Reformatio | Reset
Pausenpoesie zum Neustarten 15
Ich fürchtete das Chaos

Das Lyrikprojekt zur Lutherdekade im Themenjahr 2015
in Kooperation mit Anton G. Leitner | DAS GEDICHT

 

Alfons Schweiggert

Ich fürchtete das Chaos

Ich fürchtete das Chaos,
bis ich begriff, im Chaos wird Neues geboren.

Ich klagte über die Finsternis,
bis ich mich entschloss, eine Kerze anzuzünden.

Ich scheute mich vor dem Ziel,
bis ich verstand, der Weg ist das Ziel.

Ich bedauerte, den Wind nicht ändern zu können,
bis ich erkannte, dass ich die Segel richtig setzen kann.

Ich wollte lieber gewinnen als verlieren,
bis ich verstand, es gibt ein Gewinnen im Verlieren.

Ich wehrte mich, anzufangen,
bis mir klar wurde, der Anfang ist die Hälfte des Ganzen.

Ich sah nur, wie sich eine Tür schloss,
ohne zu bemerken, dass sich eine andere öffnete.

Ich wollte lieber bleiben als gehen,
bis ich entdeckte, es gibt ein Bleiben im Gehen.

Ich ängstigte mich vor den Verhältnissen,
bis mir einfiel, brich mit ihnen, bevor sie dich brechen.

Ich fürchtete mich vor dem Ende,
bis ich sah, im Ende gibt es einen Neuanfang.

 
© Alfons Schweiggert, geboren 1947 in Altomünster, lebt in München.
www.Alfons-Schweiggert.de
 

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