Das knifflige Poesiepuzzle, Folge 5: Unfug

Achim Raven veröffentlicht in loser Folge am 13. eines Monats Überlegungen zu Möglichkeiten und Unmöglichkeiten des Gedichteschreibens. Im ersten Beitrag geht es um den Vers, der weder Zeile noch Satz ist und in der Ambivalenz seiner Möglichkeiten höchsten Scharfsinn oder aber bodenlose Dumpfheit befördern kann.   Unfug Gedichte sind Unfug. Unfug ist zum einen die Weigerung, sich zu fügen, zum anderen mutwilliges Handeln ohne Vor- und Rücksicht. Gern wird dem Unfug immer noch das Attribut grob verpasst, damit ist die Belästigung der Allgemeinheit gemeint, nach deutschem Recht eine Handlung, die geeignet ist, den äußeren Bestand der öffentlichen Ordnung unmittelbar zu […]

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Im babylonischen Süden der Lyrik – FOLGE 59: »›OBSERVACIONES – BEOBACHTUNGEN‹ VON JOSÉ EMILIO PACHECO (MEXIKO)«

Im babylonischen Süden der Lyrik

Tobias Burghardt flaniert jeweils am 5. eines Monats auf DAS GEDICHT blog durch die südlichen Gefilde der Weltpoesie. In der Rubrik »Im babylonischen Süden der Lyrik« werden Sprachgemarkungen überschritten und aktuelle Räume der poetischen Peripherien, die innovative Mittelpunkte bilden, vorgestellt.   Gestern pflückte ich Kirschen bei Lal, meinem sri-lankischen Freund in der Nachbarschaft, dessen Muttersprache Singhalesisch ist. Ich musste schon über eine Woche vorher an ihn denken, als ich einem südindischen Dichter, der auf Tamil schreibt, das in seinem Geburtsland Sri Lanka auch gesprochen wird, bei einer Online-Lesung via Livestream zum Sonnenstillstand zuhörte. Am Tag zuvor war der 81. Geburtstag […]

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LYRIK-REVUE FOLGE 22: Die Wortzeichen lösen sich von den Konventionen. Flottieren frei.

Auszeichnungen, Institutionen, Konferenzen, Lesungen, Poesie im Feuilleton und Lyrik-Neuerscheinungen: Nicola Bardola kommentiert und präsentiert am 20. eines Monats Bemerkenswertes aus der Welt der Verse.   Barbara Walder öffnet Perspektiven, bewegt sich rasch nach oben und nach unten und seitwärts, trennt sich vom Ich und blickt mit Abstand auf das Eigene. „Sie hat große Füße für ihre Größe.“ Walder entwirft ungewöhnliche Bilder mit wenigen Worten, die einen / ihren Körper in Beziehung zu Landschaften mit Krähen, in Beziehung zu Wüsten stellen. „Fest stehen die Füße. Sie wurzeln nicht“, schreibt Walder im Prolog. Der Ton ist bedrohlich-düster, schwarz der Himmel, das Eigene, […]

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Im babylonischen Süden der Lyrik – FOLGE 58: »ALLEGRO AM NACHMITTAG«

Im babylonischen Süden der Lyrik

Tobias Burghardt flaniert jeweils am 5. eines Monats auf DAS GEDICHT blog durch die südlichen Gefilde der Weltpoesie. In der Rubrik »Im babylonischen Süden der Lyrik« werden Sprachgemarkungen überschritten und aktuelle Räume der poetischen Peripherien, die innovative Mittelpunkte bilden, vorgestellt.     Tobias Burghardt Allegro am Nachmittag Unser Wagen war früher ein Flügel, eher innere Räume – seine Strecken, gespiegelt in Landschaften aus Zeit. Bartók Béla, zum Beispiel: »Allegro« (flinke Übung für die leichte Hand) – im Galopp durch Wildtulpenfelder, in glühender Farbe, freirhythmisch – laleh-rot wie der Turban: dulband & tülbent, tulipa: Hej tulipán, tulipán. ||: Tralalala tulipán, tralalala […]

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Augustins Fundsachen, Folge 4: »Die hellen Nächte« (Barthold Fles Verlag, New York 1942) von Hans Sahl

Wo auch immer der Weltreisende in Sachen Poesie“ sich gerade wieder herumtreiben mag: wenn Michael Augustin ein Buchantiquariat erspäht, dann kommt er daran nicht vorbei, ohne wenigstens in haikuhafter Kürze (aber viel lieber in balladenhafter Länge) die dort erhofften mit Lyrik gefüllten Regalmeter auf Überraschendes und Wohlfeiles zu inspizieren. Vom Glück des Findens handelt seine Kolumne, in der er seine liebsten lyrischen Trouvaillen aus Läden und Bücherschuppen, von Flohmarkttischen und Straßenrändern in loser Folge am 3. eines Monats vorstellt.   Ein Antiquariat ist es eigentlich gar nicht, eher ein Fachhandel für Krimskrams, gefüllt bis unter die Decke mit Ausrangiertem aller […]

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