Vom Leder gezogen – zur EM 2016 in Frankreich, Folge 06: »Wäi dä Club«

Die Lyriker-Mannschaft von DAS GEDICHT blog mit Kapitän Jan-Eike Hornauer kommentiert die Fußball-EM unterm Eiffelturm

 

Matthias Kröner

Wäi dä Club
(odder: Ä alder Moo vur seim Fernseher bamm Schbyll vo di Engländer gecher di Russn)

Wos dä Club in dä Liecha is,
seid ihr ba di groußn Duniere.

Fuchzg Joahr gäih i edz scho zum Bfalznerweiher.
In däi fuchzg Joahr
sinn mir nainmol abgschdiehng,
aamol sugoar in di Dridde Liecha.
Doo hosd dann mied dä VGN zu di Auswärdsschbyll foahrn könner.
Än Meisderdiddl hammer ghuld,
än DFB-Bokal,
jeeds Mol is danooch widder nunderganger.
Kurz vurm Millenium hodds uns derwischd,
obwohls eihngli goar ned möchlich woar,
dass uns derwischd.
Mir hamm des drodzdem gschaffd.
Seiddem sinn mir ä Debb.
Mir louher uns aa gern amol in dä ledzn Minuddn
ans neilehng,
ä Gaggerla, ä Phandomdor, irchendwos.
Des schdärkd di Frusdradzionsdoleranz.

Wer fuchzg Joahr lang für England gfieberd hodd,
wass allerdings aa, wos Leidn hassd.
In der Zeid seid ihr ofd scho im Vurfeld gscheiderd,
an dä Quali,
hobbd kann Diddl gwunner,
seid aamol Dridder worn,
hobbd sechsmol nooch äm Elfmederschäißn di Zelde abbrochn ‒
und aich widder amol um di Ärberd brachd:
haid Ohmd, nooch am Kubfball.

Des kenn i goud.
Iich wass, wäi si des oofühld.
Iich leid mied aich mied.
Iich derlebbs jeede Säsong.

Obber, ganz ehrlich,
deederd iich deswehng di Bayern oofeuern?
Nie im Lehm.
Deederd ihr deswehng für di Daidschn fiebern?
Aa ned.

Also bassd eihngli alles.
Odder?

 
© Matthias Kröner, Lübeck

(Zum Spiel England – Russland, Endstand 1:1. Noch nie hat England ein EM-Auftaktspiel gewonnen ‒ fast wäre hier also gestern Geschichte geschrieben worden, doch dann sorgte Vasili Berezutski in der zweiten Minute der Nachspielzeit mit einem Kopfballtor für den russischen Ausgleichstreffer. VGN = Verkehrsverbund Großraum Nürnberg)

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Die EM 2016 lyrisch zu kommentieren, und dies schnell und in doppeltem Sinne fachkundig (mit poetischem und fußballerischem Verstand), mit Witz und Eifer, voll Leidenschaft und auch mal mit distanziertem Blick, dies hat sich das Lyriker-Team um Kapitän Jan-Eike Hornauer zum Ziel gesetzt. Es besteht aus: Michael Hüttenberger, Hellmuth Opitz, Michael Augustin, Alex Dreppec und Matthias Kröner. Und damit durchgängig aus bewährten poetischen Fußball-Kommentatoren: Sie alle waren bereits in der Lyriker-Elf von DAS GEDICHT blog dabei, die vor zwei Jahren den Weg der deutschen Nationalmannschaft zum vierten Stern auf dem Versfuß begleitet hat, spielerisch, euphorisch, kritisch – und mit einer Mannschaftsstimmung, wie man sie sich besser nicht wünschen kann. Und sie alle haben sich blitzschnell dazu bereit erklärt, auch heuer wieder ihre Kugelschreiber rollen zu lassen bzw. am Laptop ihre Silben knallhart in die Ecken der weißen Blätter zu hämmern. Kein Zögern gab es und keine Absage. Der Teamgeist von 2014 ist immer noch da – bei uns und gewiss auch bei den Jungs aus der DFB-Elf. Mögen dort auch einige Spieler durch neue ersetzt worden sein, und mag unser Team zum »kleinen« Turnier auch mit kleinerer Besetzung auflaufen.

Alle bereits geposteten Folgen von »Vom Leder gezogen – zur EM 2016 in Frankreich« finden Sie hier. Und selbstverständlich können Sie auch nach wie vor den kompletten Weg zum vierten WM-Titel poetisch nachvollziehen, und zwar hier: »Vom Leder gezogen – zur Fußball-WM 2014 in Brasilien«.

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