Gedichte mit Tradition, Folge 21: »Der Zauberberg in sieben Strophen«

»Gedichte mit Tradition – Neue Blätter am Stammbaum der Poesie«: eine fortlaufende Online-Anthologie, zusammengestellt von Jan-Eike Hornauer

 

Andreas Schumacher

Der Zauberberg in sieben Strophen

Hans Castorp, ein einfacher Schiffsbaustudent,
besucht, von der Heimatstadt Hamburg getrennt,
im »Berghof« (Davos) einen kranken Verwandten.
Er selbst ist gesund, hat von allen bekannten

Erkrankungen keine, wenngleich Anämie
einst festgestellt wurde als Anomalie.
Hans Castorp verliebt sich in Clawdia Chauchat,
die Glastüren zuwirft, ihr Mann ist nicht da.

Er fuhr auf drei Wochen. »Man fühlt ja hier oben
die Zeit gänzlich anders, man scheint ihr enthoben«,
erklärt ihm sein Vetter — MARIA MANCINI —
HANS CASTORPS ZIGARRE* —, doch Herr Settembrini

beschwört ihn, den »Berghof« sofort zu verlassen.
Die Ärzte (Krokowski und Behrens) verpassen
ihm rasch ein paar Kuren. Er solle auch messen.
Das tut er dann täglich, verstärkt nach dem Essen.

Nachdem er beim Essen wie immer Chauchat sah,
steht freilich auch immer ein bisschen zu viel da.
Hans Castorp verlängert. Es philosophieren
Herr Naphta und S. – bis sie sich duellieren.

Hans Castorp fängt an, dicke Bücher zu lesen,
besucht Moribunde, bewundert das Wesen
von Peeperkorn, Clawdias erkranktem Gemahl,
der irgendwann auftaucht und aushaucht. Die Zahl

der Toten steigt ständig. Joachim, der Vetter,
stirbt auch. Siebtes Jahr und bescheidenes Wetter:
Hans Castorp betreut den Musikapparat,
doch dann bricht der Krieg aus – H. C. wird Soldat.

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© Andreas Schumacher, Walheim
 

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Zu dieser Reihe: »Gedichte mit Tradition – Neue Blätter am Stammbaum der Poesie« ist eine Online-Sammlung erstveröffentlichter zeitgenössischer Poeme, die zentral auf ein bedeutendes Werk referieren, ob nun ernsthaft oder humoristisch, sich verbeugend oder kritisch. Jeden Freitag erscheint eine neue Folge der von Jan-Eike Hornauer herausgegebenen Open-End-Anthologie. Alle bereits geposteten Folgen finden Sie hier.

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