Gedichte für Kinder – Folge 16: Sechs Kindergedichte von Anton G. Leitner

Uwe-Michael Gutzschhahn präsentiert jeweils am 10. eines Monats auf DAS GEDICHT blog faszinierende Kindergedicht-Autoren mit ihren vielfältigen Spielarten der Kinderpoesie. Denn das Kindergedicht soll lebendig bleiben – damit aus jungen Gedichtlesern neugierige Erwachsene werden, die sich an die Klänge und Bilder der Poesie erinnern, statt an die Last der didaktischen Lyrikinterpretation.

 

Ei für zwei
Eine kleine Schöpfungsgeschichte

Im Ursprung
ein Ei
sprang.

Was schlüpfte aus
dem Ei?
Eine Drei?

Ein verrücktes
Huhn? Zwei
quietschende

Entchen? Am
Ende ich
oder du?

In der Urzeit
gab’s keine Uhr-
zeit, nur Dinos.

Ich hab keinen
Dino, aber Zeit.
Und bade mit

zwei Entchen in der
Wanne. Wir essen
Schokolade. Im warmen

Wasser schmilzt sie
und zwei Entchen
tauchen ab

durch den Kakao.
Komm, trink mit mir
die Wanne leer!

Schluck die Gluck.
Gluck, gluck.
Da sind sie wieder!

Die Entchen
haben ein Ei
gelegt.

Aus dem Ei
springt ein
Entenschnabel

Dino
Saurolophus.
Ei der Daus,

quietschen die Entchen
und wir machen
ei, ei, ei.
 

Bubble Bob

Die Blase bappt
dem Kaugummikauer
Bob den Mund zu.

Er will mir was verraten
von Joe und den Piraten.
Ich kann es kaum erwarten
und platze fast im Garten

vor Neugier.
Hopp, hopp! Aber
Bob brabbelt nur:

Bibblll, blabblll.
Blolll.

 

Ake Uzumbar

Ein Vogel in den Wolken
heißt Ake Uzumbar.
Er zwitschert ohne Sorgen:
Tschirr tschirr, tschirr ratschatscha!

Der Vogel aus den Wolken
kackt Kaka Kaka Kao.
Er trifft Frau Reier-Boldten
auf ihren Zopf. Na bravo!
 

Futter, Neid

Im Grunde
hat ein Krokodil
mit Menschen doch
ein leichtes Spiel:

Kann straflos
diese Gattung beißen,
nach Geschmack
in Stücke reißen

oder einfach und
bequem
den Menschenbraten
übersehn.
 

Glück in den Wolken

Hoch in die Wolken –
schwing – schwung – schwang
sich ein Schwan.

Sah unsere Köpfe
durch die Wolken wie Knöpfe,
dachte sich dort:

Schon bin ich fort!
 

Gutta Gutta

Hot dog dog stop
Stop dog dog stop
Hot hot hot
Dog dog stop
 

© Anton G. Leitner

Anton G. Leitner ist seit 1993 hauptberuflich Lyriker, Herausgeber und Verleger. In seinem Verlag bereitet er gerade die 24. Ausgabe seiner Zeitschrift »Das Gedicht« vor, die jährlich als buchdickes Heft erscheint. Ein Special mit dem Thema »Kinder« (2005) fand internationale Beachtung und wird von der »Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur« (Volkach) empfohlen. Von Leitner selbst sind bislang zehn Lyrikbände erschienen und er hat über 40 Anthologien (überwiegend für dtv und Reclam) herausgegeben, darunter den Poesie-Bestseller für Jugendliche »SMS-Lyrik« (München 2002) sowie die Sammlung »Ein Känguru mit Stöckelschuh« mit Illustrationen von Heidrun Boddin im Verlag St. Michaelsbund (München 2012). Leitner lebt mit seiner Frau in Weßling (Landkreis Starnberg). Weitere Informationen unter www.AntonLeitner.de und www.DasGedicht.de

Uwe-Michael Gutzschhahn. Foto: Volker Derlath

Uwe-Michael Gutzschhahn. Foto: Volker Derlath

Uwe-Michael Gutzschhahn, Jg. 1952, lebt in München und hat an der Universität Bochum über den Lyriker Christoph Meckel promoviert. Seit 1978 hat er zahlreiche eigene Gedichtbände veröffentlicht, u. a. »Fahrradklingel« (1979), »Das Leichtsein verlieren« (1982) und »Der Alltag des Fortschritts« (1996). Zwischen 1988 und 1991 gab er die 12-bändige Kinder-Taschenbuchreihe »RTB Gedichte« mit Texten u. a. von Ernst Jandl, Oskar Pastior, Friederike Mayröcker und Sarah Kirsch heraus. 2003 folgte die Anthologie »Ich liebe dich wie Apfelmus«, die er mit Amelie Fried zusammenstellte und die gerade in einer Neuausgabe wiederaufgelegt wurde. Sein erster eigener Kindergedichtband folgte 2012 unter dem Titel »Unsinn lässt grüßen«. Und im Herbst 2015 erschien seine große Nonsenslyrik-Anthologie »Ununterbrochen schwimmt im Meer der Hinundhering hin und her.«

Alle bereits erschienenen Folgen von »Gedichte für Kinder« finden Sie hier.

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