Gedichte für Kinder – Folge 13: Sieben unveröffentlichte Kindergedichte und zwei Audio-Gedichte von Renate Buddensiek

Uwe-Michael Gutzschhahn präsentiert jeweils am 10. eines Monats auf DAS GEDICHT blog faszinierende Kindergedicht-Autoren mit ihren vielfältigen Spielarten der Kinderpoesie. Denn das Kindergedicht soll lebendig bleiben – damit aus jungen Gedichtlesern neugierige Erwachsene werden, die sich an die Klänge und Bilder der Poesie erinnern, statt an die Last der didaktischen Lyrikinterpretation.

 

Hundert Purzelbäume

Mein Herz schlägt
einen Purzelbaum,
sobald ich an dich denke.
Es fliegt zu dir
in meinem Traum,
damit ich es dir schenke.

Spaziert es auch
durch deine Träume,
schlägt’s über
hundert Purzelbäume.
 

Das unachtsame Känguru

Ein unachtsames Känguru
verlor beim Spielen einst sein U.
Das war nicht schlimm, es lachte nur
und nannte sich fortan Kängur.
Da lief ein wilder Hund daher,
der schnappte ihm das U und R.

So wurde Kängur nun zum Käng.
Ein Jäger schoss, es machte peng!
Das Käng sprang ohne N und G
und hieß nun kurz und knapp das Kä.
Ein Taschendieb kam ihm zu nah,
und stahl ihm auch noch Ä und K.

Das arme Tier wurd namenlos
und fühlte sich sehr nackt und bloß.
Zwei Schüler brachten ihm zum Glück
das K, das Ä und N zurück
und bald darauf G, U, R, U.
Wie freute sich das KÄNGURU!
 

Auf nach Kap Horn!

Du bist gerüstet, ich hab den Dorn,
sagte die Rose zum Rittersporn.
Komm, lass uns wandern gehen,
statt hier herumzustehen!

Der Hahnenfuß hat alles gehört
und hat sich, von der Rose betört,
noch in derselben Nacht
gleich auf den Weg gemacht.

Sein Ziel war Kap Horn,
doch Rose und Rittersporn,
die wollten noch warten.
Sie stehen noch heute im Garten.
 

Ausflug der Wale

Mit den Wolken, ungelogen,
kamen Wale angeflogen,
und sie ruderten entschlossen
statt mit Flügeln mit den Flossen.

Weil sie nicht gern einsam waren,
zogen sie in großen Scharen.
Ihre breiten Mäuler fraßen
Vögel, die auf Bäumen saßen.

Als die Wale sich mal kratzten,
kam es, dass die Wolken platzten.
So geschah’s, dass sie beim Spielen
plumps! aus allen Wolken fielen.

Als sie dann ins Wasser tauchten,
wo sie nur zu schwimmen brauchten,
freuten sich die Wale sehr:
schöner war es doch im Meer!
 

Der aufgeblasene Frosch

Es denkt ein Frosch an einem Teich:
hier ist er Herr in seinem Reich.

Die Fische, die davon nichts ahnen,
die nennt er seine Untertanen.

Er bläst sich auf und quakt ganz laut,
im Teich hat keiner zugeschaut.

Die Fische schwimmen stumm vorbei.
Was soll die ganze Quakerei?
 

Verfangene Schlangen

Es hatten sich drei Schlangen
von Kopf bis Schwanz verfangen.
Sie schlängelten,
sie drängelten
sich munter
kopfüber, kopfunter,
übereinander
untereinander,
rechts herum
und links herum.

Sie kringelten,
umzingelten,
umringelten
sich kreuz und quer,
und immer mehr
zu einem festen Knoten.
Diese Idioten!
 

Einhornochs und Schlappohrwurm

Einhornochs und Schlappohrwurm
stiegen auf den Glockenturm.
Plötzlich kam ein Wirbelsturm.
Zitternd sah der Schlappohrwurm:
Einhornochs fiel fast herab.
Schlappohrwurm rief: Das war knapp!
 

Ausflug der Wale

 

Der kleine Clown Confetti

 

© Renate Buddensiek

Renate Buddensiek wurde in Essen geboren und wohnt heute in Ratingen bei Düsseldorf. Sie lebte über acht Jahre in Großbritannien, ist gelernte Übersetzerin und unterrichtete Deutsch für Ausländer. Seit vielen Jahren schreibt und veröffentlicht sie Lyrik und Prosa sowohl für Erwachsene als auch für Kinder. Ihr bislang einziger Gedichtband mit dem Titel »Im Blickwinkel« und ihre gereimten Kinderbücher »Was ist los im A, B, C« und »Das fröhliche Zahlenbuch« sind leider alle vergriffen. Für ihre Kindergedichte sucht sie noch einen Verlag.

Uwe-Michael Gutzschhahn. Foto: Volker Derlath

Uwe-Michael Gutzschhahn. Foto: Volker Derlath

Uwe-Michael Gutzschhahn, Jg. 1952, lebt in München und hat an der Universität Bochum über den Lyriker Christoph Meckel promoviert. Seit 1978 hat er zahlreiche eigene Gedichtbände veröffentlicht, u. a. »Fahrradklingel« (1979), »Das Leichtsein verlieren« (1982) und »Der Alltag des Fortschritts« (1996). Zwischen 1988 und 1991 gab er die 12-bändige Kinder-Taschenbuchreihe »RTB Gedichte« mit Texten u. a. von Ernst Jandl, Oskar Pastior, Friederike Mayröcker und Sarah Kirsch heraus. 2003 folgte die Anthologie »Ich liebe dich wie Apfelmus«, die er mit Amelie Fried zusammenstellte und die gerade in einer Neuausgabe wiederaufgelegt wurde. Sein erster eigener Kindergedichtband folgte 2012 unter dem Titel »Unsinn lässt grüßen«. Und im Herbst 2015 erschien seine große Nonsenslyrik-Anthologie »Ununterbrochen schwimmt im Meer der Hinundhering hin und her.«

Alle bereits erschienenen Folgen von »Gedichte für Kinder« finden Sie hier.

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