Jubiläumsblog. Ein Vierteljahrhundert DAS GEDICHT
Folge 36: Thomas Glatz – Der Mensch hinter dem Dichter

Seit 25 Jahren begleitet die Zeitschrift DAS GEDICHT kontinuierlich die Entwicklung der zeitgenössischen Lyrik. Bis heute ediert sie ihr Gründer und Verleger Anton G. Leitner mit wechselnden Mitherausgebern wie Friedrich Ani, Kerstin Hensel, Fitzgerald Kusz und Matthias Politycki. Am 25. Oktober 2017 lädt DAS GEDICHT zu einer öffentlichen Geburtstagslesung mit 60 Poeten aus vier Generationen und zwölf Nationen ins Literaturhaus München ein. In ihrer Porträtreihe stellt Jubiläumsbloggerin Franziska Röchter jeden Tag die Teilnehmer dieser Veranstaltung vor.

Thomas Glatz, 1970 geboren, lebt und arbeitet in München. Er studierte Sozial­arbeit in Lands­hut und Bam­berg und Bildende Kunst an den Kunst­aka­demien in München und Helsinki. Er ist Künstler und Schrift­steller und leitet seit 2000 das »Archiv für Gebrauchs- und Benutz­texte«. 2007 erhielt er das Heinrich-Gartentor-Stipendium des Schweizer Kultur­ministers. 2010/11 das Literatur­stipendium des Frei­staats Bayern, 2012 den Leipziger Hör­spiel­preis (zusammen mit Collin Djukic, Gerhard Lassen und Florian Schenkel). 2015 erhielt er den Leser­preis der Gesell­schaft der Lyrik­freunde.

Dass Thomas Glatz in sich selbst ruht und in unterschiedlichen Bereichen wie im Poetischen verhaftet ist, erschließt sich sofort. Noch dazu scheint er genug Humor und Selbstironie zu besitzen, um auch dann noch Gedichte schreiben zu können, wenn große Themen mal ausgehen. Aber genau das ist ja schon wieder ein ganz eigenes Thema.

Die Kommerzscheren in den Köpfen stören mich am meisten am Literaturbetrieb.

Bitte beschreiben Sie Ihre Erscheinung mit maximal sieben Eigenschaftswörtern.

Gedichthaft, metaphernreich, poetisch.

Bitte beschreiben Sie Ihr Wesen mit maximal sieben Begriffen.

Gedichthaft, metaphernreich, poetisch.

Was, glauben Sie, schätzen Freunde am meisten an Ihnen?

Meine Gedichthaftigkeit, meinen Metaphernreichtum, meine Glatzhaftigkeit.

Bitte nennen Sie Ihre jüngsten oder für Sie wichtigsten Veröffentlichungen.

»Beinaheallgäukatzenkrimi. Ein Miniroman« (2015), »Die übrige Zeit bis zum Bestimmungsort. Ein Miniroman« (2016) und »Nuddernheim. Ein Miniroman aus dem Neo-Biedermeier« (2017).
Alle drei erschienen im Verlag Black Ink, Scheuring.

 

Collage Thomas Glatz mit Bildern aus dem privaten Archiv. Gestaltung: Franziska Röchter

Collage Thomas Glatz mit Bildern aus dem privaten Archiv. Gestaltung: Franziska Röchter

 

Wie ordnen Sie Ihren lyrischen Stil ein? Mit welchen Dichtern fühlen Sie sich besonders verbunden?

Ernst Jandl, die Autoren des Münchner Salzstangensalons, Günter Eich, die
Black Ink-Autoren, Thomas Meinecke, Lassie Singers.

Welche Eigenschaften an Ihnen werden möglicherweise von anderen verkannt?

Meine anonyme Icherzählerhaftigkeit.

Ich habe in jungen Jahren neben Pumuckl auch gerne Geog-Kreisler- und Karl-Valentin-Platten gehört.

Woher kommt Ihre Liebe zur Poesie?

Als Kind hat mir mein Vater, der Autor Helmut Glatz, viel vorgelesen. Ich habe in jungen Jahren neben Pumuckl auch gerne Geog-Kreisler- und Karl-Valentin-Platten gehört.

Seit wann kennen Sie die Zeitschrift DAS GEDICHT ?

Seit Ende der 90er-Jahre.

Wie sind Sie auf DAS GEDICHT gestoßen?

In einem Buchgeschäft namens »Hugendubel« am Münchner Rotkreuzplatz.

Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie zum ersten Mal die Nachricht erhielten, dass eines Ihrer Gedichte in DAS GEDICHT publiziert werden würde?

