Gedichte für Kinder – Folge 34: 14 unveröffentlichte Gedichte von Kindern

Uwe-Michael Gutzschhahn präsentiert jeweils am 10. eines Monats auf DAS GEDICHT blog faszinierende Kindergedicht-Autoren mit ihren vielfältigen Spielarten der Kinderpoesie. Denn das Kindergedicht soll lebendig bleiben – damit aus jungen Gedichtlesern neugierige Erwachsene werden, die sich an die Klänge und Bilder der Poesie erinnern, statt an die Last der didaktischen Lyrikinterpretation.

 

Jerome Scannell (11)

Langsam

Die Schnecke wohnt in Nummer 18, große Hecke,
erster Stock in einer Ecke.
Kuschelt gern mit ihrer Decke,
so ’nem Stückchen Plastiksäcke.
Wenn ihr glaubt, dass ich euch necke:
Unsinn, sie lebt dort mit einer Zecke.

Das freut die Schnecke wirklich sehr,
nur die Zecke nicht, die holt sich ein Gewehr,
jagt die Schnecke kreuz und quer
durch die Hecke hin und her.

 

Maida-Agatha Butzko-Rubio (11)

Die Frage auf dem Dach

Es war einmal ein Bach,
der floss über ein Dach.
Eines Tages, da hörte er Krach
und sagte laut: »Guten Tach!
Spielt jemand mit mir Schach?«

 

Linnea Donath (11)

Die kleine Liese und die Blumenwiese

Es saß die kleine Liese
auf einer Blumenwiese.
Da kam ein fieser Riese
und sprach: „Ich krieg die Krise!“
Stampfte die kleine Liese
tief in die Blumenwiese.
Der Riese war echt miese.

 

Olga Koepp (11)

Der Salamander

Ein Salamander aß gern Koriander
und lud den Leander auf seine Veranda
zum Essen ein.

Der Kalarander aß gern Somiander
und sud den Velander auf leine Leranda
um Essen zein.

 

Johann Boche (11)

Die Rose

Es war einmal eine Rose,
die steckte in einer Dose.
Soweit ich weiß fand sie Mose.
Ganz langsam wurde die Dose
aber am Deckel ganz lose.
Das war ein Problem für die Rose.
»Jetzt reicht mir die dämliche Dose«,
schimpfte die wütende Rose.

Da riss ich die arme Rose
heraus aus der losen Dose
und pflanzte sie in eine Hose.
Drei Wochen später hing die Rose
nur müde und schlapp in der Hose
und macht‘ keine gute Pose.

 

Djavid v. P. (10) und Leander E. (9)

Die Uhr

Die Uhr schlich über den Flur,
dann fuhr sie zur Kur
auf einer Schnur
und kam heim um fünf Uhr.

Da guckte sie in ihr Klo
und fand einen Floh,
der kratzt‘ ihr den Po,
das machte sie froh … oder so.

 

Leander E. (9) und Djavid v. P. (10)

Der Fußballer Franz

Der Fußballer Franz
trug einen Kranz,
den fand er zwar dumm,
lief trotzdem mit rum.

 

Elisa B. (9) und Lilli K. (10)

Vogel mit Zahnlücke

Eine Mücke
stach mal in eine Lücke.

Die Lücke, die rief: »Oje!«
Da lag die Mücke im Schnee.

Der Schnee war weiß und ganz heiß,
da leckte die Mücke ein Eis.

Die Sonne, die knallte vom Himmel,
in dem war ein Vogelgewimmel.

Ein kleiner Vogel flog runter,
die Lücke war wieder munter.

Denn der Vogel, der fraß die Mücke,
doch hatte er eine Zahnlücke.

Die Mücke flog wieder heraus –
o Graus!

 

Carina F. (9)

Tierfest

Der Kater
kam mit seinem Vater.

Die Ziege
kam mit T-Shirt und Fliege.

Die Ratte
trug rote Krawatte.

Das Schaf
fotografierte ganz brav.

Nur die Maus,
die blieb einfach zu Haus.

 

Emma R. (10)

Im Haus von Onkel Klaus

Im Haus von Onkel Klaus
wohnt eine kleine Maus.
Käse ist ihr Lieblingsschmaus.
Onkel Klaus macht das nichts aus.
Er teilt mit ihr sein Bett, sein Haus
und seinen Blumenstrauß.

 

Jan R. (9) und Yunus A. (10)

Zuckerschnecke

Zuckerschnecke mag ich.
Zuckerschnecke mag mich.
Zuckerschnecke kauf ich.
Zuckerschnecke haut mich.
Zuckerschnecke brauch ich.

