Lockdown-Lyrik 2.0 / 009: »Isolation / Isolatia« von Bela Chekurishvili

»Lockdown-Lyrik 2.0! Quarantäne poetisch ausleuchten – etwas ernst zu nehmen heißt nicht, sich davon unterkriegen zu lassen« ist eine Online-Sammlung von Gedichten, die sich mit der Corona-Krise befassen. Es darf uns weiterhin die Sprache nicht verschlagen! In loser Folge erscheinen neue Episoden der nun von Sabine Schiffner, Anton G. Leitner, Alex Dreppec und Fritz Deppert herausgegebenen Anthologie (Dank an Jan-Eike Hornauer für die Mitherausgeberschaft bei Folge 1-154).

 

Bela Chekurishvili

Isolation / Isolatia

Nackt zu sein,
wenn niemand dich sieht,
ist ohne Bedeutung,
dann ist es auch egal, ob deine Haare beim Friseur als Dutt
oder als Dauerwelle gelegt wurden.
Es gibt ja keinen Grund mehr für Scham
und du brauchst, glaube ich, keine Angst zu haben,
du kannst völlig angstfrei ins Wasser steigen.

Aber jetzt, in der Selbstisolation,
wenn dich dein Körper
der wie eine Freundin ist
vom Wohnzimmer zur Küche begleitet,
solltest du ihm raten, sich beim Mittagessen etwas anzuziehen.
Dann sitzt an deinem Tisch noch eine weitere Person …

 

© 2020 Bela Chekurishvili, Berlin
(Nachdichtung aus dem Georgischen
und Redaktion: Sabine Schiffner)

 

იზოლაცია

სიშიშვლე,
თუკი არავინ გხედავს,
მნიშვნელობას სრულიად კარგავს,
როგორც თმა – კეფაზე რგოლად დახვეული,
ანდა სალონში დახვეული…
მასთან ერთად კი ქრება სირცხვილი,
და მგონი, შიშიც,
რადგან თამამად შედიხარ წყალში…

თუმცა,
ამ იძულებით იზოლაციაში,
როცა საკუთარ სხეულს
ოთახიდან სამზარეულოსკენ
მეგობარივით დაჰყვები,
სადილობისას ურჩევ, ჩაიცვას:
ამით მაგიდასთან ვიღაც მაინც იჯდება…

 

© 2020 Bela Chekurishvili, Berlin

 

 

 

Lockdown Lyrik 2.0. Wir hatten gehofft, dass es zu keinem zweiten Lockdown mehr kommen würde. Aber jetzt ist er angeordnet, der sog. »Wellenbrecher-Lockdown«. Er beginnt in Deutschland ab Montag, den 2. November 2020 – mit der Aussicht auf triste Herbst- und Wintertage. Grund genug für die Redaktion der Jahresschrift DAS GEDICHT, ihre vieldiskutierte Netz-Anthologie zur Corona-Krise vom Frühjahr 2020 wieder hochzufahren. Möge diese Online-Sammlung zur Pandemie uns allen einmal mehr dabei helfen, tief Luft zu holen und möglichst viele Aspekte der weltweiten Katastrophe mit dem Instrumentarium der Lyrik auszuleuchten, damit wir und unsere Leserinnen und Leser mental nicht unter die zweite Welle geraten!

Sabine Schiffner, Alex Dreppec, Fritz Deppert und Anton G. Leitner
 
PS: Alle bereits geposteten Folgen von »Lockdown-Lyrik! Quarantäne querdenken – etwas ernst zu nehmen heißt nicht, sich davon unterkriegen zu lassen« finden Sie hier. In loser, jedoch zügiger Folge wird die Sammlung erweitert.

 

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