Melanie am Letzten – Folge 2: Das Grauen

Es ist ein Wahnsinn, ein Irrsinn und nicht selten ein Blödsinn: So geht es zu im Tollhaus Welt. Der Mensch neigt zu seltsamen Verhaltensweisen, die schockieren, alarmieren oder amüsieren können. Was hilft zu guter Letzt? Die Poesie. Nicht ärgern, stänkern oder meckern, sondern dichten – meint die schwarzhumorige Poetin Melanie Arzenheimer und kommentiert die Deadlines des Lebens jeweils am Monatsende auf DAS GEDICHT blog.

 

Das Grauen hat eine unheimliche Anziehungskraft. Dieses »Halloween« zum Beispiel übt auf Kinder und Erwachsene eine Faszination aus, die von Jahr zu Jahr zuzunehmen scheint. Es macht offenbar Spaß, sich als Untoter zu verkleiden. Auch Filme über Blutsauger stehen nicht nur bei Kredithaien hoch im Kurs. Dabei sollten wir doch Angst haben vor jenen, die uns an die Gurgel wollten. Das gilt für Vampire und Kredithaie. Man versetze sich nun aber in die Lage eines Untoten, der an irgendeiner Gruselparty vorbei spaziert (vermutlich schwebt er eher) und sich darüber ärgert, nicht mehr ernst genommen zu werden. Der arme Kerl muss jede Chance ergreifen, die sich ihm bietet.
 

Heilung

Ein Dämon
saß am Ufer
und weinte
er meinte
sein Dasein
sei irgendwie
sinnlos
bloß
reine Fassade
schier unglaublich
fade

Da streifte sein
Blick
das schlanke
Genick
von einem Wesen
das seinem Genesen
gut tun könnte

Und als
die Frau sich
beklagte
als man sie
befragte
was denn nun
in sie gefahren sei
da lachte der Dämon
und dachte sich:

Ich!

 
© Melanie Arzenheimer, Eichstätt

 

Melanie Arzenheimer. Foto: Volker Derlath

Melanie Arzenheimer. Foto: Volker Derlath

»Melanie am Letzten« wird Ihnen von Melanie Arzenheimer präsentiert. Sie wurde 1972 in Eichstätt / Bayern geboren, wo sie heute noch wohnt. Melanie Arzenheimer arbeitet als Chefredakteurin bei der espresso Mediengruppe Ingolstadt, sowie als freiberufliche Hörfunkmoderatorin.
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Alle bereits erschienenen Folgen von »Melanie am Letzten« finden Sie hier.

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