Gedichte für Kinder – Folge 7: Fünf unveröffentlichte Kindergedichte von Arne Rautenberg

Uwe-Michael Gutzschhahn präsentiert jeweils am 10. eines Monats auf DAS GEDICHT blog faszinierende Kindergedicht-Autoren mit ihren vielfältigen Spielarten der Kinderpoesie. Denn das Kindergedicht soll lebendig bleiben – damit aus jungen Gedichtlesern neugierige Erwachsene werden, die sich an die Klänge und Bilder der Poesie erinnern, statt an die Last der didaktischen Lyrikinterpretation.

 

die unerträgliche leichtigkeit des schweins

mit der schweinschleuder
hoch hinauf
in den baum geschossen

liegt die fette sau
lässig in den ästen
und trinkt kakao

am tag sammelt sie sommersprossen
doch nachts da schaut sie weit
und weiter

grunzt himmlisch
hin ist
sternendeuter

denkt: wie oben
so unten wie im himmel
so auf erden

was soll nur
aus schweinen
auf bäumen werden?
 

wellenbewegungen

kennst du die vielen kleinen wellen die
wenn sie abziehen bei ebbe
zwischen sandbänken
den sand dellen?

sodass die dellen
im sand aussehen wie
die vielen kleinen wellen
selbst?

schau dir dann mal
deine fußsohlen an (wenn du die zehen knickst)
haben die nicht ebenso viele dellen
wie die sand- und wasserwellen?

ich denke das bedeutet wohl
dass man barfuß seine füße lenken
und bei ebbe zwischen sandbänken
spazieren soll
 

nashorngedicht

auf dem nashorn vorn
sitzt das nashornhorn
auf dem nashornpo
sitzt ein bonobo
 

schneckensterne

wenn es nacht wird denk ich gerne
an die schnecken die als sterne
sich im nachthimmel verstecken

wenn es tag wird dreh ich kreise
sehe schnecken sage leise
wünsch euch heut nacht gute reise
 

wer kaut am coolsten kaugummi?

du denkst
am coolsten kauen
die cowboys kaugummi?

nein
am coolsten kauen
die kamele kaugummi

du denkst
die kamele
sie grasen?

oh nein
die kamele reiben sich nur im sand der oasen
ihre kitzelnden nasen

ja und dann
schauen die kamele dich
richtig cool kaugummikauend an
 

© Arne Rautenberg

Arne Rautenberg lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Kiel. Er ist Künstler und Schriftsteller, vor allem aber schreibt er Gedichte. Er schreibt nicht für Erwachsene oder Kinder, sondern schaut bei seiner täglichen Arbeit, was das geschriebene Gedicht hergibt. Mal ist es dies, mal ist es das. Erst beim Zusammenstellen entscheidet sich, was ins Kinderbuch kommt. Es gibt bisher zwei Gedichtbände für Kinder von ihm: „der wind lässt tausend hütchen fliegen“ (2010) und „montag ist mützenfalschrumtag“ (2014) sowie das Bilderbuch in Reimen „supermann im supermarkt“ mit Bildern von Eva Muggenthaler (2012).

Uwe-Michael Gutzschhahn. Foto: Volker Derlath

Uwe-Michael Gutzschhahn. Foto: Volker Derlath

Uwe-Michael Gutzschhahn, Jg. 1952, lebt in München und hat an der Universität Bochum über den Lyriker Christoph Meckel promoviert. Seit 1978 hat er zahlreiche eigene Gedichtbände veröffentlicht, u. a. »Fahrradklingel« (1979), »Das Leichtsein verlieren« (1982) und »Der Alltag des Fortschritts« (1996). Zwischen 1988 und 1991 gab er die 12-bändige Kinder-Taschenbuchreihe »RTB Gedichte« mit Texten u. a. von Ernst Jandl, Oskar Pastior, Friederike Mayröcker und Sarah Kirsch heraus. 2003 folgte die Anthologie »Ich liebe dich wie Apfelmus«, die er mit Amelie Fried zusammenstellte und die gerade in einer Neuausgabe wiederaufgelegt wurde. Sein erster eigener Kindergedichtband folgte 2012 unter dem Titel »Unsinn lässt grüßen«. Und im Herbst 2015 erscheint seine große Nonsenslyrik-Anthologie »Ununterbrochen schwimmt im Meer der Hinundhering hin und her.«Alle bereits erschienenen Folgen von »Gedichte für Kinder« finden Sie hier.

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