Gedichte für Kinder – Folge 15: Acht Kindergedichte von Christian Futscher

Uwe-Michael Gutzschhahn präsentiert jeweils am 10. eines Monats auf DAS GEDICHT blog faszinierende Kindergedicht-Autoren mit ihren vielfältigen Spielarten der Kinderpoesie. Denn das Kindergedicht soll lebendig bleiben – damit aus jungen Gedichtlesern neugierige Erwachsene werden, die sich an die Klänge und Bilder der Poesie erinnern, statt an die Last der didaktischen Lyrikinterpretation.

 

Ein trauriges Gedicht

Dort zwischen den fünf Bäumen,
wo die Asche meiner Katze liegt,
will auch ich später begraben werden.
Aber eigentlich
will ich
gar nicht sterben,
weil wenn ich einmal gestorben bin,
geht niemand mehr zur Katze hin,
dort zu den fünf Bäumen,
die in der Nacht von der Katze träumen.
 

Pauli

Er klopft sich auf die Lunge,
spuckt in der Gegend herum,
zeigt seine lange Zunge,
findet jeden dumm.

Er reitet auf dem Kater,
zersägt eine Leiter,
verhaut seinen Vater
und so weiter.

Nur im Schlaf
ist der Pauli brav.
 

Kirschkerne

Mit Kirschkernen
kann man gut spucken.
Ziele ich auf dein Gesicht,
musst du dich schnell ducken.
Oder glaubst du,
ich treffe nicht?
 

Das Dachschwein

»Auf dem Dach
sitzt ein Schwein!«

»Das kann doch
gar nicht sein.«

»So schau doch,
es sitzt wirklich dort!«

»Ich seh aber kein
Schwein.«

»Jetzt ist’s auch
wieder fort.«
 

Sinngedicht

Manches hat Sinn,
manches nicht.
Fertig ist
das Sinngedicht.
 

Bummgedicht

Manches macht Bumm,
manches nicht.
Fertig ist
das Bummgedicht.
 

Husch

Husch, husch,
was floh ins Gebusch?

War es ein Schwein?
War es ein Stier?
War es allein?
Waren es vier?

Ich gehe
zum Gebusch
und sehe:
Es war ein Husch!
 

Doofes Gedicht

»Ich bin so doof«,
sagte der Doofe.
(Fertig ist
die erste Strofe)

»Ich bin auch doof«,
sagte die Doofe.
(Fertig ist
die zweite Strofe)

»Ich bin nicht doof«,
sagte der Doofste.
Da sagten zu ihm
der Doofe und die Doofe:
»Du bist eine Katastrofe!«
(Fertig ist
die dritte Strofe)
 

Klettern in Italien

Vom Himmel der Toscana
hängen lange Spaghettinudeln,
an denen man
in den italienischen Himmel
hinaufklettern kann.
Ab einer gewissen Höhe
muss man allerdings damit rechnen,
von frechen Engeln beworfen zu werden,
und zwar mit Oliven, Kapern,
Tomaten, Parmesan …

Da zeigt sich dann,
ob man gut klettern kann.
 

© Christian Futscher

Christian Futscher war über zwanzig Jahre Pächter eines Stadtheurigen, das ist in Wien eine Weinstube, die auch kleine Gerichte anbietet. Außerdem war er Nachtwächter und singt und spielt Gitarre. Bis jetzt sind von ihm mehrere Romane und der Gedichtband »Marzipan aus Marseille« (Czernin Verlag, 2013) erschienen. Und für Kinder veröffentlichte er 2015 die Erzählung »Ich habe keinen Fogel« (Picus). Mit Gedichten für Kinder begann er, nachdem er Texte von Ringelnatz, F. K. Waechter und Daniil Charms gelesen hatte und es ihn in den Fingern juckte, selber etwas zu scheiben. Ein eigener Band ist in Vorbereitung. Christian Futscher lebt mit seiner Frau und seiner Katze in Wien.

Uwe-Michael Gutzschhahn. Foto: Volker Derlath

Uwe-Michael Gutzschhahn. Foto: Volker Derlath

Uwe-Michael Gutzschhahn, Jg. 1952, lebt in München und hat an der Universität Bochum über den Lyriker Christoph Meckel promoviert. Seit 1978 hat er zahlreiche eigene Gedichtbände veröffentlicht, u. a. »Fahrradklingel« (1979), »Das Leichtsein verlieren« (1982) und »Der Alltag des Fortschritts« (1996). Zwischen 1988 und 1991 gab er die 12-bändige Kinder-Taschenbuchreihe »RTB Gedichte« mit Texten u. a. von Ernst Jandl, Oskar Pastior, Friederike Mayröcker und Sarah Kirsch heraus. 2003 folgte die Anthologie »Ich liebe dich wie Apfelmus«, die er mit Amelie Fried zusammenstellte und die gerade in einer Neuausgabe wiederaufgelegt wurde. Sein erster eigener Kindergedichtband folgte 2012 unter dem Titel »Unsinn lässt grüßen«. Und im Herbst 2015 erschien seine große Nonsenslyrik-Anthologie »Ununterbrochen schwimmt im Meer der Hinundhering hin und her.«

Alle bereits erschienenen Folgen von »Gedichte für Kinder« finden Sie hier.

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