 

Jakob A. (10) und Carina F. (9)

Der gestreifte Pulli

Es war einmal ein gestreifter Pulli,
der landete in einem Gulli.
Der Gulli war eng und klein
und gemauert aus Ziegelstein.
Der Pulli sprang in ihn hinein.
Wen traf er dort? Oje, ein Schwein.
Das Schwein sprang vor Schreck hinaus
und fing eine winzige Maus.
Der Pulli sprang hinterher
und fing einen riesigen Bär.
»So macht man das«, sprach der Pulli,
da weinte das Schwein in den Gulli,
hätt dringend gebraucht einen Schnulli.
Hat dem Pulli das nie verziehn
und flog unter Tränen nach Wien,
fuhr weiter ins ferne Schwerin
und hetzte von dort nach Berlin.
Doch Berlin war ihm viel zu groß,
macht‘ vor Angst sich dort in die Hos‘
Da mietete es ein Floß,
stieg in die schönste Seeros‘
und paddelte in ihr los.
Das Gedicht, das ist hier zu Ende
und das Schwein, das wird zur Legende!

 

Vincent Poschwatta (9)

Weihnachtsschmaus

Es ist dunkel und bitterkalt,
in der Stadt am Rande vom Wald.
Plötzlich wird die Nacht erhellt
von einem Blitz am Himmelszelt.
Am Anfang leuchtet es nur schwach.
Im Wald die Tiere werden wach.
Sie denken, es ist eine leuchtende Puppe,
nein, das Christkind auf einer Sternenschnuppe.
Es kommt geflogen mit hellem Schein
direkt zu den Tiern in den Wald hinein.
Es lädt einen Sack von dem Sternschnuppenschweif
mit Futter für alle: Bär, Reh, Hirsch und Greif.
Auch für Eichhörnchen, Wiesel und Meise
ging das Christkind heut auf die Reise.
Das ist für die Tiere ein köstlicher Schmaus.
Nun fliegt das Christkind glücklich nach Haus.

 

© bei den Kindern

 
In verschiedenen Gedichte-Workshops in Berlin und in Heiligendamm an der Ostsee habe ich die jungen Teilnehmer und Teilnehmerinnen gebeten, mir Texte für eine Sonderausgabe der Blog-Reihe »Gedichte für Kinder« zu schicken, in der ich nun schon seit März 2015 allmonatlich einen Autor vorstelle, der Kinderlyrik schreibt. Aus all diesen Zusendungen habe ich 14 Texte für den Weihnachtsbeitrag der Blog-Reihe ausgewählt. Die Idee, sie als Weihnachtsbeitrag zu präsentieren, kam mir, als ich plötzlich ein wunderschönes Christkindgedicht geschickt bekam.

Manche Eltern wollten gern, dass der ganze Verfassername über dem jeweiligen Gedicht steht, andere fanden es besser, dass der Text nur mit dem Vornamen und einem Kürzel des Verfassers oder der Verfasserin kenntlich gemacht wird. Die Altersangaben hinter jedem Namen beziehen sich auf die Entstehungszeit der Gedichte. Geschrieben wurden die Texte von Schülern der Klasse 5c in der Elizabeth-Shaw-Grundschule in Pankow, den Schülern der 4b in der Grundschule am Barbarossaplatz in Schöneberg und von einem Jungen aus Braunschweig, den ich an der Ostsee bei einem Workshop kennenlernte.

Uwe-Michael Gutzschhahn. Foto: Volker Derlath

Uwe-Michael Gutzschhahn. Foto: Volker Derlath

Uwe-Michael Gutzschhahn, Jg. 1952, lebt in München und hat an der Universität Bochum über den Lyriker Christoph Meckel promoviert. Seit 1978 hat er zahlreiche eigene Gedichtbände veröffentlicht, u. a. »Fahrradklingel« (1979), »Das Leichtsein verlieren« (1982) und »Der Alltag des Fortschritts« (1996). Zwischen 1988 und 1991 gab er die 12-bändige Kinder-Taschenbuchreihe »RTB Gedichte« mit Texten u. a. von Ernst Jandl, Oskar Pastior, Friederike Mayröcker und Sarah Kirsch heraus. 2003 folgte die Anthologie »Ich liebe dich wie Apfelmus«, die er mit Amelie Fried zusammenstellte und die gerade in einer Neuausgabe wiederaufgelegt wurde. Sein erster eigener Kindergedichtband folgte 2012 unter dem Titel »Unsinn lässt grüßen«. Und im Herbst 2015 erschien seine große Nonsenslyrik-Anthologie »Ununterbrochen schwimmt im Meer der Hinundhering hin und her.«

Alle bereits erschienenen Folgen von »Gedichte für Kinder« finden Sie hier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.