Reformatio | Reset
Pausenpoesie zum Neustarten 100
Weltende wenden

Das Lyrikprojekt zur Lutherdekade im Themenjahr 2015
in Kooperation mit Anton G. Leitner | DAS GEDICHT

 

Timo Brunke

Weltende wenden

Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut
In allen Lüften hallt es wie Geschrei
Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei
Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.

Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen.
An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken
Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.
Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.

Jakob van Hoddis

Und wenn ich wüßte
daß morgen die Welt unterginge
so würde ich dennoch heute mein Apfelbäumchen pflanzen

Martin Luther

Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut
Die spitze Hacke hackt besonders gut.
In allen Lüften hallt es wie Geschrei
Der Stab gibt Halt: wachs grade und gedeih
Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei
Ich deck dich ab, daß dir nicht frostig sei
Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.
Ich werd dich gießen in der Sommerglut.
Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen.
Die Äpfel werden wild aussehn, voll Tupfen!
An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken
Zu Saft zerdrückt noch werden sie beglücken.
Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.
Wer meinen Baum bespritzt, den werd ich rupfen!
Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.
Wann wird der erste Obstplumps mich entzücken?

 
© Timo Brunke geboren 1972 in Stuttgart, lebt dort.
www.TimoBrunke.de
 

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