Lockdown-Lyrik 2.0 / 013: »Durch den Mundschutz« von Alex Dreppec

»Lockdown-Lyrik 2.0! Quarantäne poetisch ausleuchten – etwas ernst zu nehmen heißt nicht, sich davon unterkriegen zu lassen« ist eine Online-Sammlung von Gedichten, die sich mit der Corona-Krise befassen. Es darf uns weiterhin die Sprache nicht verschlagen! In loser Folge erscheinen neue Episoden der nun von Sabine Schiffner, Anton G. Leitner, Alex Dreppec und Fritz Deppert herausgegebenen Anthologie (Dank an Jan-Eike Hornauer für die Mitherausgeberschaft bei Folge 1-154).

 

Alex Dreppec

Durch den Mundschutz

Wer klagt – mit Worten, schwer wie Blei -,
dass alle Welt enträtselt sei,
findet jetzt neue Rätsel überall:
spricht er sie an in des Gefallens Fall,
dann bleibt die Antwort auf die Frage unbekannt:
Staunt sie oder lächelt sie da süffisant?
Ist das so undeutlich, weil sie so lieblich säuselt?
Ist das die Stubsnase, die sich da kräuselt?
Macht sie ‘nen Kussmund oder will sie spucken?
Heißt das umarmen oder lieber ducken?
Gähnt sie, verzieht sie da den Mund?
Oder gibt ein Lächeln da zur Hoffnung Grund?
Kann man das merken, weil der Gummi spannt?
Wie liest man so ein Gummiband?
Für Singles gilt es nun beizeiten:
Du musst Dich darauf vorbereiten,
dass es nur müdes Lächeln dafür gibt,
sagt man „in Deine Augen hab ich mich verliebt“.
Ob Mundschutz kaufen oder selber nähen,
bald gibt’s ja sonst nicht viel zu sehen.
Von Haaren will ich gar nicht reden.
Schließlich betrifft das ja nicht jeden.
Die größte Kunst, hier winkt der Lohn,
wird Falteninterpretation.
Erst wenn Du alles das gelernt hast, dann
lächelt das Glück dich durch den Mundschutz an.
Wir nahmen schließlich schonmal was dazwischen
damit wir uns nicht alle Viren fischen.

 
Youtube-Video des Gedichts: https://www.youtube.com/watch?v=xkZv03TUytg

 

© 2020 Alex Dreppec, Roßdorf bei Darmstadt

 

(Redaktion: Anton G. Leitner und Sabine Schiffner)

 

 

Lockdown Lyrik 2.0. Wir hatten gehofft, dass es zu keinem zweiten Lockdown mehr kommen würde. Aber jetzt ist er angeordnet, der sog. »Wellenbrecher-Lockdown«. Er beginnt in Deutschland ab Montag, den 2. November 2020 – mit der Aussicht auf triste Herbst- und Wintertage. Grund genug für die Redaktion der Jahresschrift DAS GEDICHT, ihre vieldiskutierte Netz-Anthologie zur Corona-Krise vom Frühjahr 2020 wieder hochzufahren. Möge diese Online-Sammlung zur Pandemie uns allen einmal mehr dabei helfen, tief Luft zu holen und möglichst viele Aspekte der weltweiten Katastrophe mit dem Instrumentarium der Lyrik auszuleuchten, damit wir und unsere Leserinnen und Leser mental nicht unter die zweite Welle geraten!

Sabine Schiffner, Alex Dreppec, Fritz Deppert und Anton G. Leitner
 
PS: Alle bereits geposteten Folgen von »Lockdown-Lyrik! Quarantäne querdenken – etwas ernst zu nehmen heißt nicht, sich davon unterkriegen zu lassen« finden Sie hier. In loser, jedoch zügiger Folge wird die Sammlung erweitert.

 

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