Paul S. verfolgt mich immer noch

von Rainer Rebscher Der Sommerwind ist klangerfüllt, treibt Lieder zu mir her. Mir wird es leicht, ich bade jetzt in einem Notenmeer. Die Wellenrhythmen tragen mich nach unten, wieder hoch, im Wassertal erwische ich den Grundton gerade noch. Einfach singen, tönen, klingen mit dem Meer. Mein Lehrer für Musik taucht auf, prüft kritisch den Gesang: Der Grundton war nicht lupenrein! Im dritten Vers, da klang die Schlusskadenz nicht ganz exakt, der Basston kam zu früh. Das Lied läuft gar nicht gut im Takt. Jetzt geben Sie sich Müh! Richtig singen, nicht so swingen, bitte sehr! Ich klettre in ein buntes […]

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pension in blankenese

von Annette Hagemann morgens woanders erwachen nach einer ruhigen nacht vorm fenster ein abhang voller bäume unzählige blätter in bewegung ein ewiges rauschen: diese blätter und bäume sehen genauso aus wie zu caspar david friedrichs zeit es ist genau die gleiche schönheit zu der wir immer zurückkehren können ich dehne und rolle mich auf die seite dann richte ich mich auf um die ersten dinge des tages zu tun zum beispiel an dich zu denken ich kann für mich sein und ich kann für dich sein und manchmal beides zugleich   © Annette Hagemann, Hannover

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freitreppen

von Alexander Gumz lustlos lehnen hotels an den klippen, freitreppen in der hand. paare wollen, dass ein arm, nass, dem andern in den bademantel hilft, verscherbeln abendkleider, bei dünnem wetter übers meer geworfen. wenn die paare ihre oberflächen aneinander reiben, endlich anfangen mitzuzählen, bricht ein stein aus dem dach, fällt dazwischen. kein apfelbaum zu sehen. bloß ihr tanz, schwankend, durchs theater.   © Alexander Gumz, Berlin

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Paulistano

von Leander Beil »Die Stadt ist ein Museum ohne Berührungsverbot.« Eine Graffitimauer beschnüffeln oder ein Stück der verfaulten Hauswand stehlen. Wem auch immer sie gehört, ich stell sie dann als Meteoritenfund in die Vitrine. – Während den Jungs an der nächsten Straßenecke ihr Feiertags-Klebstoff in die Augen steigt, sie blind macht für dieses Abendlicht, das wie ein junger Miles Davis durch Trompeten hauchen könnte. Ist es da richtig von diesem Espresso zu erzählen, von den Kindern, die bei Stromausfall ihren ganz eigenen Samba mit Taschenlampen an die Hauswände werfen? Und wenn die Schallplatte ihre letzte Runde gedreht hat, wo bleibt […]

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