Versheimat – Folge 12: »Ode auf Wien«

Die begleitende Netz-Anthologie zu DAS GEDICHT 24,
zusammengestellt und ediert von Fitzgerald Kusz und Anton G. Leitner

 

Franzobel

Ode auf Wien

Wien, meine Lieben, hat etwas Kurioses.
Schon dass es einzig ist, unwiederholbar,
macht so schnell ihm keiner nach.
Wien, meine Lieben, hat etwas Furioses,
leicht perverses, weil es so x-beliebig kommt.
So krummbeinig. So rundherum daher.
Es schmeckt nach Punschkrapfen und Sacherwürstl,
nach lauen Lüftchen, Huschhuschhusch,
nach Jetzt-will-ich-nicht-alleine-sein.
Kalt ist es wie Leberkäse, ausgeraucht,
und warm wie Spucke da im Mund.
Es grinst, wenn es die Gänsehäute
die Rücken runterlaufen sieht, und weint,
wenn man ihm ungerührt entgegentritt.
Wien, es bringt nichts, nimmt nichts mit,
ist einfach da, macht sichs bequem.
Wien, meine Lieben, ist etwas Kurioses.
Schon daß es einzig ist, unwiederholbar,
macht so schnell ihm keiner nach.
 

© Franzobel (d.i. Stefan Griebl), geboren 1967, lebt in Wien (Österreich).

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