Abend im Herbst

von Johannes Kühn Noch einmal haben alle Bäume Goldglanz erfahren. Die Kraniche, die in den Wiesen landen, wird er nicht halten, daß sie hier im Lande bleiben. Sie ruhn nur eine Nacht in dieser Gegend, die entblättert wird von Winden. Der Himmelsschein, das mondne Licht, hat doch nur sparsam Kraft. Ich sing ein Lied, kurz weckt es sie auf aus ihrem Schlaf, ich höre sie entrüstet schnattern, nur kurz.   © Johannes Kühn, Tholey

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Narbonne Plage (Südfrankreich)

von Tanja Dückers Ockergelb blau grau horizontal Wie ein Rothko nur nicht so religiös Laszives Lecken der Wellen an den Zehen Hügel laizistisch unterm Kopftuch aus Sand Dort vorn in den Wellen ein Paar Verfingert Ein Mann und ein Mann oder eine Frau eine Frau oder ein Mann und eine ich weiß es nicht Menschliches Glück in jedem Fall Narbonne Plage Und Crêpes mit Crème Marron   © Tanja Dückers, Berlin

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Marokkanische Seele

von Norbert Göttler Ein marokkanischer Junge springt vom Eselsgespann. Wir haben ihm mit unserer Kamera seine Seele geraubt. Ein Körper ohne Seele ist ein fauler Madensack, sagt man. Was fängt der Junge ohne Seele an? Er will kein Madensack sein. Er will leben. Er springt von seinem Eselsgespann und schreit. Ein alter Muezzin kommt des Weges und tröstet ihn. Solch kleinen Jungen, sagt er, lässt Allah die Seele nachwachsen Wie Fingernägel.   © Norbert Göttler, Hebertshausen

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