GIPFELRUF
Folge 7: Michael Augustin

Michael Augustin (*1953)

  • Lyriker aus Bremen
  • www.facebook.com/
    michael.augustin.poet
  • Michael Augustin studierte in Kiel und Dublin. Seit 1979 ist er Rundfunkredakteur bei Radio Bremen und dort zuständig für das sonntägliche Feature und die Lyriksendung »Fundsachen«. Er ist Ko-Direktor des »Internationalen Literaturfestivals Poetry on the Road« in Bremen.

    Michael Augustin schreibt als freier Autor Gedichte, Kurzprosa, Kurzgeschichten sowie Dramolette und ist auch als Übersetzer und Zeichner tätig. Seine Bücher sind ins Italienische, Polnische, Spanische, Griechische, Irische und Englische übersetzt worden.Er ist Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller und in der irischen Sektion von PEN International.

dasgedichtblog gratuliert Michael Augustin, Teilnehmer beim »Internationalen Gipfeltreffen der Poesie« am 23.10.2012 in München, ganz herzlich zum Geburtstag. Der Lyriker stellt sich heute den Fragen unseres dasgedichtblog-Fragebogens.

Michael Augustin. Foto: W. Weber

Lyriker-Steckbrief

Name / Vorname: Augustin, Michael

Geburtsdatum: 13. Juni 1953

Geburtsort: Lübeck

Augenfarbe: sternhagelblau

Größe: 187 cm

Wohnort (mit Bundesland): Bremen

Aktueller Gedichtband (mit Erscheinungsjahr, Erscheinungsort, Jahr und Verlag): Nur die Urne schwimmt – Das Beste & Neueste (Edition Temmen, Bremen, 2. Aufl. 2011); Englische Ausgabe: Mickle Makes Muckle (Dedalus, Dublin, 2007)

23 Fragen an den Lyriker Michael Augustin
und ein Satz zum Ergänzen

1. Wann sind Sie zum ersten Mal mit einem Gedicht in Kontakt gekommen?

Nach Auskunft einer kompetenten Zeugin: an einem Sommerabend Mitte Juni 1953 (nach dem 13., aber vor dem 17. Juni). Die Rezitation war darauf angelegt, mich zum Einschlafen zu bringen. Hatte aber angeblich die gegenteilige Wirkung. Das hat sich auch so gehalten bis heute: Wenn ich einschlafen möchte, lese ich Prosa. Wenn ich wachbleiben möchte, lese ich Gedichte.

2. Haben Sie den ersten Kontakt mit Lyrik in positiver oder negativer Erinnerung?

Kann mich nicht erinnern, da ich mich vermutlich im Milchrausch befand. Soll aber die Augen verdreht haben. Was beides bedeuten kann.

3. Wann haben Sie Ihr erstes Gedicht geschrieben und wie lautet dessen Titel?

Ich glaube, ich war damals in der Quinta oder in der Quarta. Den Titel des Gedichts habe ich vergessen. Aber ich weiß noch, daß es von der Varus-Schlacht handelte und ganz speziell von dem Moment, als ein Bote aus Germanien bei Augustus in Rom eintraf, um die förchterliche Nachricht von der Niederlage zu übermitteln. Ich erinnere mich auch noch an den Anfang: »Ein Söldner in zerlumptem Kleide / läuft müden Schrittes über die Weide«.

Und das Ende ging so: »Augustus schreit und stürzt zur Erde nieder / ›Varus, Varus! Gib mir meine Legionen wieder!‹« Büschen holprig – aber eindeutig Realpoesie!!

4. Wo haben Sie Ihr erstes Gedicht veröffentlicht?

In der Schülerzeitung »OzDer« (Oberschule zum Dom, Lübeck).

5. Was haben Sie der Lyrik zu verdanken?

Fast alles. Auf jeden Fall meine Frau, Sujata Bhatt, die eine grandiose Poetin ist und in England publiziert und die ich als ›Fellow‹ an der berühmten, der internationalen Poesie ja besonders zugetanen University of Iowa kennengelernt habe. Und weil das so ist, haben wir als Folgeerscheinung dieser Begegnung seit 23 Jahren eine Tochter. Also was verdanke ich der Lyrik? Nicht nur fast alles. Sondern alles.

