Gedichte für Kinder – Folge 2: Sechs Kindergedichte von Yaak Karsunke

Uwe-Michael Gutzschhahn präsentiert jeweils am 10. eines Monats auf DAS GEDICHT blog faszinierende Kindergedicht-Autoren mit ihren vielfältigen Spielarten der Kinderpoesie. Denn das Kindergedicht soll lebendig bleiben – damit aus jungen Gedichtlesern neugierige Erwachsene werden, die sich an die Klänge und Bilder der Poesie erinnern, statt an die Last der didaktischen Lyrikinterpretation.

 

Der Speise-Eisbär

Der Speise-Eisbär misst im Stehn
von Fuß bis Kopf zwei Meter zehn

Seine allerliebste Speise
ist Sahne-Eiscreme eimerweise

Er schleckt & schlürft & schlotzt & schluckt
das ist, wonach das Fell ihm juckt

und dieses Fell ist gelblich-weiß
:das kommt von dem Vanille-Eis
 
 

Auf dem Dorf

Wenn der Hofhund morgens kräht
weil die Gans auf Stelzen geht

Wenn Pferde gackern, Schweine bellen
dann hilft es nicht, sich taub zu stellen

Wenn Hähne grunzen, Hühner schwimmen
da kann doch irgendwas nicht stimmen

Wenn dann noch Mäuse Katzen fangen
ist etwas gründlich schief gegangen.
 
 

Der Schakal

Der Schakal, der Schakal
ist viel kleiner als ein Wal
doch er sieht viel größer aus
als beispielsweise eine Maus.

Dem Schakal, dem Schakal
ist das allerdings egal
denn er liebt die Mittelgröße
& dazu Kartoffelklöße.
 
 

Das Zebra

Eins wird das Zebra nie begreifen:
Wie kommt man übern Zebrastreifen?
Es bleibt am Straßenrande stehn
& ist dort stundenlang zu sehn –
bis sein Anblick jemand rührt
ders dann übern Fahrdamm führt.
 
 

Die Möwen

Seehunde, Seewölfe, Seelöwen
darüber kreisen die Möwen
und werfen alle Robben
glatt in einen Topf
und scheißen ihnen einfach
von oben auf den Kopf
 
 

Der Hund

Es war einmal ein Hund
der wog dreihundert Pfund

er passte in kein‘ Hosenbund
und wo er ging und wo er stund

rief alles wie aus einem Mund:
na – das ist ja ein dicker Hund!
 
 

© Yaak Karsunke, Berlin
 
 

Yaak Karsunke lebt in Berlin. Eigentlich heißt er mit Vornamen Georg, doch seine Mitschüler auf dem Gymnasium nannten ihn Jörg, und wenn sie ihn laut riefen, klang das scharf zusammengezogene Jörg wie Yak. Daraus wurde der Künstlername Yaak. Karsunke ist in den 1960er und 70er Jahren mit seinen politischen Gedichten, später auch Theaterstücken und Hörspielen bekannt geworden, 1990 erhielt er für seinen Kriminalroman „Toter Mann“ den 2. Platz beim Deutschen Krimipreis, 2005 den Erich-Fried-Preis für seine Lyrik. Als Schauspieler hat er in Filmen des berühmten Regisseurs und Autors Rainer Werner Fassbinder, mit dem er befreundet war, mitgespielt. Und er hat auch für Kinder gedichtet – anfangs für seine (damals) kleine Lieblingsschwester Greta, später für seine Kinder und Enkel. Nur die „Mistwetterblätter“ – so Karsunke – sind mehrheitlich nicht für reale Kinder, sondern zu Radierungen des Bildhauers Hans Scheib entstanden. Die drei Mistwetter-Mappen mit Tierversen sind 2011 beim Wolbern-Verlag in Greifswald erschienen.
 

 

Uwe-Michael Gutzschhahn. Foto: Volker Derlath

Uwe-Michael Gutzschhahn. Foto: Volker Derlath

Uwe-Michael Gutzschhahn, Jg. 1952, lebt in München und hat an der Universität Bochum über den Lyriker Christoph Meckel promoviert. Seit 1978 hat er zahlreiche eigene Gedichtbände veröffentlicht, u. a. »Fahrradklingel« (1979), »Das Leichtsein verlieren« (1982) und »Der Alltag des Fortschritts« (1996). Zwischen 1988 und 1991 gab er die 12-bändige Kinder-Taschenbuchreihe »RTB Gedichte« mit Texten u. a. von Ernst Jandl, Oskar Pastior, Friederike Mayröcker und Sarah Kirsch heraus. 2003 folgte die Anthologie »Ich liebe dich wie Apfelmus«, die er mit Amelie Fried zusammenstellte und die gerade in einer Neuausgabe wiederaufgelegt wurde. Sein erster eigener Kindergedichtband folgte 2012 unter dem Titel »Unsinn lässt grüßen«. Und im Herbst 2015 erscheint seine große Nonsenslyrik-Anthologie »Ununterbrochen schwimmt im Meer der Hinundhering hin und her.«

Alle bereits erschienenen Folgen von »Gedichte für Kinder« finden Sie hier.

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