Reisetag

von Ulrich Beck Brennen bis zum Schluss. Es ist Nachwinter geworden. Die kleine Flucht, ein kurzer Flug. Das Gepäck bleibt liegen. Leichter Start, die Flügel tragen. Abschied vom Zählen der Wochentage. Plötzlich auf immer Sonntag. Ein schneller Kaffee unter Bäumen zur Sonne gewandt, die Wärme der Körper nicht mehr gestemmt gegen strenge Böen, Rückenwind ins Blaue: ruhige See. Dieser Tag, ein einziger Morgen, klar: Es dreht sich die Welt. Flügelflattern, noch eine Drehung und es geht zu Boden. Mit dem Aufschlag, leicht geöffnet der Mund, ein leises Gurgeln, schon verschluckt vom Rauschen der Blätter an diesem einzigen Morgen, klar: Das […]

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Bewegte Bilder in Cádiz

von Klára Hůrková Flatternde Wäsche eilende Füße Flügelschlag der Möwe rollende Flut in der Camera Obscura auf dem Torre Tavira – erschreckend leichte Direktübertragung In der Linse des Fotografen erfriert die Bewegung der Tänzer zu einer Schliere aus Schleiern und Uniformen während ihre Umgebung aus schweren Möbeln und Stoffen scharf umrissen bleibt Starr die Materie flüchtig das Menschenleben Deshalb flackern Goyas Figuren auf den Fresken in Santa Cueva wie ewig brennende Fackeln   © Klára Hůrková , Aachen

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White Sands, New Mexico

von Günter Kunert Mitten im verstörenden Glast, im schneeigen Weiß der Wüste, umgeben von völliger Ausgeblichenheit, bis zu den horizontfernen Bergen. Blauer somit als sonstwo der Himmel. Keine Spur mehr vom Großen Experiment. Längst der giftige Rauchpilz verflogen. Mit der Schuhspitze graviere ich meinen Namen in das rieselnde Element. Nach Minuten schon verschwinden die Buchstaben wieder. Auch sollen an diesem Platz Lurche und andres Getier von der gleichen Farbe der Unschuld sein, obwohl gerade hier wir sie weltweit endgültig verloren.   © Günter Kunert, Kaisborstel

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Illustratorin Elisabeth Süß-Schwend

Wir freuen uns sehr, dass Elisabeth Süß-Schwend Illustrationen zu Gedichten beisteuert, die auf DAS GEDICHT blog veröffentlicht werden. Heute möchten wir Ihnen die Bildende Künstlerin vorstellen: Elisabeth Süß-Schwend war Meisterklassenschülerin der Münchner Kunstakademie. Sie unterrichtete viele Jahre das Fach Kunst an einem Gymnasium in München. Ihre Arbeiten waren auf etlichen Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen. 2010 ließ sich Elisabeth Süß-Schwend durch die von Anton G. Leitner edierte Netzanthologie »Ein Tag, ein Gedicht: Hoffnungspoesie« zum 2. Ökumenischen Kirchentag (München) so anregen, dass sie nach der täglichen Hoffnungs-Lektüre zu Papier, Stift und Schere griff, um die einzelnen Gedichte zu illustrieren. Sie überraschte damals den Herausgeber mit ihrem Illustrationsprojekt. […]

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