Neugelesen – Folge 18: Mohammed Schemsed-Din Hafis »Der Diwan«

Literatur ist vergänglich, trotz ihrer Materialität. Denn allmählich entschwinden Bücher in Archivbibliotheken und verlassen unseren Erfahrungshorizont. David Westphal möchte in Nachfolge an die Kolumne »Wiedergelesen« dagegen anschreiben. Er stellt an jedem 15. des Monats Vergessenes und Neugelesenes in seiner Rubrik »Neugelesen« vor (in memoriam Erich Jooß, † 2017).   Mohammed Schemsed-Din Hafis ist für mich eine Neuentdeckung und bisher die Älteste in dieser Reihe. Sein Ehrenname Hafis zeigt an, dass er den Koran auswendig aufsagen konnte; und dies schon seit Kindertagen. Echte Hingabe zum Wort und leidenschaftliche Arbeit daran brachten ihn zu einigem Ruhm. So wurde er ungefähr in der […]

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Eingestreute Kritik: Timo Brandts aktueller Gedichtband »Ab hier nur Schriften«

Kenner und Könner Rezension von Hellmuth Opitz Laut wissenschaftlichen Untersuchungen werden in etwas mehr als fünf Jahren mehr als 75 Prozent aller über soziale Medien geteilten Meldungen und News aus Bewegtbildern bestehen. Statische Bilder, vor allem aber Textnachrichten werden deutlich zurückgehen. Insofern ist der Titel von Timo Brandts zweitem Gedichtband »Ab hier nur Schriften« ein erfrischendes Kontra- oder Retro-Statement, in dem die unbedingte Leidenschaft des Autors zur Sprache, zum geschriebenen Wort spürbar wird, der Glaube ans Gedicht, das im Zweifelsfall immer noch mehr bewegende Bilder bereithält als jedes Bewegtbild. Der Titel ist aber noch aus einem anderen Grund bemerkenswert, dazu […]

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Debüt-Band »zum Tee ein Kataströpfchen« von Guido Luft: dem normalen Leben mit Witz und Lakonie facettenreiche Verse abgewonnen

Eindrückliche und leicht zugängliche Bilder sowie eine klare, pointierte Sprache prägen »zum Tee ein Kataströpfchen«, den Debüt-Band von Guido Luft, der soeben in der Reihe »Poesie 21« erschienen ist. Stimmungen des Alltags, des normalen Lebens greift der Lyriker in seinen Versen auf und fertigt aus ihnen Momentaufnahmen, die von Ästhetik, Witz und Lakonie zeugen. Enttäuschungen und Glücksmomente, Unbeschwertheit und Verlorenheit sind hier enge Nachbarn. Mit wenigen Pinselstrichen zeichnet Guido Luft magische Stimmungen, wenn es beispielsweise heißt: »Draußen aalt sich / die Sonne im Kaffeeduft«. An anderer Stelle zeigen sich seine Verse ganz jetztzeitig, und es wird auch nicht eindeutig behaglich, […]

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Neugelesen – Folge 17: Yoko Tawada »Ein Balkonplatz für flüchtige Abende«

Literatur ist vergänglich, trotz ihrer Materialität. Denn allmählich entschwinden Bücher in Archivbibliotheken und verlassen unseren Erfahrungshorizont. David Westphal möchte in Nachfolge an die Kolumne »Wiedergelesen« dagegen anschreiben. Er stellt an jedem 15. des Monats Vergessenes und Neugelesenes in seiner Rubrik »Neugelesen« vor (in memoriam Erich Jooß, † 2017).   Sage und schreibe bis zur 13. Klasse dachte ich doch wahrhaftig, es gäbe ein Rückrad. Ich stellte mir vor, wie so ein Rückrad wohl aussehen mochte: Vielleicht war es ein Rad, das man auf dem Rücken trug, lange vor meiner Zeit, bis es durch einen Rucksack ersetzt wurde; wie eine Kraxe. […]

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Jubiläums-Band der Reihe »Poesie 21«: Das Debüt »zwischen den beats« von Till Rodheudt ist Band 100 der etablierten Gedicht-Reihe

Unverwechselbar im Sound, ausgreifend in der Thematik, bild- und sprachprägnant: Nicht zufällig hat Till Rodheudts Erstlingswerk den Jubiläums-Platz der Reihe erhalten. Nach dem ganz Großen greift der Lyriker Till Rodheudt: Es geht ihm in seinem Debütband »zwischen den beats« um die Verortung des menschlichen Ichs in der Unendlichkeit der Zeit und des Kosmos. Dabei zeigt er sich ebenso traditionsbewusst wie auf der Höhe der Gegenwart: Naturwissenschaftlich-technische Aspekte der Moderne prallen hier auf antike Mythologie und mittelalterliche Motive. Rodheudt greift in seinen Versen bis hinab in die tiefsten Tiefseegräben unseres Planeten und hinauf zum Bergmassiv der Maxwell Montes auf der Venus. […]

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