Lockdown-Lyrik 2.0 / 012: »87 pasos« von Conchi da Silva

»Lockdown-Lyrik 2.0! Quarantäne poetisch ausleuchten – etwas ernst zu nehmen heißt nicht, sich davon unterkriegen zu lassen« ist eine Online-Sammlung von Gedichten, die sich mit der Corona-Krise befassen. Es darf uns weiterhin die Sprache nicht verschlagen! In loser Folge erscheinen neue Episoden der nun von Sabine Schiffner, Anton G. Leitner, Alex Dreppec und Fritz Deppert herausgegebenen Anthologie (Dank an Jan-Eike Hornauer für die Mitherausgeberschaft bei Folge 1-154).

 

Conchi da Silva

87 pasos

87 pasos, escalera hacia adentro,
interior con ventanas,
4 tiestos, 3 plantas.

Recorrido ascendente
para no descender,
para no sumergirme
en la angustia profunda.

87 clavos
que apuntalan mi sombra,
sujetan mi locura
y mitigan tu ausencia.

Cifra impar, 8-7,
como impar es mi noche,
no hay distancia entre ellos
pero apenas se tocan.

El 8 es infinito,
el 7 lo apuñala,
se persiguen, se buscan,
se rechazan, se extrañan.

¿Qué decir de ventanas
que no alcanzan mis manos?
¿De plantas moribundas
que se quejan al verme?

87 días
que parecen doscientos.
87 pasos,
para empezar de nuevo.

 

© 2020 Conchi da Silva, Ourense, Spanien

 

 

87 Treppenstufen

87 Treppenstufen, die Treppe nach drinnen,
Innenraum mit Fenstern,
4 Töpfen, 3 Pflanzen.

Aufwärtslauf
um nicht abzusteigen,
um nicht abzutauchen
in tiefe Angst.

87 Nägel
die meine Düsternis auffangen
meinen Wahnsinn bändigen
und dein Nichtdasein abmildern.

Ungerade Ziffern, 8-7,
so ungerade wie meine Nacht.
Es gibt keinen Abstand zwischen ihnen,
und trotzdem berühren sie sich kaum.

Die 8 ist unendlich,
die 7 spießt sie auf,
sie verfolgen sich, sie suchen sich,
sie verstoßen sich, sie vermissen sich.

Was kann man schon über Fenster sagen,
an die meine Hände nicht reichen?
Was über Pflanzen, die eingehen,
die klagen, wenn sie mich sehen?

87 Tage,
die wie zweihundert sind.
87 Treppenstufen,
um von neuem zu beginnen.

 

© 2020 Conchi da Silva, Ourense, Spanien
(Übersetzung und Redaktion: Sabine Schiffner)

 

 

Lockdown Lyrik 2.0. Wir hatten gehofft, dass es zu keinem zweiten Lockdown mehr kommen würde. Aber jetzt ist er angeordnet, der sog. »Wellenbrecher-Lockdown«. Er beginnt in Deutschland ab Montag, den 2. November 2020 – mit der Aussicht auf triste Herbst- und Wintertage. Grund genug für die Redaktion der Jahresschrift DAS GEDICHT, ihre vieldiskutierte Netz-Anthologie zur Corona-Krise vom Frühjahr 2020 wieder hochzufahren. Möge diese Online-Sammlung zur Pandemie uns allen einmal mehr dabei helfen, tief Luft zu holen und möglichst viele Aspekte der weltweiten Katastrophe mit dem Instrumentarium der Lyrik auszuleuchten, damit wir und unsere Leserinnen und Leser mental nicht unter die zweite Welle geraten!

Sabine Schiffner, Alex Dreppec, Fritz Deppert und Anton G. Leitner
 
PS: Alle bereits geposteten Folgen von »Lockdown-Lyrik! Quarantäne querdenken – etwas ernst zu nehmen heißt nicht, sich davon unterkriegen zu lassen« finden Sie hier. In loser, jedoch zügiger Folge wird die Sammlung erweitert.

 

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