Lockdown-Lyrik 152: »polarluft« von Thomas Hald

»Lockdown-Lyrik! Quarantäne querdenken – etwas ernst zu nehmen heißt nicht, sich davon unterkriegen zu lassen« ist eine Online-Sammlung von Gedichten, die sich mit der Corona-Krise befassen. Es darf uns die Sprache nicht verschlagen! In loser Folge erscheinen neue Episoden der von Alex Dreppec, Jan-Eike Hornauer und Fritz Deppert herausgegebenen Anthologie.   Thomas Hald polarluft polare luft – wie blankgeputzt der himmel: dieses klare blau – ein makelloser kuppel-bau, lichtdurchflutet, nicht verschmutzt vom kerosin, von kondensstreifen der jets, die auf ihren routen sonst immer täglich im minuten- takt lautlos vorüberschweifen irgendwohin. und in der nacht hat der eiswind schnee gebracht, darunter […]

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Über die Natur – von Schönheit bis Erschöpfung, von Bewunderung bis Zerstörungsdiagnose reichen die Verse der neuen Reclam-Anthologie

Das Verhältnis des Menschen zur Natur – es ist eines der traditionsreichsten Dichtungssujets überhaupt. Mit der gerade bei Reclam erschienenen Anthologie »Die Bienen halten die Uhren auf«, herausgegeben von Anton G. Leitner, wird die Gattung der Naturgedichte mit Poemen von über 100 zeitgenössischen Dichterinnen und Dichtern weiter fortgeschrieben, unter ihnen aufstrebende Namen, wie Matthias Kröner, Sandra Blume, David Westphal und Anna Münkel, sowie längst im lyrischen Olymp etablierte, wie Jan Wagner, Günter Kunert, Ilma Rakusa und Helmut Krausser. Der Begriff »Naturgedicht« wird dabei durchaus weiter gefasst: Dem romantischen Blick wird hier auch der kritische gegenübergestellt, neben prachtvoller Natur wird ebenfalls […]

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Gedichte mit Tradition, Folge 179: »rimbauds läusesucherinnen«

Gedichte mit Tradition

»Gedichte mit Tradition – Neue Blätter am Stammbaum der Poesie«: eine fortlaufende Online-Anthologie, zusammengestellt von Jan-Eike Hornauer   Thomas Hald rimbauds läusesucherinnen die hände der läusesucherinnen (was rimbaud verschwieg) glitten vom kopf abwärts wie spinnen flink, wider die guten sitten – und der scheue knabe, aufgegeilt, hockte am fenster in der nacht, indessen ihn die schwestern sacht liebkosten – so wurde er geheilt von seiner träume fieber, fühlte ein kribbeln in den lenden, erhitzte sich nur kurz, mondlicht kühlte seine stirn; seines herzens klopfen! als er zitternd ein paar tropfen sperma in die geranien spritzte.   © Thomas Hald, München […]

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Eingestreute Gedichte: lesung

  Thomas Hald lesung versammelt sind die autoren im lyrik kabinett, auserkoren für den vortrag der gedichte zu ihrer wendepunkt-geschichte. doch hinter mir – die brünette grazie, getrennt durch eine reihe stühle: der würde ich sonette schreiben! ob ich´s mir verzeihe, sie nicht anzusprechen, sie nicht zu preisen in meinem gedicht? so jung und schlank, ihr haar fällt lockig, und mir wird klar: ich will diese rotweinflecken von ihren lippen lecken!   © Thomas Hald, München; entstanden: 15.03.2019  

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Eingestreute Gedichte: an einen hund

  Thomas Hald an einen hund für Anton in gedenken an seine Nelly wie oft waren es die tage der freude: du – im verbund mit ihm, sein treuer hund – hieltst zu ihm ohne frage, hast ihn verwundert, erheitert, ins reich der düfte eingeführt und seinen horizont erweitert, so viel verstecktes aufgespürt, hast ihn – an deiner leine – die wege entlanggezogen, ja, du machtest ihm beine! und bist vor ihm ergraut … du hast ihn nie belogen, ihm immer blind vertraut.   © Thomas Hald, München  

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