Vom Leder gezogen – zur EM 2016 in Frankreich, Folge 57: »Siechbrämie«

Die Lyriker-Mannschaft von DAS GEDICHT blog mit Kapitän Jan-Eike Hornauer kommentiert die Fußball-EM unterm Eiffelturm

 

Matthias Kröner

Siechbrämie

Zwaadausendsechs,
wissns nu,
domools hammer verlurn im Halbfinale –
geecher Idalien.
Dä Aanziche, der domools gwunner hodd,
woar mei Doggder: fümbferzwanzg Herzinfarkd in ned amol ganz drei Schdund.
Vo di Nood-Obees
hodder si dann ä Wochnendhaus in dä Doscana kaffd.
Seideem wollder,
dass widder geecherernander schbylln:
Daidschland geecher Idalien.
Blouß däi zwaa,
in ämm groußn Durnier,
am libbsdn in ämm K.o.-Schbyll.
Zwaadausndzwölf sinns dann werkli widder afferernander droffm.
Danooch woar ä Swimmingbool in demm Häusla drin.
Seid Mondooch
denk dä über ä Gschduud für sein Landsidz nooch.
Des wass i,
wall i fürs Halbfinale morhng Ohmd
maane Drobfm brauch.
Wäi iich neikumm zu demm in di Braxis,
schdäihd der aaf, gibbd mä di Händ
und sachd:
»Schood, dass dä Hecdor droffm hodd!«
Sunsd hädder si äs nächsde Mool nu ä Weinguud kaffd –
in dä Doscana,
neber seim Ferienhaus
mibm Bool
und di Bferdlä.
Doo hädder sein eihchner Roodwein hergschdelld.
»Angsdgeechner« häddern gnannd. Odder: »Siechbrämie«.

 
© Matthias Kröner, Lübeck

+ Zum Autor

 

Die EM 2016 lyrisch zu kommentieren, und dies schnell und in doppeltem Sinne fachkundig (mit poetischem und fußballerischem Verstand), mit Witz und Eifer, voll Leidenschaft und auch mal mit distanziertem Blick, dies hat sich das Lyriker-Team um Kapitän Jan-Eike Hornauer zum Ziel gesetzt. Es besteht aus: Michael Hüttenberger, Hellmuth Opitz, Michael Augustin, Alex Dreppec und Matthias Kröner. Und damit durchgängig aus bewährten poetischen Fußball-Kommentatoren: Sie alle waren bereits in der Lyriker-Elf von DAS GEDICHT blog dabei, die vor zwei Jahren den Weg der deutschen Nationalmannschaft zum vierten Stern auf dem Versfuß begleitet hat, spielerisch, euphorisch, kritisch – und mit einer Mannschaftsstimmung, wie man sie sich besser nicht wünschen kann. Und sie alle haben sich blitzschnell dazu bereit erklärt, auch heuer wieder ihre Kugelschreiber rollen zu lassen bzw. am Laptop ihre Silben knallhart in die Ecken der weißen Blätter zu hämmern. Kein Zögern gab es und keine Absage. Der Teamgeist von 2014 ist immer noch da – bei uns und gewiss auch bei den Jungs aus der DFB-Elf. Mögen dort auch einige Spieler durch neue ersetzt worden sein, und mag unser Team zum »kleinen« Turnier auch mit kleinerer Besetzung auflaufen.

Alle bereits geposteten Folgen von »Vom Leder gezogen – zur EM 2016 in Frankreich« finden Sie hier. Und selbstverständlich können Sie auch nach wie vor den kompletten Weg zum vierten WM-Titel poetisch nachvollziehen, und zwar hier: »Vom Leder gezogen – zur Fußball-WM 2014 in Brasilien«.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.