Ich habe mir gedacht: »Na sowas!«

In welcher Ausgabe war das und wie heißt das Gedicht?

In der Ausgabe »Götterspeise und Satansbraten« (DAS GEDICHT Bd. 23) das Gedicht »Kaffeehaus am Ring«.

Was war Ihr schönstes Erlebnis in Zusammenhang mit einem Gedicht?

Ein witziges Erlebnis fällt mir ein. Christine Wunnicke hat einmal erzählt, sie
hätte geträumt, Jan Bruhnke, der Co-Moderator des Münchner Open Mic, hätte ein neues Tattoo überm Steiß. Etwas in Zierschrift. Auf die Frage, was da stünde, hätte er geantwortet: »Eine lyrische Prosaminiatur von Andreas Heckmann« (den er sehr schätzte).

Nicht umsonst heißt es: »Diese Mahlzeit war ein Gedicht.« oder »Das Kleid ist
ein Gedicht!« Was ist denn Ihr Lieblingsgedicht von einem anderen Dichter?

Hans Arp: »Opus Null«.

Bitte nennen Sie weitere Lieblingsgedichte.

Günther Eich: »D-Zug München Hamburg«
Paul Husarek: »Graue Schatten sind wir«
Peter Friede: »Jedes Jahr ein Toast«
Ernst Herbeck: »Im Herbst da reiht der Feenwind«
H. C. Artmann: »Wos bsundas«
Joachim Ringelnatz: »Liedchen«

Und was ist ihr Lieblingsgedicht aus eigener Feder?

ein gedicht

ein gedicht
ein gedicht
kann gar nichts
und doch
 

Was wünschen Sie der Poesie, damit mehr Menschen Gedichte lesen oder Gedichtbände kaufen?

dieses gedicht

dieses gedicht
möchte nicht viel
nur gelesen werden
noch fragen?
 

Den Iconic Turn der Jahrtausendwende rückgängig machen.

Wie könnte man Ihrer Meinung nach die Lyrik wieder zur Königsgattung in der Literatur machen?

Den Iconic Turn der Jahrtausendwende wieder rückgängig machen.
Smartphones verbieten, das Internet wieder abschaffen.

Woran arbeiten Sie gerade in literarischer oder künstlerischer Hinsicht?

An einer Serie von Kollektivzeichnungen mit Klaus Erich Dietl und Martin Krejci.

Was stört Sie am meisten im Literaturbetrieb?

Neid, die Kommerzscheren in den Köpfen.

Was lässt Sie immer weiter Gedichte und Texte schreiben?

Kann ich nicht sagen.

Herzlichen Dank, Thomas Glatz.

 

Herr Glatz liest ein schweres Rätsel aus eigener Feder

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https://www.youtube.com/watch?v=acGT5vMhIJg&pbjreload=10

 
Thomas Glatz
Nuddernheim

Ein Miniroman aus dem Neo-Biedermeier
Black Ink Verlag, Scheuring 2017
62 Seiten, Paperback
ISBN 978-3-930654-41-3

 

Franziska Röchter. Foto: Volker Derlath

Unser »Jubiläumsblog #25« wird Ihnen von Franziska Röchter präsentiert. Die deutsche Autorin mit österreichischen Wurzeln arbeitet in den Bereichen Poesie, Prosa und Kulturjournalismus. Daneben organisiert sie Lesungen und Veranstaltungen. Im Jahr 2012 gründete Röchter den chiliverlag in Verl (NRW). Von ihr erschienen mehrere Gedichtbände, u. a. »hummeln im hintern«. Ihr letzer Lyrikband mit dem Titel »am puls« erschien 2015 im Geest-Verlag. 2011 gewann sie den Lyrikpreis »Hochstadter Stier«. Sie war außerdem Finalistin bei diversen Poetry-Slams und ist im Vorstand der Gesellschaft für
zeitgenössische Lyrik. Franziska Röchter betreute bereits 2012 an dieser Stelle den Jubiläumsblog anlässlich des »Internationalen Gipfeltreffens der Poesie« zum 20. Geburtstag von DAS GEDICHT.


Die »Internationale Jubiläumslesung mit 60 Poetinnen und Poeten« zur Premiere des 25. Jahrgangs von DAS GEDICHT (»Religion im Gedicht«) ist eine Veranstaltung von Anton G. Leitner Verlag | DAS GEDICHT in Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat der Landeshauptstadt München. Mit Unterstützung der Stiftung Literaturhaus. Medienpartner: Bayern 2.

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Literaturhaus München


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