Vom Leder gezogen – zur WM 2014 in Brasilien, Einwurf 05: »Fouls ganz poetisch«

Die Lyriker-Elf von dasgedichtblog unter Leitung von Jan-Eike Hornauer kommentiert die Fußball-WM am Zuckerhut – und freut sich auch über Einwürfe von außen. Einwurf 05:

 

Georg Maria Roers SJ

Fouls ganz poetisch

Mit vier gelben Karten kannst du
ein Weizenfeld malen à la van Gogh

du kannst aber nicht den Gegner umnieten
wie in einer Favela in Rio de Janeiro

mit sechs gelben Karten kannst du einen
Sonnenstrahl zwischen blaue Streifen malen

das große Geld kannst du damit nicht machen
wie mit ein paar Tulpen in einer Großmarkthalle

mit neun Karten kannst du einen holländischen
Bungalow bauen an der Nordsee im Sommer

aber Ebbe und Flut werden ihn wieder abreißen
du wirst deine Frau ins Landesinnere geleiten

mit elf Karten kannst du an die Börse gehen
vielleicht bezahlst du die Schulden des Nachbarn

oder du bezahlst für die 107 Fouls an allen Gegnern
die selbst die Blumenhändler nicht toppen konnten

 
© Georg Maria Roers SJ, Berlin

 
Aus der Statistik (vor kleinem und großem Finale):
Deutschland: 4 gelbe Karten / 71 Fouls
Argentinien: 6 gelbe Karten/ 64 Fouls
Niederlande: 9 gelbe Karten / 106 Fouls
Brasilien: 11 gelbe Karten / 107 Fouls

+ Zum Autor

 

Die WM 2014 in Brasilien ausführlich zu kommentieren, und zwar meinungsstark und ästhetisch anspruchsvoll, substantiell und schnell, mit klarem Fokus auf die Spiele selbst (und unter ihnen freilich besonders die mit deutscher Beteiligung), doch auch Randaspekte und Abwegigkeiten nicht missachtend – das ist das Ziel der Dichtermannschaft von dasgedichtblog um Kapitän Jan-Eike Hornauer, bestehend aus: Michael Hüttenberger, Alex Dreppec, Anton G. Leitner, Hellmuth Opitz, Michael Augustin, Paul-Henri Campbell, Michael Sailer, Franziska Röchter, Melanie Arzenheimer und Matthias Kröner. Alle bereits im Blog geposteten Folgen von »Vom Leder gezogen – zur WM 2014 in Brasilien« finden Sie hier.

Ein Kommentar

  • Schlusspfiff

    Der letzte Pfiff, die Welt geht unter
    nur welche wird es sein
    Deutschland oder Argentinien
    wer fährt als Verlierer heim
    wer weint Tränen tiefster Trauer
    weil er doch so nah am Ziel
    plötzlich und auch unerwartet
    wieder ganz nach unten fiel
    Der zweite Platz, wie undankbar
    wird ganz schnell vergessen
    es gibt nur ein paar Fotos
    vielleicht ein Abschiedsessen
    Schulterklopfen, Klapps am Po
    und ein letzter Trikottausch
    vorbei ist aller Jubel
    vorbei der große Rausch
    In vier Jahren dann in Russland
    auf ein Neues heißt es dann
    weil man da mal wieder
    Weltmeister werden kann

    © 2014 Der Liederpoet

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.