Jubiläumsblog. Ein Vierteljahrhundert DAS GEDICHT
Folge 24: Thomas Hald – Der Mensch hinter dem Dichter

Seit 25 Jahren begleitet die Zeitschrift DAS GEDICHT kontinuierlich die Entwicklung der zeitgenössischen Lyrik. Bis heute ediert sie ihr Gründer und Verleger Anton G. Leitner mit wechselnden Mitherausgebern wie Friedrich Ani, Kerstin Hensel, Fitzgerald Kusz und Matthias Politycki. Am 25. Oktober 2017 lädt DAS GEDICHT zu einer öffentlichen Geburtstagslesung mit 60 Poeten aus vier Generationen und zwölf Nationen ins Literaturhaus München ein. In ihrer Porträtreihe stellt Jubiläumsbloggerin Franziska Röchter jeden Tag die Teilnehmer dieser Veranstaltung vor.

Thomas Hald, geboren 1967 in München, dort Studium des Sozialwesens; ab 1994 als Diplomsozialpädagoge im Resozialisierungsbereich tätig, seit 2007 als Bewährungshelfer beim Landgericht München. Veröffentlichungen von Gedichten in Zeitschriften (u. a. »DAS GEDICHT«, »Konzepte«, »SIGNUM«, »macondo«) und Anthologien (u. a. »Zu mir oder zu dir? Verse für Verliebte«, gesammelt von Anton G. Leitner, dtv / Reihe Hanser 2008; »Himmel wolkenlos, Haiku«, hrsg. von Ingo Cesaro, Neue Cranach Presse Kronach 2009; »Mein heimliches Auge, Das Jahrbuch der Erotik XXVII und XXVIII«, konkursbuch Verlag Claudia Gehrke; zuletzt »Heimat. Gedichte«. Reclam Verlag 2017, hrsg. von Anton G. Leitner).

Preis für Lyrik beim Literaturwettbewerb der »Ulmer Autoren« (2000). Preis beim »Netzine«-Wettbewerb für Kurz-Kurzgeschichten (2003).

Sicher ist es seinem Beruf geschuldet, dass Thomas Hald lieber Dinge für sich behält. Als Bewährungshelfer beim Amtsgericht München ist er zum Schweigen verpflichtet. Dass er über sich selbst auch nicht allzu viel verrät, ist unter diesem Aspekt durchaus nachvollziehbar.

Ich habe mich aus der Tradition herausgearbeitet.

Lieber Thomas Hald, besteht bei Ihnen eine gefühlte Verbindung zwischen (brot)beruflicher Tätigkeit und Autorendasein oder sind das Parallelwelten?

Bewährungshilfe und Lyrik haben nichts miteinander zu tun; führe quasi ein Doppelleben.

Bitte nennen Sie Ihre jüngsten oder für Sie wichtigsten Veröffentlichungen.

Buch-Publikation: »im tonfall des jungen sommers. Gedichte« (Poesie 21 im Verlag Steinmeier, Deiningen 2011).

Wie würden Sie Ihren lyrischen Stil einordnen? Mit welchem/n Dichter/n fühlen Sie sich besonders verbunden?

Ich schreibe moderne gereimte und ungereimte Gedichte, habe mich aus der Tradition herausgearbeitet. Meine Schreibweise hat sich mit den Jahren verändert, früher habe ich sogenannte ›Tempogedichte‹ verfasst, jetzt schreibe ich eher langsame Gedichte. Verbunden fühle ich mich mit Rilke, Trakl, Benn, dem jungen Celan, Rimbaud, Hölderlin und Jan Wagner (seit seinem Sammelband »Selbstportrait mit Bienenschwarm«). Es gibt auch noch andere zeitgenössische Dichter, die ich gerne lese und die mich inspirieren.

Woher kommt Ihre Liebe zur Poesie? Gab es Schlüsselerlebnisse in der Kindheit oder Jugend?

Kann ich nicht sagen. Rilke und Hölderlin habe ich zuerst gelesen; auch die Texte von Konstantin Wecker haben mich inspiriert und dann angeregt, selbst Gedichte zu schreiben. Ich habe 1984 mit dem Gedichteschreiben begonnen und seitdem weitergemacht, es ist mir zur Notwendigkeit geworden, auf diese Weise gelange ich tiefer ins Sein.

Seit wann kennen Sie die Zeitschrift DAS GEDICHT?

Seit der ersten Ausgabe.

Wie sind Sie auf DAS GEDICHT gestoßen? Wie haben Sie die Zeitschrift kennengelernt?

Weiß ich nicht mehr. Die erste Ausgabe habe ich bei Anton G. Leitner telefonisch bestellt und gleichzeitig die Zeitschrift abonniert.

Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie zum ersten Mal die Nachricht erhalten haben, dass eines Ihrer Gedichte in DAS GEDICHT publiziert werden würde?

Ich habe mich fantastisch gefühlt, das war ein erfreuliches Ereignis (ist es immer wieder!), es hat mich motiviert, lyrisch »am Ball« zu bleiben.

In welcher Ausgabe war das und wie heißt das Gedicht?

Jubiläumsausgabe Nr. 10 (zum Thema Politik). Das Gedicht heißt »dem kaiser«.

 

Thomas Hald. Foto: Katharina Kreye

Thomas Hald. Foto: Katharina Kreye

 

Was ist denn Ihr Lieblingsgedicht von einem anderen Dichter?

»versuch über mücken« von Jan Wagner.

Bitte nennen Sie weitere Lieblingsgedichte.

»Empfindung« von Rimbaud, »Die Sonette an Orpheus« von Rilke, »Hälfte des Lebens« von Hölderlin, »Wandrers Nachtlied« von Goethe, »Einsamer nie…« von Benn, »Ein Winterabend« von Trakl.

Gedichte sollten formstrenger sein.

Was würden Sie der Poesie generell wünschen, damit mehr Menschen Gedichte lesen oder Gedichtbände kaufen?

Gedichte sollten formstrenger sein, rhythmischer, klangvoller, auch lustvoller, sinnlicher, humorvoller, verspielter.

Wie könnte man Ihrer Meinung nach der Lyrik wieder zu dem Stand verhelfen, den sie einst hatte: nämlich Königsgattung in der Literatur zu sein?

Lyriker sollten in der Öffentlichkeit mehr Beachtung finden, die Vergabe des »Preises der Leipziger Buchmesse« (2015) und des »Georg-Büchner-Preises« (2017) an Jan Wagner waren ein gutes Zeichen.

Woran arbeiten Sie gerade in literarischer oder künstlerischer Hinsicht?

Immer noch ein besseres und dann noch ein besseres Gedicht zu schreiben.

Dichten ist für mich wie atmen.

Was treibt Sie an, immer weiter Gedichte und Texte zu schreiben?

Kann ich schlecht sagen, es ist eine Lebensäußerung, eine Notwendigkeit, mir fällt immer wieder etwas ein, ich erzwinge nichts. Wahrscheinlich würde ich auch so intensiv weiterschreiben, wenn kein Gedicht publiziert werden würde. Dichten ist für mich wie atmen.

Haben Sie noch Lieblingsbeschäftigungen neben der Literatur?

Musik hören (Klassik, Jazz), Tennis spielen, Reisen (gerne an antike Stätten), überhaupt Sport, bildende Kunst (Michelangelo fasziniert mich von den alten Meistern am meisten).

Was liegt auf Ihrem Nachttisch?

Ich habe keinen Nachttisch!

Lieber Thomas Hald, herzlichen Dank für diese Antworten.

 
Thomas Hald
im tonfall des jungen sommers

Gedichte
66 Seiten, Paperback
Verlag Steinmeier, Deiningen 2011
ISBN 978-3-939777-60-1

 

Franziska Röchter. Foto: Volker Derlath

Unser »Jubiläumsblog #25« wird Ihnen von Franziska Röchter präsentiert. Die deutsche Autorin mit österreichischen Wurzeln arbeitet in den Bereichen Poesie, Prosa und Kulturjournalismus. Daneben organisiert sie Lesungen und Veranstaltungen. Im Jahr 2012 gründete Röchter den chiliverlag in Verl (NRW). Von ihr erschienen mehrere Gedichtbände, u. a. »hummeln im hintern«. Ihr letzer Lyrikband mit dem Titel »am puls« erschien 2015 im Geest-Verlag. 2011 gewann sie den Lyrikpreis »Hochstadter Stier«. Sie war außerdem Finalistin bei diversen Poetry-Slams und ist im Vorstand der Gesellschaft für
zeitgenössische Lyrik. Franziska Röchter betreute bereits 2012 an dieser Stelle den Jubiläumsblog anlässlich des »Internationalen Gipfeltreffens der Poesie« zum 20. Geburtstag von DAS GEDICHT.


Die »Internationale Jubiläumslesung mit 60 Poetinnen und Poeten« zur Premiere des 25. Jahrgangs von DAS GEDICHT (»Religion im Gedicht«) ist eine Veranstaltung von Anton G. Leitner Verlag | DAS GEDICHT in Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat der Landeshauptstadt München. Mit Unterstützung der Stiftung Literaturhaus. Medienpartner: Bayern 2.

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