Über die Natur – von Schönheit bis Erschöpfung, von Bewunderung bis Zerstörungsdiagnose reichen die Verse der neuen Reclam-Anthologie

Das Verhältnis des Menschen zur Natur – es ist eines der traditionsreichsten Dichtungssujets überhaupt. Mit der gerade bei Reclam erschienenen Anthologie »Die Bienen halten die Uhren auf«, herausgegeben von Anton G. Leitner, wird die Gattung der Naturgedichte mit Poemen von über 100 zeitgenössischen Dichterinnen und Dichtern weiter fortgeschrieben, unter ihnen aufstrebende Namen, wie Matthias Kröner, Sandra Blume, David Westphal und Anna Münkel, sowie längst im lyrischen Olymp etablierte, wie Jan Wagner, Günter Kunert, Ilma Rakusa und Helmut Krausser. Der Begriff »Naturgedicht« wird dabei durchaus weiter gefasst: Dem romantischen Blick wird hier auch der kritische gegenübergestellt, neben prachtvoller Natur wird ebenfalls […]

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Gedichte mit Tradition, Folge 182: »die Pest an Bord«

Gedichte mit Tradition

»Gedichte mit Tradition – Neue Blätter am Stammbaum der Poesie«: eine fortlaufende Online-Anthologie, zusammengestellt von Jan-Eike Hornauer   Karsten Paul die Pest an Bord wir hockten zu Haus im Bürostuhl und hatten das Virus im Sinn wir googelten stündlich die Toten und fragten: »wo führt das noch hin?« ahoi alte Zeit alte Sicherheit leb wohl altes Leben leb wohl leb wohl und draußen die Stadt wie erfroren vergessen das laute Buhei nur manchmal huschte verloren ein einzelner Mundschutz vorbei ahoi alte Zeit alte Sicherheit leb wohl alte Freiheit leb wohl leb wohl wir warteten blass auf Symptome ein Hüsteln beunruhigte […]

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Gedichte mit Tradition, Folge 175: »Väterlicher Ratschlag in peinlicher Erinnerung der eigenen Jugend«

Gedichte mit Tradition

»Gedichte mit Tradition – Neue Blätter am Stammbaum der Poesie«: eine fortlaufende Online-Anthologie, zusammengestellt von Jan-Eike Hornauer   Anmerkung des Herausgebers: Hier am besten zuerst das Original lesen (Kasten »Das Original« aufklappen) und dann erst Karsten Pauls Verse, die ebenso als direkte Fortsetzung wie als Kontrapunkt und Transformation in die bürgerlich-rationale Jetzt-Zeit zu verstehen sind.   Karsten Paul 30 Jahre später: Väterlicher Ratschlag in peinlicher Erinnerung der eigenen Jugend Tochter mach’ dein Abitur Und denk an HIV! Dein Leben braucht primär Struktur Und einen Backsteinbau!   © Karsten Paul, Nürnberg     »Gedichte mit Tradition« im Archiv Zu dieser Reihe: […]

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»das Patriarchat, die Lyrik, der Weg aller Dinge usw.« von Karsten Paul

  Karsten Paul (*1970) das Patriarchat, die Lyrik, der Weg aller Dinge usw. sag ich zu Pythia sie soll mal die Fenster putzen ich brauch Klarsicht sagt sie mach das doch selber ist ja schließlich dein Gedicht und fügt eine Weissagung an (immer das Gleiche mit ihr): Ein mächtiger rotköpfiger Herrscher Gekitzelt vom Liebreiz Wird erst stolz sich erheben Erobern alle Hügel Wälder und Höhlen Dann zucken in Krämpfen Und verschrumpeln Zu einem Hängsel na danke dann bleiben die Fenster halt dreckig   © Karsten Paul, Nürnberg    

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»Von herzzerreißend bis herrlich bösartig« – Rückblick: Festlesung DAS GEDICHT 26 im Lyrik Kabinett

von Jan-Eike Hornauer (Text und Bild) München. »Man muss mit mir weiter rechnen können.« Dieser Satz war ganz existentiell gemeint – und mit einem echten Strahlen hervorgebracht. Geäußert hat ihn Anton G. Leitner am vergangenen Donnerstag im Lyrik Kabinett. Dort wurde die Nummer 26 seiner Zeitschrift DAS GEDICHT vorgestellt, die er mit jährlich wechselnden Co-Herausgebern ediert und die er heuer mit Melanie Arzenheimer herausgegeben hat. Nachdem Leitner im vergangenen Jahr erst eine Lungenembolie erlitten hatte, bekam er in diesem Jahr einen Herzinfarkt. Es ist also keine Selbstverständlichkeit, dass er an der Festlesung teilnehmen konnte. Umso mehr freuten sich Leitner und […]

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