Lockdown-Lyrik 2.0 / 031: »Lockdown-Liebe – Lockdown love« von Sven Kretzschmar

»Lockdown-Lyrik 2.0! Quarantäne poetisch ausleuchten – etwas ernst zu nehmen heißt nicht, sich davon unterkriegen zu lassen« ist eine Online-Sammlung von Gedichten, die sich mit der Corona-Krise befassen. Es darf uns weiterhin die Sprache nicht verschlagen! In loser Folge erscheinen neue Episoden der nun von Sabine Schiffner, Anton G. Leitner, Alex Dreppec und Fritz Deppert herausgegebenen Anthologie (Dank an Jan-Eike Hornauer für die Mitherausgeberschaft bei Folge 1-154).

 

Sven Kretzschmar

Lockdown-Liebe
(nach Martin Vernon)

Sag’s niemanden weiter: ich habe eine Affäre
und wir treffen uns regelmäßig
trotz Ausgehbeschränkung. Ich verzehre mich
nach dem Anblick dieses Athletenkörpers,

dabei zu sein beim Waschen seiner
Hände, beim Zähneputzen. Er trägt keine
Schutzmaske – ein Maulkorb
harmoniert nicht mit seinem guten Aussehen,

mit einem Grübchen-Lächeln konturscharfer
Gesichtszüge. Ich bekomm’ einfach nicht
genug von diesem alles versprechenden Blick
in seinen Augen im Badezimmerspiegel.

 

Lockdown love
(after Martin Vernon)

Don’t tell anyone, but I have an affair
and we’ve been meeting regularly
despite lockdown restrictions. I lust
for a look at this athletic body,

to simply be near when he washes
his hands, brushes his teeth. He wears no
protective mask – a muzzle
does not blend in with his good looks,

with a smile dimpling these clear-cut
facial features. I can’t get
enough of the all-promising look
in his eyes in the bathroom mirror.

 

© 2020 für Gedicht und Übersetzung Sven Kretzschmar, Schwalbach
(Redaktion: Anton G. Leitner)

 

 

Lockdown Lyrik 2.0. Wir hatten gehofft, dass es zu keinem zweiten Lockdown mehr kommen würde. Aber jetzt ist er angeordnet, der sog. »Wellenbrecher-Lockdown«. Er beginnt in Deutschland ab Montag, den 2. November 2020 – mit der Aussicht auf triste Herbst- und Wintertage. Grund genug für die Redaktion der Jahresschrift DAS GEDICHT, ihre vieldiskutierte Netz-Anthologie zur Corona-Krise vom Frühjahr 2020 wieder hochzufahren. Möge diese Online-Sammlung zur Pandemie uns allen einmal mehr dabei helfen, tief Luft zu holen und möglichst viele Aspekte der weltweiten Katastrophe mit dem Instrumentarium der Lyrik auszuleuchten, damit wir und unsere Leserinnen und Leser mental nicht unter die zweite Welle geraten!

Sabine Schiffner, Alex Dreppec, Fritz Deppert und Anton G. Leitner
 
PS: Alle bereits geposteten Folgen von »Lockdown-Lyrik! Quarantäne querdenken – etwas ernst zu nehmen heißt nicht, sich davon unterkriegen zu lassen« finden Sie hier. In loser, jedoch zügiger Folge wird die Sammlung erweitert.

 

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