Deutsch-tschechischer Poesiedialog, Folge 5: »A slovo stálo na počátku« / »Und das Wort stand am Anfang« von Pavel Herot

Klára Hůrková stellt an jedem 17. des Monats interessante lyrische Funde aus ihren beiden Heimatländern Tschechien und Deutschland vor. Sie übersetzt ausgewählte Texte in die jeweils andere Sprache in der Absicht, Ähnlichkeiten und Unterschiede sowie aktuelle Themen und Tendenzen in der Gegenwartslyrik beider Länder herauszustellen. Damit verfolgt sie Spuren einer langen und reichen Kulturtradition, welche durch die fatalen Ereignisse des 20. Jahrhunderts unterbrochen wurde.

 

Noch einmal Glaube

Anlässlich der Jubiläumsausgabe von DAS GEDICHT möchte ich auch eine tschechische Stimme zum Wort kommen lassen. Pavel Herot, geboren in den sechziger Jahren wie ich und ebenfalls in seiner Jugend durch den herrschenden Atheismus und Materialismus geprägt, meditiert über seine Beziehung zu Gott. Dabei bezieht er sich auf den Dichter Otokar Březina (1868-1929), der nicht anders konnte, als zu den Sternen zu schauen.

Ještě jednou víra

U příležitosti jubilejního vydání časopisu DAS GEDICHT (BÁSEŇ) chci nechat promluvit také jednoho českého básníka. Pavel Herot, narozený jako já v šedesátých letech a tudíž v mládí ovlivněný vládnoucím ateismem a materialismem, přemítá o svém vztahu k Bohu. Přitom zmiňuje básníka Otokara Březinu (1868-1929), který také nemohl jinak než hledět ke hvězdám.
 

Pavel Herot

Und das Wort stand am Anfang

»Wenn du Gedichte schreibst
schaust du zu sehr nach oben
Lauter Himmel Sterne und so«
wurde mir gesagt
Aber soll ich etwa nach unten schauen
und über das Verwesen nachdenken
über die Würmer mit denen der Körper
noch genug zu tun
haben wird…

Hat nicht Březina
in seinem ganzen Werk
Oden gesungen
an die Schöpfung
oder all die anderen
schauten sie nicht auch zum Himmel
als ihr Herz im Sterben lag
wie eine Blume

Wenn ich einmal aufhöre
den Gesang der Sterne zu hören
und ihn zu verstehen
werde ich vielleicht Astronom
und den Rest meines Lebens
nur in mein versteinertes Herz
schauen
 

© Pavel Herot
 

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Klára Hůrková. Foto: DAS GEDICHT

Klára Hůrková. Foto: DAS GEDICHT

Klára Hůrková wurde 1962 in Prag geboren und lebt seit 1991 in Aachen. Sie ist Lyrikerin, Prosaautorin, Übersetzerin und Pädagogin, schreibt auf Deutsch und auf Tschechisch. Sie veröffentlichte zehn Gedichtsammlungen, eine literaturwissenschaftliche Monographie und eine Novelle, außerdem Kurzprosa, Essays, Rezensionen und Übersetzungen. Publikumspreis beim Wiener Werkstattpreis 2003, Sparte Lyrik. Klára Hůrková ist Herausgeberin von zwei deutsch-tschechischen Lyrikanthologien, Schlüsselsammlung – Sbírka klíčů (Prag, Družstevní práce 2007), und Über den Dächern das Licht – Nad střechami světlo (Prag, Dauphin 2014). Seit März 2017 schreibt sie ihren eigenen deutsch-tschechischen Poesie-Blog: http://poemataclara.myblog.de.

Klára Hůrková narozena roku 1962 v Praze, od roku 1991 žije v Cáchách. Básnířka, prozaička, překladatelka a pedagožka, píše česky a německy. Publikovala deset básnických sbírek, jednu novelu a jednu literárněvědní monografii, kromě toho krátké prózy, články, recenze a překlady. Cena čtenářů v soutěži Wiener Werkstattpreis 2003, obor poezie. Klára Hůrková je vydavatelkou dvou česko-německých antologií současné poezie, Schlüsselsammlung – Sbírka klíčů (Praha, Družstevní práce 2007), a Über den Dächern das Licht – Nad střechami světlo (Praha, Dauphin 2014). Od března 2017 píše vlastní blog česko-německé poezie: http://poemataclara.myblog.de.

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