. Auf einmal gehören sie nicht mehr zu unserem Erfahrungshorizont. Erich Jooß stellt an jedem 15. des Monats vergessene Lyrikveröffentlichungen in seiner Rubrik »Wiedergelesen« vor, die bewusst unsystematisch angelegt ist. Entdeckerfreude und persönliche Vorlieben sind ihm als Kolumnist von DAS GEDICHT blog wichtiger als literaturhistorische Zensuren.   Ilse Aichingers Gedichtband »verschenkter Rat« wurde 1978 vom S. Fischer Verlag herausgebracht. Im Impressum des Buches findet sich der Vermerk »Gestaltung Otl Aicher, Rotis« – eine nüchterne Notiz, die im Einklang steht mit der sachlich-strengen, bis heute […]

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»Schatten auf dem Weg durch den Bernsteinwald« von Wolfgang Hermann

rezensiert von David Westphal Wolfgang Hermann hat nach vielen Jahren wieder einen Gedichtband mit langem Titel veröffentlicht: Schatten auf dem Weg durch den Bernsteinwald. 2013 erschienen im österreichischen Limbus-Verlag, tritt der 120 Seiten starke Band in gebundener Ausgabe mit Lesebändchen auf. Der unscheinbare Druck auf dem Einband, der durchaus ansprechend ist, täuscht allerdings über die Leuchtkraft der darin enthaltenen Gedichte hinweg, wenngleich in blassem Gelb und dezentem Rot gehaltene Sternformen durchaus an Sonnen erinnern und nur unsere liebe Sonne es vermag, Schatten auf einen Weg zu werfen. Der Weg, von dem im Titel die Rede ist, muss als programmatisch für […]

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