Eingestreute Kritik: Timo Brandts aktueller Gedichtband »Ab hier nur Schriften«

Kenner und Könner Rezension von Hellmuth Opitz Laut wissenschaftlichen Untersuchungen werden in etwas mehr als fünf Jahren mehr als 75 Prozent aller über soziale Medien geteilten Meldungen und News aus Bewegtbildern bestehen. Statische Bilder, vor allem aber Textnachrichten werden deutlich zurückgehen. Insofern ist der Titel von Timo Brandts zweitem Gedichtband »Ab hier nur Schriften« ein erfrischendes Kontra- oder Retro-Statement, in dem die unbedingte Leidenschaft des Autors zur Sprache, zum geschriebenen Wort spürbar wird, der Glaube ans Gedicht, das im Zweifelsfall immer noch mehr bewegende Bilder bereithält als jedes Bewegtbild. Der Titel ist aber noch aus einem anderen Grund bemerkenswert, dazu […]

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Eingestreute Kritik: „Der Wille ist ein weithin überschätzter Körperteil“ – der aktuelle Gedichtband von Frank Schmitter

Von Körpern und Kathedralen   Vor Jahren fiel mir ein Exemplar von Frank Schmitters Gedichtband „Die markisen rollen den nachmittag aus“ in die Hände und war für mich eine Fundgrube wunderbarer Liebesgedichte mit Sätzen, die für mich auch heute noch Bestand haben. „Wir haben lange reden müssen um/ so schweigen zu können“ ist so ein Satz, der mich immer noch begleitet. Sehr eindrücklich. Zwischenzeitlich trafen wir uns anlässlich des Lyrikpreises von München einmal persönlich und fanden uns beide in der Halbfinalausscheidung unter „ferner lasen“ wieder, wobei uns die Jury, „eine schar promovierter spechte“ (Schmitter) zwischen den Zeilen doch einen eher […]

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Eingestreute Kritik: Matthias Kehles Gedichtband »Ausgelassene Schweigeminute«

Feine poetische Widerhaken   Wenn man Rezensionen zu den Gedichtbänden von Matthias Kehle liest, so stößt man innerhalb der zumeist positiven Besprechungen auf einen eigenartigen Argumentationsstrang. Allenthalben wird der karge, lakonische Stil von Kehle gelobt, die scheinbar spröde Wahrnehmung, das oft scheinbar abgebrochene, wie ein sprachlicher Reststumpen stehengelassene Ende der Gedichte, das den LeserInnen viel Spielraum für eigene Assoziationen lasse. Im Deutschlandradio hieß es gar: „In den Gedichten selbst sind es gerade die Lücken und Leerstellen, die produktiv werden.“ Es scheint also das Unausgesprochene zu sein, was bei den Rezensenten Wirkung hinterlässt. Man kann bisweilen den Eindruck gewinnen, Matthias Kehle […]

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Eingestreute Kritik: Der grandiose Gedichtband »Fossile Infanten« von Barbara Maria Kloos

Fein wie ein Messerschnitt   Als ich Anfang der 1990er Jahre das erste Mal nach New York reiste und in Manhattan an der Grand Central Station ausstieg, war ich angesichts der hohen Häuser und Sehenswürdigkeiten so fasziniert wie frustriert. Ich dachte, diese Stadt packst du nicht, die hat soviel zu bieten, der kannst du nicht einfach gerecht werden. Und so ging es mir auch, als ich das erste Mal den Gedichtband „Fossile Infanten“ von Barbara Maria Kloos in den Händen hielt. Es ist ein opulenter Gedichtband, und damit ist nicht nur der Umfang von mehr als 200 Seiten gemeint, sondern […]

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Eingestreute Kritik: Anton G. Leitner »Selected Poems 1981–2015«

Writing in a Brave New World   Anton G. Leitner (born 1961) has dedicated his life to poetry. Today, he is a widely known and renowned author, reciter and publisher in German-speaking countries. So far, he has published eleven collections of his poems. He is editor in chief of Das Gedicht, one of the main magazines for contemporary German poetry, which celebrated its 25th anniversary in 2017. Leitner is the recipient of numerous awards and accolades including the Tassilo Award for developing culture from Süddeutsche Zeitung (2016). Leitner’s collections of poems have been acclaimed to be “among the best of […]

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