Eingestreute Kritik: Entdeckung & Erkenntnis / Ludwig Steinherrs neuer Gedichtband „Die weißen Freuden des Yeti“

  Ludwig Steinherrs neuer Gedichtband „Die weißen Freuden des Yeti“ Beginnen wir mit einem Statement, in dem auch ein veritabler Funke Neid steckt: So produktiv wie Ludwig Steinherr wäre ich auch gern. 22 Gedichtbände hat er bisher veröffentlicht, davon sieben oder acht allein in den letzten zehn Jahren. Gehässige Naturen würden jetzt sagen: ‚Na, wer in so kurzer Zeit so viele Gedichtbände hervorkarnickelt, bei dem kann doch was nicht stimmen – Masse statt Klasse?’ Doch nein, falscher kann man bei Ludwig Steinherr nicht liegen. Der Münchener Poet und promovierte Philosoph beweist ein ums andere Mal eine bemerkenswerte Kontinuität, was die […]

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Eingestreute Kritik: Verse vom Meister der Reduktion auf Deutsch und Ukrainisch – Volker Maaßen legt mit »Zanshin« zweisprachigen Gedichtband vor

von Sabine Zaplin Volker Maaßen ist ein Meister der Reduktion: seine pointierten, klaren Gedichte in der von ihm bevorzugten kurzen Form besitzen genau das richtige Ma(a)ß an Leichtigkeit bei gleichzeitiger Größe. Gerade diese Balance zwischen dem scheinbar Banalen und dem Tiefen gelingt ihm mit fast traumwandlerischer Sicherheit. Immer wieder richtet Maaßen den Blick auf das Detail, um von dort unmittelbar auf die großen Themen des Lebens zu kommen, auf den großen Verlust beispielsweise. »ein tropfen / fällt vom blatt // ein leises // nachwinken / des zweiges // träume fallen / ohne abschied«, heißt es etwa in dem titelgebenden Gedicht […]

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Eingestreute Kritik: Monika Littau (hrsg.) »bis die Smartie-Ampel auf Grün springt – postpoetry-NRW. Gedichte für den Unterricht«

  Monika Littau (hrsg.): bis die Smartie-Ampel auf Grün springt. postpoetry-NRW. Gedichte für den Unterricht Kanon, der: Liste mustergültiger Autoren, Werke. Bildungssprachlich. Laut Duden. Abgesehen vom Kultusministerium, von SchülerInnen, LehrerInnen und HochschülerInnen gibt es nicht so viele Menschen, die sich über Kanones Gedanken machen. Die Wortherkunft spricht für sich schon Bände: über das altgriechische Rohrstock, zu Regel, Norm, Messstab in Latein, bis hin zum Glaubensgesetz im Spätlatein. Genau so wirken Diskussionen über einen Kanon der Literatur und einen Schulkanon zumeist und zuhauf: Glaubensfragen. Eigentlich ist das aber nicht zwangsläufig eine Disqualifikation. Wem wir aus welchen Gründen unseren Glauben schenken, somit […]

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Eingestreute Kritik: Sünje Lewejohanns Gedichtband »die idiotische wucht deiner wimpern«

  Brandsätze Ich gebe zu, ich hab mir schon einige Langspielplatten nur aufgrund ihres Covers gekauft, z.B. Grand Funk Railroads „E Pluribus Funk“, XTCs „Drums & Wires“ oder „Amorica“ von den Black Crowes. Und das Schöne daran ist: Ich bin nur sehr selten enttäuscht worden. Bei Gedichtbänden geht es mir ähnlich – nur nicht mit dem jeweiligen Cover, sondern mit Titeln. So kaufte ich mir seinerzeit Rühmkorfs „Haltbar bis Ende 1999“, war zehn Jahre später fasziniert von Gerhard Falkners „wemut“, weil dieses Wort das Gefühl der Melancholie im Stile eines chemischen Elements wie Wismut fasste. Auch hier erlebte ich kaum […]

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Eingestreute Kritik: Sujata Bhatts Gedichtband »Die Stinkrose«

  Das Unentdeckte. Die Unentdeckte Mit den Blüten von Blumen oder Zierstauden haben Knoblauchblüten nur wenig bis gar nichts gemeinsam. Bei ihnen handelt es sich – zieht man die Pflanzen-Fachliteratur zu Rate – um „Scheindolden, die steril sind und keine Samen bilden.“ Auch mit der Rosenblüte hat die Knoblauchblüte also nichts gemeinsam. Sie bildet sich kugelförmig aus, ist flieder- bis violettfarben. Dass sie den volkstümlichen Beinamen „Stinkrose“ trägt, sollte nicht verwundern: Ihre optische Attraktivität, die der einer Rose in nichts nachsteht, verbindet sie mit dem allseits bekannten, oft enervierenden Geruch, der Knoblauch so eigen ist. Summa summarum: Die Stinkrose verbindet […]

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