Neugelesen – Folge 30: Stevan Tontić »Handschrift aus Sarajevo«

Literatur ist vergänglich, trotz ihrer Materialität. Denn allmählich entschwinden Bücher in Archivbibliotheken und verlassen unseren Erfahrungshorizont. David Westphal möchte in Nachfolge an die Kolumne »Wiedergelesen« dagegen anschreiben. Er stellt an jedem 15. des Monats Vergessenes und Neugelesenes in seiner Rubrik »Neugelesen« vor (in memoriam Erich Jooß, † 2017).   Der vielfach zitierte Satz Adornos, es sei nach Auschwitz barbarisch, ein Gedicht zu schreiben, ist ebenso häufig bemüht wie interpretiert worden. Dieses als allgemeines Verdikt auftretende Zitat wurde 1949 verfasst: Holocaust und Weltkrieg hatten gerade unzählige Menschen traumatisiert. Zwei Worte, die sich selbst nicht begreifen können. Dieser Schrecken hat keine Worte. […]

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Eingestreute Kritik: Monika Littau (hrsg.) »bis die Smartie-Ampel auf Grün springt – postpoetry-NRW. Gedichte für den Unterricht«

  Monika Littau (hrsg.): bis die Smartie-Ampel auf Grün springt. postpoetry-NRW. Gedichte für den Unterricht Kanon, der: Liste mustergültiger Autoren, Werke. Bildungssprachlich. Laut Duden. Abgesehen vom Kultusministerium, von SchülerInnen, LehrerInnen und HochschülerInnen gibt es nicht so viele Menschen, die sich über Kanones Gedanken machen. Die Wortherkunft spricht für sich schon Bände: über das altgriechische Rohrstock, zu Regel, Norm, Messstab in Latein, bis hin zum Glaubensgesetz im Spätlatein. Genau so wirken Diskussionen über einen Kanon der Literatur und einen Schulkanon zumeist und zuhauf: Glaubensfragen. Eigentlich ist das aber nicht zwangsläufig eine Disqualifikation. Wem wir aus welchen Gründen unseren Glauben schenken, somit […]

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Neugelesen – Folge 29: Deichkind »richtig gutes zeug«

Literatur ist vergänglich, trotz ihrer Materialität. Denn allmählich entschwinden Bücher in Archivbibliotheken und verlassen unseren Erfahrungshorizont. David Westphal möchte in Nachfolge an die Kolumne »Wiedergelesen« dagegen anschreiben. Er stellt an jedem 15. des Monats Vergessenes und Neugelesenes in seiner Rubrik »Neugelesen« vor (in memoriam Erich Jooß, † 2017).   Lyrik? Das ist dieses Zeug, bei dem dreiviertel einer Buchseite blank ist. Das sind diese Texte aus dem Deutschunterricht. Konnte ich noch nie was mit anfangen. Letztens habe ich eines gehört, von so einem Briefmark, das war nett. Zum siebzigsten Geburtstag meiner Großmutter haben ein paar Tanten so ein Gedicht vorgetragen, […]

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Neugelesen – Folge 28: Eduard Mörike »Bilder aus Bebenhausen«

Literatur ist vergänglich, trotz ihrer Materialität. Denn allmählich entschwinden Bücher in Archivbibliotheken und verlassen unseren Erfahrungshorizont. David Westphal möchte in Nachfolge an die Kolumne »Wiedergelesen« dagegen anschreiben. Er stellt an jedem 15. des Monats Vergessenes und Neugelesenes in seiner Rubrik »Neugelesen« vor (in memoriam Erich Jooß, † 2017).   Während meines Studiums in Tübingen bin ich an heißen Sommertagen gerne zum Kloster Bebenhausen gelaufen. Eine kleine Wanderung durch einen dichten, kühlen Wald, selten hat man Menschen unterwegs getroffen. Kurz vor Erreichen des Klosters wurde man mit einem Blick in das Tal von Bebenhausen belohnt und konnte dort auf einer alten […]

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Eingestreute Kritik: Sünje Lewejohanns Gedichtband »die idiotische wucht deiner wimpern«

  Brandsätze Ich gebe zu, ich hab mir schon einige Langspielplatten nur aufgrund ihres Covers gekauft, z.B. Grand Funk Railroads „E Pluribus Funk“, XTCs „Drums & Wires“ oder „Amorica“ von den Black Crowes. Und das Schöne daran ist: Ich bin nur sehr selten enttäuscht worden. Bei Gedichtbänden geht es mir ähnlich – nur nicht mit dem jeweiligen Cover, sondern mit Titeln. So kaufte ich mir seinerzeit Rühmkorfs „Haltbar bis Ende 1999“, war zehn Jahre später fasziniert von Gerhard Falkners „wemut“, weil dieses Wort das Gefühl der Melancholie im Stile eines chemischen Elements wie Wismut fasste. Auch hier erlebte ich kaum […]

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