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Pausenpoesie zum Neustarten 86
Sant’ Agata

Das Lyrikprojekt zur Lutherdekade im Themenjahr 2015 in Kooperation mit Anton G. Leitner | DAS GEDICHT   Jürgen Bulla Sant’ Agata Der freundliche Mechaniker und der unfreundliche Busfahrer, Autowerkstätten, Fiat, und streunende Hunde, die Obst und Gemüse von den Ladeflächen der Apes stehlen, die morgendlichen Diskussionen in den Bars, die Villen oft bis unters Dach von Bäumen verdeckt, zweimal tabacci, Minimarkt, Metzger und der Friedhof in Hanglage, Seelenrutsch, die Kirche mit freischwingender Glocke, aus den Katakomben der hellste Gesang.   © Jürgen Bulla, geboren 1975 in München, lebt dort.   Die Pausenpoesie im Archiv

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Pausenpoesie zum Neustarten 85
Das schräg getretene Pflaster

Das Lyrikprojekt zur Lutherdekade im Themenjahr 2015 in Kooperation mit Anton G. Leitner | DAS GEDICHT   Wolfram Malte Fues   Das schräg getretene Pflaster unter dem Straßenschild mit den zerspringenden Lettern. Gitter, altersschief Rost in wachsendem Schriftzug Spuren von Russ in den Arabesken. Licht-Spiel-Theater-Paläste mit hinterhofs Schuppen, Verschlägen Inseln von Immergrün Himbeeren, Brombeeren, Bohnen nachbarschaftlich im Freizeitbau aneinandergereihten Garagen. Die heißen Würstchen im Kaufhof. Die Brotkanten in der Küchenschublade. Der schüchterne Markt vor dem splitter- narbig neugotisch jetzt frei- stehenden Rathaus. Blaukopf. Kopfstein. Ansätze zu Asphalt. Eissalon. Tanz-Club. Straßenbahnwagen mit Kurbel und Fahrersattel. Das Gras in den Fugen dutzende […]

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Pausenpoesie zum Neustarten 84
Bewegter Beweger

Das Lyrikprojekt zur Lutherdekade im Themenjahr 2015 in Kooperation mit Anton G. Leitner | DAS GEDICHT   Gerold Sedlmayr Bewegter Beweger Am Morgen stets: in meinem Garten zwei Maulwurfshügel oder drei, wie aus dem Nichts. Unter uns ist eine eigene Welt, sie ist nicht sichtbar, doch geschäftig. Es bewegt sich Erde, Erde wird bewegt. Die Hügel trag ich ab, umsonst, und wundere mich: Was ist das für ein Egoist da unten? Die Symmetrie des Rasens ist dahin. Gradlinigkeit schert ihn wohl nicht, den Erdenwerfer, und meine wohl gleich mehrmals nicht. Hügel, Mulden, Stolperfallen, eine Landschaft, die sich ständig formt. Derweil […]

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Pausenpoesie zum Neustarten 83
landschaftsgärtner

Das Lyrikprojekt zur Lutherdekade im Themenjahr 2015 in Kooperation mit Anton G. Leitner | DAS GEDICHT   Gerhard Ruiss landschaftsgärtner wären hier wiesen wär alles weiter wär alles weiter gäb es hier felder gäb es hier felder wär alles reifer wär alles reifer gäb es hier helfer gäb es hier helfer wär jeder reicher zumindest im eifer gäb es hier wälder wär alles tiefer wär es verregneter wär alles weicher wären hier berge wär alles höher wären sie flacher ging alles schneller wären sie täler fiel alles leichter.   © Gerhard Ruiss, geboren 1951 in Ziersdorf (Österreich), lebt in Wien. […]

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Pausenpoesie zum Neustarten 82
Die Schönheit der Steine

Das Lyrikprojekt zur Lutherdekade im Themenjahr 2015 in Kooperation mit Anton G. Leitner | DAS GEDICHT   Xóchil A. Schütz Die Schönheit der Steine (Ventspils, Lettland) Es gibt hier keine Muscheln, aber Kiesel in aberhundert Farben, abertausendfach. Strandlang Auf der Horizontstrasse fahren Dampfer entlang beladen mit Waren, dem Ende des Kapitalismus, wie ich ihn kenne Die Möwen ziehn nach Norden Die Möwen ziehn nach Süden Die Wellen spucken Schaum und fallen an den Strand aberhundertfach, abertausendfach: Auf einer Holzbank im Sand. Sitze ich. Und fürchte mich vor der Rückkehr des Kapitalismus, wie ich ihn kenne Zu meinen Füßen: Die Schönheit […]

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