Gedichte mit Tradition, Folge 83: »Vereinsamt«

»Gedichte mit Tradition – Neue Blätter am Stammbaum der Poesie«: eine fortlaufende Online-Anthologie, zusammengestellt von Jan-Eike Hornauer

 

Michael Hüttenberger

Vereinsamt

Ich steh, allein.
Noch hab den Vorsitz ich nicht satt.
Ich sei ein Schwein.
Weh dem, der ein Vereinsamt hat?

Ich stehe starr,
Schau unter mich. Wie lange noch?
Bin doch kein Narr!
Wenn ich mich umschau – eher doch?

Ich bin ganz Ohr.
Okay, verdammt, dann tret ich halt
zurück. Was vor-
zumachen braucht mir niemand. Kalt

ist mir. Wird gleich,
Mir die Entlastung noch versagt?
Ich werde bleich.
Dass der zu kandidieren wagt!?

Der neue Star?
Gewählt, gezählt, man munkelts schon:
Einstimmig, harrr.
Kein blutend Herz, nur Hohn zum Lohn!

Ach, datt ist fein,
sagt meine Frau zu Haus: Ach, watt,
Du sollt’st Dich freun. –
Wohl dem, der kein Vereinsamt hat.
 

© Michael Hüttenberger, Darmstadt / Stedesdorf
 

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Gedichte mit Tradition»Gedichte mit Tradition« im Archiv

Zu dieser Reihe: »Gedichte mit Tradition – Neue Blätter am Stammbaum der Poesie« ist eine Online-Sammlung zeitgenössischer Poeme, die zentral auf ein bedeutendes Werk referieren, ob nun ernsthaft oder humoristisch, sich verbeugend oder kritisch. Jeden Freitag erscheint eine neue Folge der von Jan-Eike Hornauer herausgegebenen Open-End-Anthologie. Alle bereits geposteten Folgen finden Sie hier.

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