6. Was treibt Sie zum Schreiben von Gedichten an?

Sehr oft sind es die Gedichte anderer Autoren. Also: Die Lektüre von Poesie hilft dabei, macht Feuer unterm Arsch! Eine Art Pingpong, ein Zwiegespräch mit Lebenden oder Toten, egal, ob die vor 2000 Jahren gelebt haben oder zwanzig Jahre jünger sind als ich. – Und: Das Streben nach dem unbeschreiblichen Glücksgefühl, das sich einstellt, wenn ein Gedicht fertig ist. Anders gesagt: Gelegentlich ziehe ich mich an einem Gedicht aus dem Sumpf. Am liebsten an einem neuen eigenen.

7. Was macht für Sie den Reiz der Poesie aus?

Daß sie immer weitergeschrieben werden muß, obwohl doch angeblich schon alles gesagt ist.

8. Ihr Lieblingsschriftsteller?

Güntereichjohannesbobrowskipatrickkavanaghgottfriedbennbertbrechtdylanthomas
marieluisekaschnitzrorwolfgünterkunertraymondcarverthomasmannkennethkoch
günterbrunofuchspearsehutchinsonremcocampertfedericogarcialorcahansbender
robertcreeleyjackkerouacmichaelhartnettadamzagajewskihansmagnusenzensberger
seamusheaneyrobertburnsdanielcharmspablonerudajamesjoycesujatabhatt
heinrichheinerolfdieterbrinkmannallenginsbergerichfriedjörgfauserreinerkunze
tomastranströmerjorgeluisborgesundsoweiter.

9. Ihr Lieblingskünstler?

Lucebert & seine Cobra-Kollegen.

10. Ihr Lieblingsmusiker?

Georg Philipp Telemann.

11. Ihr Lieblingsfilm?

»Down by Law«.

12. Ihre Lieblingsfarbe?

Grünweiß.

13. Ihr Lieblingswort?

Ahoi.

14. Ihr Lieblingsvers?

»Sprache / abgehetzt / mit dem müden Mund / auf dem endlosen Weg / zum Hause des Nachbarn« (aus: »Sprache«, Johannes Bobrowski).

15. Ihr Lieblingsgedicht?

»Sprache« von Johannes Bobrowski & gleichermaßen »Inventur« von Günter Eich.

16. Ihr größter Fehler?

Mein größter Fehler.

17. Was loben Ihre Freunde an Ihnen?

Kann mir nicht vorstellen, daß die etwas an mir loben. Soweit kommt das noch.

18. Mit wem würden Sie gerne gemeinsam auftreten?

Mit Thomas Mann. Anmoderation: »Meine Damen und Herren! Ich bitte Sie um einen herzlichen Beifall für unser Duo ›Die zwei Lübecker‹!« (Beifall für den einen, Buhrufe für den anderen).

19. Wem möchten Sie nicht in der Sauna begegnen?

Thomas Mann. (Ach, Quatsch, er kann gern reinkommen…)

20. Welcher Vorzug von Ihnen wird verkannt?

Da gibt es nix zu verkennen.

21. Was war Ihr bislang schönstes Erlebnis mit einem Gedicht?

Ad infinitum: gerade eines geschrieben zu haben!

22. Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?

Immer noch einen Wunsch frei zu haben.

23. Welche Nebeneffekte im Literaturbetrieb wären für Sie verzichtbar?

Das ganze Geplapper.

Und zum Abschluss eine Satzergänzung:

Wenn ich nochmals auf die Welt käme, würde ich…
…sagen: »Was willst du denn hier? Ich bin doch schon da!«

Michael Augustin
Der Bahnhof fährt ab

Editon Temmen, Bremen 2011
96 Seiten
ISBN 978-3-8378-7011-4
Euro 9,90 [D]

 




Das »Internationale Gipfeltreffen der Poesie: 20 Jahre DAS GEDICHT« ist eine Veranstaltung von Anton G. Leitner Verlag | DAS GEDICHT in Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat der Landeshauptstadt München und dem Literaturhaus München. Hugendubel.de unterstützt das »Internationale Gipfeltreffen der Poesie: 20 Jahre DAS GEDICHT« als Förderpartner. Die Veranstaltung wird vom BR für sein Fernsehprogramm BR-alpha aufgezeichnet (geplante Erstsendung: Samstag, 12. Januar 2013, 22.30 Uhr, Reihe »Denkzeit«, BR-alpha). Das Aus- und Fortbildungsradio München afk M94.5 und dasgedichtclip – lyrik tv sind weitere Medienpartner.

 

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