Das knifflige Poesiepuzzle, Folge 4: Kreativität

Achim Raven veröffentlicht in loser Folge am 13. eines Monats Überlegungen zu Möglichkeiten und Unmöglichkeiten des Gedichteschreibens. Im ersten Beitrag geht es um den Vers, der weder Zeile noch Satz ist und in der Ambivalenz seiner Möglichkeiten höchsten Scharfsinn oder aber bodenlose Dumpfheit befördern kann.   Kreativität Wörtlich genommen ist sie ja ungefähr das, was – ewig vor Fips Asmussen – im Deutsch des 18. Jahrhunderts Witz hieß: In der engsten, jetzt noch allein üblichen Bedeutung ist der Witz, das Vermögen der Seele, Ähnlichkeiten, und besonders verborgene Ähnlichkeiten, zu entdecken, so wie Scharfsinn das Vermögen ist, verborgene Unterschiede aufzufinden. [Johann […]

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Gedichte mit Tradition, Folge 184: »Dämmerung, April 2020«

Gedichte mit Tradition

»Gedichte mit Tradition – Neue Blätter am Stammbaum der Poesie«: eine fortlaufende Online-Anthologie, zusammengestellt von Jan-Eike Hornauer   Uwe-Michael Gutzschhahn Dämmerung, April 2020 nach Alfred Lichtenstein Ein dicker Junge spielt mit einem Teich. Der Wind hat sich in einem Baum verfangen. Die Menschen wirken plötzlich nicht mehr reich, als wären alle Lampen abgehangen. Die Schienen tragen leere Straßenbahnen. Ein Mann steht maskenhaft vor einer Wand. Im Bücherladen kann man Stille ahnen, als wären die Romane schon bekannt. Auf einem Gartentisch steht eine Vase, wie wenn sie auf den Gruß der Tulpen hofft. Am Fenster klebt noch eine Kindernase. Ein Möwenschrei. […]

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Wiedergelesen – Folge 17: »Große Mausefalle« und »Gesammelte Gedichte« von Alfred Lichtenstein

Dr. Erich Jooß. Foto: Volker Derlath

Literatur ist vergänglich, auch wenn sie sich, wie jede Kunst, gegen ihre Vergänglichkeit zur Wehr setzt. Trotzdem entschwinden Bücher in Archivbibliotheken. Auf einmal gehören sie nicht mehr zu unserem Erfahrungshorizont. Erich Jooß stellt an jedem 15. des Monats vergessene Lyrikveröffentlichungen in seiner Rubrik »Wiedergelesen« vor, die bewusst unsystematisch angelegt ist. Entdeckerfreude und persönliche Vorlieben sind ihm als Kolumnist von DAS GEDICHT blog wichtiger als literaturhistorische Zensuren.   Die Jahre 1910 bis 1914 waren – literarisch gesehen – eine Zeit des Aufbruchs. Die jungen Schriftsteller, die jetzt auf sich aufmerksam machten oder besser: mit brachialer Gewalt die Bühne stürmten, wechselten abrupt die bis dahin üblichen […]

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