Lockdown-Lyrik 113: »Quarantäne 2« von Ludwig Steinherr

»Lockdown-Lyrik! Quarantäne querdenken – etwas ernst zu nehmen heißt nicht, sich davon unterkriegen zu lassen« ist eine Online-Sammlung von Gedichten, die sich mit der Corona-Krise befassen. Es darf uns die Sprache nicht verschlagen! In loser Folge erscheinen neue Episoden der von Alex Dreppec, Jan-Eike Hornauer und Fritz Deppert herausgegebenen Anthologie.

 

Ludwig Steinherr

Quarantäne 2

Heute Morgen ist meine Sehnsucht
nach Rom so groß dass ich
auf die Live-Webcam Piazza Navona klicke
nur um den Platz zu sehen
die Häuser die Brunnen das Pflaster
über das ich eben noch ging
jetzt alles so unerreichbar
wie der Mars
und auch so unbewohnt –
Gab es hier jemals Leben?
Kein Mensch
Nur ein einzelnes Auto
das jetzt zögernd heranfährt
wie ein NASA-Roboter
der Gesteinsproben nimmt
aus der Stille –
Wann wird die Menschheit
den Mars besiedeln?
Schaut!
Es gibt dort alles: Licht und Wärme
Wasser in Fontänen!
Schönheit dass dir
die Tränen kommen!

 

© Ludwig Steinherr, München
 

[ Dazu gibt’s auch wieder ein Video, vom Autor als Bonus für diesen Blog aufgenommen, genauer: dessen Leserinnen und Leser. Hier der Link zu »Quarantäne 2«, vorgetragen von Ludwig Steinherr: https://www.youtube.com/watch?v=h87omzz-aZo
Direkt zum Vorgänger-Poem, zu »Quarantäne«, in Videoform (Sprecher-Duo Franziska Ball und Ludwig Steinherr) führt dieser Link: https://www.youtube.com/watch?v=Q9Bd8VxTtnI
Und hier geht’s zu »Quarantäne« in Textgestalt in der Lockdown-Lyrik-Reihe: https://www.dasgedichtblog.de/lockdown-lyrik-82-quarantaene-von-ludwig-steinherr/2020/04/21/ ]

 

 

Zu dieser Reihe: »Lockdown-Lyrik! Quarantäne querdenken – etwas ernst zu nehmen heißt nicht, sich davon unterkriegen zu lassen« ist eine Online-Sammlung zu den aktuellen Auswirkungen der Corona-Krise. Wir wollen im Gespräch bleiben, während wir Infektionsketten unterbrechen. Wir wollen die Erfahrung der Vereinzelung miteinander teilen. Wir wollen virtuelle Brücken bauen. Wir wollen das tun, was wir können: dichten, die Welt – und auch die aktuelle Situation – poetisch erfassen.

Unser Anliegen ist es in jedem Fall, zu einem Mehr an Besonnenheit beizutragen, zu versöhnen statt zu spalten. Mit Sorge sehen wir überharte Diskussionen, wie sie derzeit online, aber auch offline zu häufig geführt werden. Klar ist uns: Es gehört zu einer Demokratie dazu, Konflikte auszutragen. Aber wir insistieren auch hierauf: Es ist ebenso unerlässlich, sich des Gemeinsamen, Verbindenden bewusst zu sein und zu werden sowie respektvoll miteinander umzugehen.

Uns ist bewusst, dass bereits der Ansatz, zur Corona-Pandemie eine Lyrik-Online-Anthologie herauszugeben, ihre Auswirkungen zeitnah lyrisch zu behandeln, und dies aus verschiedenen Perspektiven sowie in unterschiedlichen Tonlagen, als Provokation aufgefasst werden kann. So ist diese Sammlung keineswegs gemeint. Ihr Thema an sich ist jedoch eben hochemotional besetzt. Für uns, die Herausgeber der Reihe, bleibt trotzdem und gerade deshalb wichtig: Wir wollen Brücken bauen, Perspektiven weiten, der ungewohnten Situation mit poetischen Mitteln und im gemeinschaftlichen Sinne begegnen.

Bleiben Sie gesund!

Alex Dreppec, Jan-Eike Hornauer, Fritz Deppert
 
PS: Alle bereits geposteten Folgen von »Lockdown-Lyrik! Quarantäne querdenken – etwas ernst zu nehmen heißt nicht, sich davon unterkriegen zu lassen« finden Sie hier. In loser, jedoch zügiger Folge wird die Sammlung erweitert.

 

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