Neugelesen – Folge 2: Günter Grass: »Novemberland«

Literatur ist vergänglich, trotz ihrer Materialität. Denn allmählich entschwinden Bücher in Archivbibliotheken und verlassen unseren Erfahrungshorizont. David Westphal möchte in Nachfolge an die Kolumne »Wiedergelesen« dagegen anschreiben. Er stellt an jedem 15. des Monats Vergessenes und Neugelesenes in seiner Rubrik »Neugelesen« vor (in memoriam Erich Jooß, † 2017).   Ich habe noch nie Grass gelesen. Entweder ich begehe just einen Offenbarungseid oder aber ich spreche für viele Menschen wenigs-tens meiner Generation. Zugegeben, der ganzen Wahrheit entspricht es wieder auch nicht: Blech-trommel, Krebsgang und einige kleinere Prosastücke. Aber kein einziges (!) Gedicht. Vor kurzem ist mir ein dünnes Bändchen von Günter […]

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Dichterbriefe – Folge 29: Das Gesicht des Abwesenden – Christophe Fricker schreibt Nancy Hünger

Dichterbriefe

Christophe Fricker schreibt jeweils am 1. des Monats einem Dichterfreund, dessen Buch er gerade gelesen hat. Die Texte sind eine Mischung aus Offenem Brief zu Lyrik und Gesellschaft, bewusst parteiischer Rezension und vertrautem Austausch. Und damit hoffentlich auch weniger langweilig als Rezensionen, die ihre eigene Voreingenommenheit vertuschen.   Liebe Nancy, eins habe ich letztes Mal vergessen zu sagen. Was mich bei Deinen Gedichten so erschüttert, ist das Menschliche. Nicht die viel zu leicht herausposaunte Menschlichkeit mit ihrer bürokratischen, bei Nacht ins Mordlustige kippenden Lust am Prinzipiellen, die jeden einzelnen Menschen nur deshalb schätzt, weil er auf ein Allgemeines zu beziehen […]

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Neugelesen – Folge 1: Erich Jooß: »blues in der früh«

Literatur ist vergänglich, trotz ihrer Materialität. Denn allmählich entschwinden Bücher in Archivbibliotheken und verlassen unseren Erfahrungshorizont. David Westphal möchte in Nachfolge an die Kolumne »Wiedergelesen« dagegen anschreiben. Er stellt an jedem 15. des Monats Vergessenes und Neugelesenes in seiner Rubrik »Neugelesen« vor (in memoriam Erich Jooß, † 2017).   Wie lange lebt ein Gedicht? Vielleicht war es diese Frage, die Erich Jooß zu Beginn seiner Kolumne »Wiedergelesen« umtrieb. Die Antwort scheint indessen unmöglich. Die viel verehrte Sappho hält sich seit der Antike, obwohl kaum etwas von ihrer Person bekannt ist. Karl Krolows Gedichte hingegen verschwinden mehr und mehr aus dem […]

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Der feine Faltenwurf der Form: Der Gedichtband »TageKleider« von Elisabeth Drab

rezensiert von Hellmuth Opitz Ursprünglich war dieser Gedichtband als Sonettenkranz angelegt. Nun ist der Sonettenkranz bekanntlich eine streng geregelte Form. Sie besteht aus 14 + 1 eng verflochtenen Sonetten, die zusammen einen Gedichtzyklus bilden. Die Verschränkung der einzelnen Sonette erfolgt, indem der Schlussvers des ersten Sonetts gleichzeitig den Anfangsvers des zweiten Sonetts bildet, der Schlussvers des zweiten den Anfangsvers des dritten und so weiter. Das 15. Sonett – das Meistersonett – schließlich setzt sich aus den Anfangs- bzw. den Schlussversen aller 14 Sonette zusammen. Warum diese formale Regelerklärung des längst Bekannten? Nun, weil Elisabeth Drab eine Virtuosin des Sonettenkranzes ist. […]

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Dichterbriefe – Folge 28: Liebe Vielflieger – Christophe Fricker schreibt Nancy Hünger

Dichterbriefe

Christophe Fricker schreibt jeweils am 1. des Monats einem Dichterfreund, dessen Buch er gerade gelesen hat. Die Texte sind eine Mischung aus Offenem Brief zu Lyrik und Gesellschaft, bewusst parteiischer Rezension und vertrautem Austausch. Und damit hoffentlich auch weniger langweilig als Rezensionen, die ihre eigene Voreingenommenheit vertuschen.   Liebe Nancy, habe Dich telefonisch nicht erreicht, daher nun brieflich. Mein Neujahrsvorsatz (alles Gute Dir zum neuen Jahr, und auch Ihnen, die Sie mir über die Schulter schauen, während ich mit der wunderbaren, bedeutsamen, behutsamen Dichterin Nancy Hünger spreche!) – mein Neujahrsvorsatz lautet: Weniger fliegen. Wegen der verhungernden Eisbären, wegen meiner immer […]

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